Kandidatenvorstellung Bundestagswahl 2017

Steckbrief-Fragebogen: Andreas Herden (Grüne)

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Andreas Herden kandidiert für Bündnis 90/Die Grünen im Wahlkreis Traunstein. 

Traunstein/Landkreis - Am Sonntag, 24. September, wird in Deutschland ein neuer Bundestag gewählt. Im Wahlkreis Traunstein (225) bewerben sich acht Kandidaten um das Direktmandat. Wir stellen alle Kandidaten einzeln vor - heute: Andreas Herden (Bündnis 90/Die Grünen)

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Die Antworten auf den Fragebogen von chiemgau24.de/BGLand24.de:

Name? 

Andreas Herden 

Partei? 

Bündnis 90/Die Grünen 

Alter? 

49 Jahre 

Wohnort? 

83308 Trostberg 

Familienstand? 

Verheiratet. 

Anzahl Kinder? 

Vier. 

(Erlernter) Beruf/Studium? 

(Evangelischer) Pfarrer / Theologie, Philosophie Organisationsentwicklung

Politische Karriere? 

2011: Eintritt bei Bündnis 90/Die Grünen, Ortsverband Trostberg, 2013- 2015 Kreisrat im Kreistag Traunstein, 2016 Wahl zum Stimmkreis-Kandidaten (Traunstein und Bechtesgadener Land).

Vorbilder in der Politik? 

Sepp Daxenberger, Ruth Rehmann, Vaclav Havel, Martin Luther King. 

Was verbindet Sie mit unserer Region? Was ist das Besondere bei uns? 

Die Berge, die Seen, die Flüsse, die Vielfalt und Schönheit der Landschaft und der Menschen. 

Warum sollten die Bürger Ihnen ihre Stimme geben? Was sind Ihre Qualifikationen/Kompetenzen?

Ich bin "Christlich.Sozial.Grün." Mit diesen Eigenschaften werbe ich um die Stimmen der Bürgerinnen und Bürger. Mein Glaube an Jesus Christus äußerst sich in meinem Eintreten für den Nächsten und für den Erhalt der Schöpfung. Ich beziehe aus meinem Glauben Mut und Demut; beides erachte ich als grundlegende Tugenden eines Politikers. Meine Fähigkeiten für (Sozial-) Politik rühren aus langjährigen Erfahrungen in der Gemeindearbeit mit ehrenamtlichen Gemeindegliedern sowie als Abteilungsleiter der Diakonie für Behindertenhilfe, Sozialpsychiatrie, Migration und Asyl.

Ich kenne nicht nur die Sorgen und Nöte von Betroffenen und den Mitarbeitenden in der Wohlfahrtspflege, sondern auch die Anforderungen, die nötig sind, um Hilfe im Leben für und mit den Betroffenen zu organisieren. Ich kandidiere für den Bundestag, weil ich dazu beitragen will, dies besser zu tun als es unter den bisherigen gesetzlichen Rahmenbedingungen möglich ist. Ich halte den Klimawandel für die größte und wichtigste Herausforderung der Gegenwart, die wir sofort und entschlossen angehen müssen. Die Grünen sind die Partei, die dies am konsequentesten tut. 

Was sind Ihre drei wichtigsten politischen Ziele? 

Energiewende, Verkehrswende, Agrarwende. Schon 2008 hat das Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt, Energie zusammen mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Evangelischen Kirche diese drei Notwendigkeiten im Hinblick auf den Klimawandel formuliert; leider wurde viel zu wenig davon bisher umgesetzt. 

Deshalb will ich im Zuge der Energiewende, dass sofort nach der Wahl die 20 schmutzigsten und bis 2030 die restlichen 200 Kohlekraftwerke in Deutschland stillgelegt werden. Mit der Agrarwende will ich weniger Gift und Gülle auf die Felder und dafür gesünderes Essen auf die Teller. Ich will Tierquälerei in Tierfabriken stoppen. 

Was wollen Sie für die Menschen in der Region bewirken? 

