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Verhandlung gegen die beiden Dealer der Hells Angels

Prozess wird unterbrochen – Urteil soll schon am nächsten Verhandlungstag folgen

Dealer der Hells Angels vor Gericht: Drogen und Waffen in Südbayern verkauft
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Die Rosenheimer Hells Angels mit Drogen und Waffen beliefert? Zwei Dealer aus München am Montag in Traunstein vor Gericht.

Traunstein/Rosenheim/München – Die Beweislast gegen zwei Drogendealer aus dem Münchner Raum scheint erdrückend: Die Männer sollen spätestens 2021 Drogen und auch scharfe Waffen im großen Stil unter anderem an die Rosenheimer Hells Angels verkauft haben. Der Prozess wird am Freitag (18. November) fortgesetzt.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Der vierte Prozesstag gegen zwei Mitglieder der Hells Angels steht an
  • Sie sind wegen Drogenhandel angeklagt
  • Weitere wichtige Zeugen sollen befragt werden
  • Finanzen der Angeklagten werden unter die Lupe genommen
  • Eine Gutachterin spricht über das Konsumverhalten eines Angeklagten
  • Prozess wird unterbrochen
  • Urteil soll schon am nächsten Verhandlungstag folgen

Update, 15.35 Uhr - Prozess wird unterbrochen – Urteil soll schon am nächsten Verhandlungstag folgen

Nachdem auch die zweite Sachverständige aus dem Zeugenstand entlassen wurde, nähert sich der Prozess nun der Zielgeraden. Die Staatsanwaltschaft beschäftigen die Gelder, die in Zusammenhang mit den Taten der Angeklagten stehen, an dieser Stelle aber weiterhin.

Über 250.000 Euro an Taterlösen – in bar oder auch in Form von anderen Wertgegenständen – wurden insgesamt bei beiden Angeklagten sichergestellt. Auf Basis dessen berechnet Staatsanwältin Barbara Miller einen zu leistenden Wertersatz in Höhe von knapp 200.000 Euro – ein Betrag, der von den Angeklagten zusätzlich zur Haftstrafe geleistet werden muss.

Wie geht es jetzt weiter im Prozess gegen das Dealer-Duo?

Weitere Beweisanträge stellen die Verteidiger Dr. Kai Wagler und Jörg Sklebitz nicht mehr. Die Kammer verständigt sich mit den Beteiligten danach auf das weitere Vorgehen: Entgegen der ursprünglichen Planung soll die Verhandlung erst am 18. November fortgesetzt werden. An diesem Tag sollen die Schlussanträge – die sogenannten Plädoyers – der Rechtsanwälte sowie der Staatsanwaltschaft gehalten werden. Alle anderen Verhandlungstage in der Zwischenzeit sollen ersatzlos entfallen. Richterin Braune kündigt daraufhin an, auch das Urteil voraussichtlich an diesem Tag verkünden zu wollen.

+++ chiemgau24.de berichtet auch am 18. November ab 9 Uhr wieder live aus dem Gerichtssaal. +++

Update, 14.35 Uhr - Einschlägig vorbestraft – Angeklagter aus Neubiberg mit langer Drogenvergangenheit

Nachdem die Sachverständige ihr Gutachten zum 43-jährigen Taufkirchener abgelegt hat, widmet sich das Gericht nun erneut dem Drogenversteck der beiden Angeklagten. Auf zahlreichen Fotografien macht sich die Kammer selbst ein Bild, wie es im Bunker der Dealer zum Zeitpunkt der Verhaftung ausgesehen hat. Hinzu kommen dann weitere Gutachten, wie etwa Berichte der Spurensicherung, die das Gericht im Anschluss offiziell ins Verfahren einführt.

Bevor weitere Zeugen im Fall der beiden Dealer gehört werden, geht das Gericht zunächst noch einer anderen Frage nach: Da in der gemeinsamen Wohnung des 43-Jährigen und dessen Lebensgefährtin große Mengen Bargeld gefunden wurden, gilt es zu klären, wem das Geld wirklich gehörte. Nach kurzer Beratung gibt Richterin Christina Braune an, dass der Lebensgefährtin des Angeklagten der Betrag auch zugesprochen werden kann, den sie gegenüber der Kammer auch glaubhaft als ihr Eigentum nachweisen kann.

Suchttherapie auch für den Neubiberger empfehlenswert?

