"Der Milchmarkt brennt, die Politik pennt"

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Rund 150 Bauern hatten sich vor dem Landwirtschaftsamt in Traunstein versammelt, um dem BDM-Bundesvorsitzenden Romuald Schaber für die Gespräche bei Kanzlerin Angela Merkel ihre Solidarität zu bekunden.

Traunstein - Ihrem Bundesvorsitzenden Romuald Schaber die Daumen drücken wollten rund 150 Bauern bei einer Kundgebung am Freitag vor dem Landwirtschaftsamt in Traunstein.

Mit zahlreichen Transparenten drückten die Bäuerinnen und Bauern in Traunstein das aus, was ihnen derzeit so am Herzen liegt und wie sie die Situation sehen. "Der Milchmarkt brennt, die Politik pennt", hieß es auf einem Schild. "An jedem Bauersmann hängen Arbeitsplätze dran", vermeldete ein anderes. "Wollt ihr arbeitslose Bauern?" fragte ein anderer Bauer in großen Buchstaben. "Qualität hat seinen Preis" und "Stoppt den Milchpreisverfall" waren weitere Aussagen.

Ihre direkte Solidarität mit dem Bundesvorsitzenden Schaber hoben zwei Transparente hervor: "Wir stehen hinter den Forderungen des BDM" und "Wir stehen hinter Romuald Schaber".

Die "Rednerbühne" wurde von einem großen Wagen gebildet, neben dem ein Riesentransparent hing, auf dem eine Kuh das Sagen hatte: "Zu niedrige Milchpreise sind mein Ende - und das meines Bauern auch."

Dr. Maria Kau, die Chefin des Landwirtschaftsamtes, hob zwar hervor, dass ihre Behörde neutral bleiben müsse und keine Verbandspolitik betreiben dürfe, dennoch aber drückte sie ihre Solidarität mit den Milchbauern dadurch aus, dass sie ein Glas Milch in einem Zug austrank - verbunden mit dem Appell, die Verbraucher sollten die Milchprodukte der heimischen Molkereien kaufen.

Ihr Amt sehe die Probleme der Milchviehbetriebe, die derzeit von der Substanz lebten, sagte Kau, "und das kann niemand längerfristig durchhalten". Von daher hoffe sie auf eine Erholung des Milchpreises, "denn wenige große Betriebe können den Strukturwandel in unserem Gebiet nicht auffangen".

BDM-Kreisvorsitzender Sepp Hubert kommentierte die Vorschläge des Bauernverbandes für Exporthilfen und eine Erhöhung der Intervention - also der Einlagerung - zu höheren Preisen so: "Das bringt doch alles nichts. Das holt uns immer wieder ein und kostet dem Steuerzahler viel Geld. Das hatten wir doch alles schon."

Hubert fasste nochmals die Forderungen des BDM zusammen: eine Einschränkung der Saldierung auf Bundesebene, das Einfrieren der im April beschlossenen Quotenerhöhung und eine europaweite Ausschreibung für eine freiwillige, zeitlich begrenzte Mengenreduzierung.

Eine weitere Forderung sei die Einrichtung einer so genannten "Monitoringstelle" mit all den Beteiligten am Milchmarkt mit dem Ziel, aktuell immer die Kosten der Milcherzeugung zu ermitteln und einen kostendeckenden Milchpreis festzulegen. Weiter will der BDM eine Umlage zur Finanzierung einer bedarfsorientierten Mengensteuerung, eine rechtlich abgesicherte EU-weite Mengenbegrenzung und das Recht, dass sich die Milcherzeuger regional und überregional zusammenschließen dürfen.

Ein kritisches Wort richtete Hubert an die Landwirtschaftsämter: Die Behördenleiter sollten das Anliegen der Bauern ernst nehmen und entsprechende Signale "wahrheitsgemäß" ans Ministerium weitergeben.

Mit Nachdruck appellierte Hubert an die Bauern, sich rege an den Versammlungen und Kundgebungen zu beteiligen.

edh/Chiemgau-Zeitung

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