Damit nicht immer mehr LKW durch unsere Städte und Dörfer fahren, muss die LKW-Maut umso höher sein, je kleiner die Straße ist. Der öffentliche Nahverkehr und die Bahn müssen ausgebaut und miteinander vernetzt werden. Verkehrswende heißt auch für uns in der Region den Bundesverkehrswegeplan von der Straße auf die Schiene zu stellen. Ebenso brauchen wir und insbesondere unsere Kinder mehr Platz und mehr Sicherheit als Fußgänger und Fahrradfahrer. In Ortschaften soll überall maximal Tempo 30 erlaubt sein. 

Thema Gerechtigkeit: Geht es in Deutschland gerecht zu? Sollten bestimmte Bevölkerungsschichten steuerlich entlastet/finanziell unterstützt werden? Welche und wie? 

Es ist ungerecht, wenn Kinder aus sogenannten „sozial schwachen“ Familien schlechtere Bildungschancen haben. Kinder aus „sozial schwachen“ Familien kommen in Wahrheit aus „finanziell schwachen“ Familien. Um gleiche Chancen für alle Kinder zu ermöglichen soll der Bund ein bedingungsloses Grundeinkommen für Kinder einführen. Die Länder sollen Bildungsangebote an Schulen und in Kindertageseinrichtungen grundsätzlich kostenlos anbieten. 

Thema Rente: Wie sieht Ihre Rentenpolitik aus? Renteneintrittsalter und Finanzierung (Stichwort: Generationenvertrag)? 

Die Grünen fordern eine aus Steuern finanzierte Garantierente deutlich oberhalb der Grundsicherung (in Höhe von etwa 900,- €) für alle Menschen, die den größten Teil ihres Lebens rentenversichert waren, gearbeitet haben, Kinder erzogen oder andere Menschen gepflegt haben. 

Die Rentenversicherung soll in eine Bürgerversicherung für alle umgewandelt werden. Selbstständige sollen sofort aufgenommen werden, dann auch Minijobber, Langzeitsarbeitslose, Abgeordnete und schließlich auch Freiberufler und Beamte. Grundsätzlich halten wir an der Rente mit 67 fest. Menschen sollen es aber leichter haben, selbst darüber zu entscheiden, wann sie in Rente gehen. Mit einfachen Hinzuverdienstregelungen können eine Teil Rente und ein Teil Einkommen kombiniert werden. Abschläge bei der Erwerbsminderungsrente wegen Krankheit wollen wir abschaffen. 

Thema Ökologie/Klimaschutz: Sind wir hier auf dem richtigen Weg? Was sollte sich wie ändern?

Die Vorreiterrolle, die Deutschland weltweit im Umwelt- und Klimaschutz innehatte, geben wir gerade an andere ab. China und sogar Indien werden ihre Klimaschutzziele aus dem Pariser Abkommen ziemlich sicher erreichen, Deutschland ziemlich sicher nicht. 

Der Kohleausstieg und die Energiewende wird ohne staatliche Anreize und Vorgaben nicht gelingen. Durch eine einfache Maßnahme kann die Energiewende wieder richtig Schwung aufnehmen: Wer CO2 produziert - in der Regel durch Verbrennung - muss dafür bezahlen und zwar ohne Ausnahme. Die Kosten je Tonne CO2 sind, in angemessener Höhe, so festzulegen, dass die Folgekosten für Umwelt und Klima dabei abgebildet werden. 

Thema Wohnungsnot/sozialer Wohnungsbau: Bezahlbare Wohnungen sind in unserer Region oft Mangelware. Wie wollen Sie bezahlbaren Wohnraum schaffen und finanzieren? 

Städte und Kommunen müssen hier ihre ureigene Verantwortung wahrnehmen und den Bau von Sozialwohnungen nicht privaten Investoren überlassen. Wenn sie den Bau von (Sozial- ) Wohnungen in die eigene Hand nehmen, können sie wichtige Aspekte der Raumordnung (wie z.B. Verkehrsanbindung, Einkaufsmöglichkeiten, usw.) wie auch der sozialen Ordnung (Angebote von Bildungs-, Gesundheits-, Pflege- und Kindertageseinrichtungen, Begegnungsräume, Barrierefreiheit, usw.) mit ansprechenden architektonischen Lösungen und ökologischen Innovationen verbinden. 