Nach der Mittagspause setzt Richterin Braune die Verhandlung weiter fort. Dr. Verena Klein vom Isar-Amper-Klinikum in Taufkirchen legt ihr psychiatrisches Gutachten über den 37-jährigen Neubiberger ab. Die Ärztin gibt an, „sehr ausführlich“ mit dem Angeklagten in der JVA München gesprochen zu haben. Bereits im Alter von 13 Jahren habe der Neubiberger nach eigenen Angaben mit dem Konsum von Cannabis begonnen. Bis zum 21. Lebensjahr habe er täglich konsumiert, „danach hat er die Mengen wohl deutlich reduziert“, so die Gutachterin. Gelegentlich will er Kokain und auch Ecstasy zu sich genommen haben; immer dann „wenn ihm etwas zwischen die Finger geraten ist“. Alkohol nahm er ebenfalls regelmäßig zu sich, „Phasen von exzessivem Konsum wechselten sich mit eher ruhigen Phasen ab“, so die Ärztin weiter.

Einschlägige Vorstrafen beim Neubiberger

„Was aktuell aufgefallen ist, sind erhöhte Leberwerte, wie es bei einer anfänglichen Schädigung der Fall ist“, ergänzt Dr. Klein. Eine Abhängigkeit – gleich wie eine Hirnschädigung oder damit verbundene Persönlichkeitsstörungen - könne die Gutachterin nicht abschließend diagnostizieren. Der „schädliche Gebrauch“ von Kokain, Cannabis und anderer Drogen bringe die Sachverständige am Ende aber zu der Empfehlung, eine Therapie im Rahmen der Haft anzutreten

Das Bundeszentralregister für den 37-Jährigen weist insgesamt sieben Einträge auf; darunter Verurteilungen wegen Sachbeschädigung, Körperverletzung, Besitz von Betäubungsmitteln und auch Betrug. Wegen Drogenhandels wurde der Neubiberger bereits zuvor vom Gericht in Bautzen zu einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren und einem Monat verurteilt.

Update, 12.40 Uhr - Mehrere Gramm Kokain pro Tag selbst konsumiert – Psychiaterin sagt vor Gericht aus

„Zwischenzeitlich hatte der Angeklagte rund 35.000 Euro auf dem Konto“, fährt der Finanzermittler fort. Diese Ersparnis beim 43-Jährigen resultiere in erster Linie aus den geringen Ausgaben für den täglichen Bedarf; und weiter: „Bargeld war schließlich ausreichend vorhanden.“

Im Nachhinein könne nicht mehr mit Sicherheit nachvollzogen werden, ob das gemeinsam genutzte Fahrzeug der beiden Männer mit Bargeld oder über die Inzahlungnahme eines anderen Autos finanziert worden war. Feststehe, dass ein Wert von 40.000 Euro als erste Rate veranschlagt war. Monatlich zahlte der Angeklagte daher für den Wagen auch nur 300 Euro; bei einem Wert des Fahrzeugs von rund 70.000 Euro „gängige Praxis“.

Tatsächliche Menge des Bargelds nach wie vor unklar

„Ein hochwertiger Foto-Apparat“ und eine „gewisse Technik-Affnität“ konnte in der Wohnung zusätzlich festgestellt werden; allerdings „nicht über das normale Maß hinaus“, so der Zeuge. Auf die Frage der Kammer, wie viel Bargeld pro Monat dem Angeklagten somit zur Verfügung stehen musste, schüttelt der Zeuge nachdrücklich den Kopf. Zu viele Faktoren seien selbst für eine überschlagsmäßige Berechnung noch immer nicht bekannt.

Die Kammer entlässt den Polizeibeamten und ruft als nächstes eine medizinische Sachverständige vom Isar-Amper-Klinikum in München in den Zeugenstand. Sie legt ihr Gutachten ausschließlich über den 43-jährigen Taufkirchener ab. Er habe ihr gegenüber beim Erstgespräch in der Justizvollzugsanstalt angegeben, vor der Festnahme regelmäßig Cannabis und Kokain konsumiert zu haben. Vor 2020 sei davon allerdings keine Spur gewesen; „wie er dann darauf kommt, kann ich aus psychiatrischer Sicht nicht sagen“, so die Gutachterin.

Therapie sinnvoll – starker Konsum beim 43-Jährigen

Der Taufkirchener sei zu einer Therapie bereit; eine Suchterkrankung sei in Hinblick auf den Kokainmissbrauch durchaus erkennbar. Seit 2020 habe der 43-Jährige angegeben, regelmäßig und zuletzt bis zu vier Gramm Kokain pro Tag konsumiert zu haben. Die Sachverständige empfiehlt dem Gericht daher, den Mann für rund zwei Jahre seiner Strafe in Therapie zu schicken. Im Bundeszentralregister finde sich zudem bislang kein Eintrag für den Angeklagten.

