Video: Das sagt der Pfarrer zum Überfall

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Traunstein - Zwei mutmaßliche Räuber (25/26), die zwei Pfarrer überfallen haben sollen, stehen seit dem Vormittag vor Gericht. Wir haben mit einem der Opfer gesprochen.

Zwei junge Männer - 25 und 26 Jahre alt - sitzen seit Dienstag auf der Anklagebank im Traunsteiner Landgericht. Ihnen wird vorgeworfen, im Juni und Juli 2012 zwei Einbrüche auf ein Pfarrhaus in Tuntenhausen und einen Pfarrhof in Böbing begangen zu haben. Die beiden Angeklagten sollen bei ihren Taten äußerst brutal vorgegangen sein, um an ihre Beute zu kommen.

Einbruch in Pfarrheim in Tuntenhausen

Im Juni vergangenen Jahres sollen sich die beiden Angeklagten, gegen 3 Uhr morgens, zutritt zu dem Pfarrhaus in Tuntenhausen verschafft haben. Maskiert und mit einem roten Brecheisen bewaffnet sollen die beiden anschließend den schlafenden Pfarrer von seiner Couch gezerrt und bedroht haben. Nachdem sie die Beute - 550 Euro Bargeld und eine EC-Karte mit PIN-Nummer - eingesackt hatten, sollen die beiden Täter den Pfarrer noch an einen Heizkörper gefesselt haben. Er konnte sich wenig später selbstständig aus seiner misslichen Lage befreien und die Polizei rufen. Die Täter sollen kurz darauf noch 2000 Euro von dem Konto der Katholischen Kirchenstiftung abgehoben haben.

Einbruch im Pfarrhof in Böbing

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Wie bereits beim ersten Einbruch gingen die Täter auch bei ihrem Überfall in Böbing mit äußerster Brutalität vor:Im Juli 2012 stiegen sie in den Pfarrhof ein und bedrohten den Prälaten und die Haushälterin mit vorgehaltener Waffe und Sprüchen wie: "wir schlagen euch in die Fresse". Nachdem sie ihre Beute - rund 800 Euro und drei EC-Karten - hatten, sollen sie auch hier wieder ihre Opfer an eine Heizung gefesselt haben. Anschließend sollen sie noch je 1000 Euro von den Konten abgehoben haben.

Die Angeklagten müssen sich ab Dienstag nun in zwei Fällen wegen schweren Raubes, Freiheitsberaubung, gefährlicher Körperverletzung und Computerbetruges verantworten.

+++ UPDATE 9.40 Uhr: Angeklagte schweigen zu Vorwürfen +++

Der Prozess begann am Dienstag mit der Verlesung der Anklageschrift. Der vorsitzende Richter Dr. Jürgen Zenkel gab den beiden Angeklagten anschließend die Möglichkeit, sich zu den Vorwürfen zu äußern. Doch die Angeschuldigten schweigen. Am Nachmittag wird der Prozess mit den Aussagen der geschädigten Pfarrer fortgesetzt.

+++ UPDATE 14.10 Uhr: Überfallener Pfarrer sagt aus +++

Überraschend gelassen schilderte der 43-jährige Pfarrer aus Tuntenhausen seine Erinnerungen an den Einbruch in den Morgenstunden des 17. Juni 2012: Er habe einen langen, anstrengenden Tag hinter sich gehabt und sei deswegen auf der Couch in seinem Haus eingeschlafen. "Doch plötzlich bin ich wach geworden, weil ich eine Hand mit Stoffhandschuh im Gesicht gespürt habe", so der Pfarrer.

Im Licht der Taschenlampe habe er dann zwei maskierte Personen in seinem Zimmer gesehen. "Mit einer Brechstange in der Hand haben sie mich dann nach unten ins Büro gebracht." Dort sollte er anschließend den Tresor aufsperren, was er unter Androhung von Gewalt auch tat. "Ich hatte aber den Eindruck, dass die beiden Täter enttäuscht waren, dass fast kein Geld im Tresor war."

Einer der Täter habe danach seinen Geldbeutel mit der EC-Karte darin gefunden. Er sei daraufhin wieder bedroht worden, die Geheimnummer herauszurücken. Trotz der ganzen Geschehnisse hat der Pfarrer seinen Humor nicht verloren. Bei seiner Schilderung meinte er ganz trocken: "Man wird sehr gesprächig mit einem Brecheisen im Gesicht."

Danach sei er von den Einbrechern mit Kabeln an die Heizung gefesselt und mit einer Jacke geknebelt worden. "Sie haben mir dann noch gedroht, dass sie zurückkämen, wenn die Geheimnummer falsch wäre." Beim Verlassen des Pfarrhofes habe einer der Täter noch zum anderen gesagt: "Sag du dem Bernd Bescheid." Daher sei er auch davon ausgegangen, dass es drei Täter seien. Gegen 4 Uhr früh habe er sich dann aus seiner Fesselung befreien können.

Ob es sich bei den Einbrechern um die Angeklagten handelt, konnte der 43-Jährige nicht mit Bestimmtheit sagen. "Die zwei waren maskiert. Deswegen könnte ich sie auch nicht von Angesicht zu Angesicht identifizieren." Er konnte sich allerdings noch daran erinnern, dass die Einbrecher einen Akzent gehabt hätten und mit gebrochenem Deutsch gesprochen hätten. Die beiden Angeklagten sind aber gebürtige Deutsche.

Nach seinen Verletzungen gefragt, meinte der Pfarrer, dass er seit rund einem halben Jahr Probleme habe, den Gottesdienst zu feiern: "Ich kann mich dabei nicht mehr entspannen, weil ich immer Angst habe, dass mein Kreislauf wegsackt." Seinen Glauben an das Gute im Menschen habe er aber trotzalledem nicht verloren.

redch24/ps/mw

Rubriklistenbild: © ps

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