Thema Flüchtlinge: Was läuft in der Flüchtlingspolitik gut, was schlecht? Wie würde Ihre Flüchtlings- und Integrationspolitik aussehen? 

Das beste an der gegenwärtigen Situation im Bereich Asyl und Flucht, Migration und Integration ist das anhaltend hohe Engagement der Zivilgesellschaft in Deutschland. Die Integrationsarbeit können die ehrenamtlichen Akteure aus der Zivilgesellschaft mit besserer staatlicher Unterstützung meines Erachtens mittelfristig weiterhin mit hoher Qualität und guten Ergebnissen leisten, wenn man sie nur lässt und ihre Erfolge bei der Integration nicht durch Arbeitsverbote und Abschiebungsanordnungen für arbeitende Asylbewerber zerstört. 

In vielen staatlichen Einrichtungen ist die Situation allerdings unerträglich. So halte ich die Zustände in den Transitzentren in Bayern (Bamberg, Deggendorf, Manching bei Ingolstadt, Regensburg), in denen Asylbewerber aus so genannten „sicheren Herkunftsländern“ untergebracht sind, für grundgesetzwidrig. Kinder werden in diesen Zentren über Zeiträume von bis zu einem Jahr vom Schulbesuch ausgeschlossen. Wir haben aber Schulpflicht in Deutschland und die gilt nicht nur für Kinder mit deutschem Pass. Die freie Wohlfahrtspflege und auch Ehrenamtliche haben zu diesen Zentren keinen geregelten Zugang; eine unabhängige Beratung, einen Zugang zu Rechtsanwälten für die Bewohner gibt es nicht. 

Langfristig erachte ich es für die wichtigste und größte Aufgabe der EU eine gemeinsame solidarische und humane Migrations- und Asylpolitik zu entwickeln; hierfür muss sich Deutschland als finanziell stärkstes Land entschlossen einsetzen. Es ist nicht akzeptabel, dass die Abschottungspolitik des Friedensnobelpreisträgers Europäische Union jedes Jahr Tausende von toten Geflüchteten im Mittelmeer in Kauf nimmt. Legale und sichere Fluchtwege sowie geregelte Aufnahmen in allen EU- Ländern nach einer verbindlichen Quote können dem Sterben und dem Schlepperunwesen wirksam Einhalt gebieten. Ein Einwanderungsgesetz entlastet den Bereich Asyl, weil alle, die (Aus-)Bildung und Arbeit in Deutschland suchen, dies dann nicht mit dem „Ticket“ Asyl tun. 

Braucht Deutschland einen Regierungswechsel, eine neue Regierungskoalition? Welche und warum? 

Ja. Seit 12 Jahren verwaltet Frau Bundeskanzlerin Merkel den Stillstand in Deutschland. Zugegeben: sie macht das recht sympathisch und erfolgreich. Sie hat der Bundesrepublik Deutschland hohes Ansehen in der internationalen Öffentlichkeit erworben. Dabei wird Deutschland vor allem bewundert für drei grüne Kernprojekte: Atomausstieg, Energiewende und Hilfe für Geflüchtete. 

Entweder gestaltet Frau Bundeskanzlerin Merkel mit den Grünen diese Projekte so nachhaltig erfolgreich, dass die Bundesrepublik als Vorreiterin die Bewunderung der Weltöffentlichkeit auch noch in vier Jahren und zu recht genießt oder sie muss den Stuhl räumen für eine Koalition ohne sie und die Union.

Anmerkung der Redaktion: Die Antworten des Kandidaten/der Kandidatin wurden 1:1 von der Redaktion übernommen, inhaltlich nicht überarbeitet und müssen deswegen nicht die Meinung der Redaktion widerspiegeln.

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