Update, 10.55 Uhr - Konten der Angeklagten mit Unstimmigkeiten

Nach den spannenden ersten drei Verhandlungstagen gegen die beiden Männer aus dem Raum München eröffnet Richterin Christina Braune am Montag den vierten Prozesstag. Viele Punkte wurden im bisherigen Verlauf bereits abgearbeitet: So verständigte sich die Kammer mit Staatsanwaltschaft und Verteidigung bereits auf einen möglichen Strafrahmen für die beiden Angeklagten. Sowohl der 43-jährige Taufkirchener, als auch der 37-jährige Neubiberger hatten daraufhin über ihre Anwälte die ihnen zur Last gelegten Taten einräumen lassen.

Für den heutigen Tag stehen die Aussagen weiterer Zeugen sowie mehrerer Gutachter auf dem Plan. Den Anfang macht ein Traunsteiner Polizist, der die Finanzen der beiden Angeklagten genauer unter die Lupe genommen hat. Er war auch bei der Durchsuchung der Wohnungen der Männer nach deren Verhaftung vor Ort. In den Räumlichkeiten des 43-Jährigen habe er unter anderem ein Notizbuch mit kryptischen Notizen entdeckt. In einer Schachtel im Küchenschrank versteckte sich zudem ein Betrag in Höhe von 50.000 Euro. Die Lebensgefährtin des Taufkircheners habe angegeben, dass es ihr Geld gewesen sei; auf die Frage des Polizisten habe sie gesagt: „Das müssten so 30.000 Euro sein, das habe ich mein Leben lang angespart.“

Konten mit Unregelmäßigkeiten – wie viel Geld steckte hinter dem Drogen-Business?

Eine leere Rolex-Uhrenschachtel mit unterschiedlichen Zertifikaten sowie drei gefälschte Luxusuhren seien weiter sichergestellt worden. Insgesamt 17 Konten – sowohl vom 43-jährigen Angeklagten, als auch seiner Lebensgefährtin - sah sich die Polizei im Folgenden genauer an. Bei der Lebensgefährtin fiel zunächst nichts Ungewöhnliches auf, so der Polizist: Geraume Zeit nach einer vierstelligen Bargeldeinzahlung, habe sie dem Angeklagten lediglich denselben Betrag mit der Bemerkung „Rückzahlung Darlehen“ zurücküberwiesen.

Die Konten des angeklagten Taufkircheners wiesen dagegen mehr Ungereimtheiten auf, so der Zeuge. Bargeldabhebungen seien von seinem Girokonto ausnahmslos nicht erfolgt. Im Jahr 2021 verzeichnete der Beamte regelmäßige Eingänge in Form von Lohnzahlungen einer Firma. In Rücksprache mit dem leitenden Sachbearbeiter im Fall der beiden Dealer habe man schließlich festgestellt, dass dieses „gehobene Gehalt“ nicht mit den Arbeitszeiten des Angeklagten in Einklang zu bringen sei.

Der Vorbericht

Der Prozess gegen einen 43-jährigen Taufkirchener und einen 37-jährigen Neubiberger neigt sich langsam aber sicher dem Ende entgegen. Drei Verhandlungstage hat die 7. Strafkammer unter dem Vorsitz von Richterin Christina Braune bereits hinter sich gebracht. An Tag 4 am Montag (7. November) stehen nun weitere Zeugen und Sachverständige auf dem Programm. Sie sollen die Hintergründe der Taten und auch die beiden Angeklagten selbst näher beleuchten.

Während am ersten Prozesstag lediglich die umfangreiche Anklageschrift gegen die beiden Männer verlesen wurde, widmete sich das Gericht bereits an Tag 2 den Aussagen wichtiger Zeugen. So machte eine Bekannte des 43-Jährigen Angaben zur Nutzung ihres Kellerabteils durch die beiden Angeklagten. Die Polizei hatte nach der Festnahme der Dealer die Räumlichkeiten durchsucht und eine große Menge Betäubungsmittel sowie mehrere scharfe Feuerwaffen darin entdeckt. Ein Kriminalbeamter deckte dagegen die finanziellen Hintergründe der beiden Dealer auf.

Eindrucksvoll und dabei besonders detailliert schilderte der leitende Ermittler vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd die Observation der Angeklagten an Prozesstag 3. Der Kriminalbeamte gab einen tiefen Einblick in die erfolgte Ermittlungsarbeit, dank der nicht nur die beiden Dealer, sondern auch mehrere Mitglieder der Rosenhemer Hells Angels dingfest gemacht werden konnten.

Für den vierten Verhandlungstag erwartet Richterin Christina Braune weitere, wichtige Zeugen. Neben Ermittlungsbeamten soll dann auch schon eine medizinische Gutachterin aufschlussreiche Erkenntnisse liefern. Das Urteil gegen die beiden Dealer rückt somit bereits in greifbare Nähe; könnte sich durch etwaige Anträge der Verteidiger allerdings noch verzögern.

***chiemgau24.de berichtet am Montag (7. November) ab 9 Uhr wieder live aus dem Gerichtssaal.***

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