Kritik am "ruinösen Preiskampf"

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Auch die regionalen Betriebe der Bäcker- und MetzgerInnung leiden unter dem Dioxinskandal und weisen darauf hin, dass es sich um keinen Lebensmittelskandal, sondern um einen Futtermittelskandal handelt. Foto wittenzellner

Landkreis - Der Skandal um dioxinbelastete Futtermittel zieht immer weitere Kreise. Die Regionale Bäcker- und Metzger-Innung verspricht: Unsere Waren sind nicht vom Dioxinskandal betroffen.

Die durch Verwendung von belasteten Fettstoffen hergestellte, und dadurch mit Dioxin belasteten Tierfuttermittel, wurden auf vielen Höfen vor allem an Hühner und Schweine verfüttert und damit mit Dioxin belastete Fleischprodukte und Hühnereier produziert.

Handwerksbäckereien verwenden für ihre Back- und Konditoreiwaren Frischei, womit eine Dioxinbelastung in frischen Backwaren möglich wäre. "Eine Gesundheitsbelastung für unsere Kunden ist äußerst unwahrscheinlich", winkt Klaus Schneider, Obermeister der Bäcker-Innung Traunstein, aber ab. Gründe für die "Entwarnung" liegen für Schneider einerseits darin, dass lediglich an einen bayerischen Flüssigei-Mischbetrieb belastete Eier gegangen seien. Die Endprodukte (Flüssigei) hätten die gesetzlichen Dioxingrenzwerte deutlich unterschritten.

Daneben schließe man sich der Aussage des Vorsitzenden des Bundesverbands der Lebensmittelkontrolleure, Martin Müller, an. Müller wies erst vor wenigen Tagen darauf hin, dass die Lebensmittelkontrolleure auf eine Überprüfung von Eiprodukten wie Nudeln und Backwaren verzichten würden. "Dort ist die Verdünnung so groß, dass die Kontrolleure sagen, man könne es vernachlässigen" so Schneider.

Trotzdem verfolgen die Bäcker gerade auch die Lieferung von Konsum-Eiern mit Argusaugen. "Bei jeder Lieferung werden die Kenn-Nummern von Chargen überprüft. "Wir kennen die Nummern der belasteten Eier", sagt Schneider. Besorgte Verbraucher und Kunden sollten das Gespräch mit den Mitarbeitern der Bäckereien suchen, empfiehlt er den Verbrauchern.

Auch der stellvertretende Kreishandwerksmeister Gerhard Kotter betont, dass man seine Rohstoffe seit Jahren von bekannten, regionalen Anbietern beziehe. "Mit der Bäko-Genossenschaft in Aufham haben wir einen verlässlichen Partner vor Ort."

"Bei dem Dioxin-Skandal handelt es sich nicht um einen Lebensmittel-, sondern einen Futtermittelskandal", unterstreicht der Obermeister der Metzger-Innung Traunstein-Berchtesgadener Land, Rudolf Riedler aus Petting. "Unsere Innungsmetzger arbeiten eng mit den Landwirten vor Ort zusammen. Wir produzieren aus der Region für die Region" so Riedler, der darauf verweist, dass man dadurch eine "hohe Transparenz in der Verarbeitungskette habe."

Das bayerische Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit in München hat in einem Schreiben an den Fleischerverband Bayern den Verband beziehungsweise die entsprechenden Mitgliedsbetriebe aufgefordert, "ihre Handelsbeziehungen zu überprüfen" und sich bei einem möglichen Bezug von Schlachttieren aus Norddeutschland mit den Kreisverwaltungsbehörden in Verbindung zu setzen. "Das ist für unsere Betriebe kein Thema", macht der Metzger-Obermeister klar: "Das ist grundsätzlich ein richtiger Schritt. Aber in unseren Betrieben wird Fleisch von heimischen Tieren angeboten."

Kritik übt Riedler an dem "ruinösen Preiskampf", dem der Lebensmittelbereich ausgesetzt sei: "Qualität braucht marktgerechte Preise und darf nicht verramscht werden." Das bedeute auch ein entsprechendes Wertebewusstsein für hochwertige Lebensmittel, für gesunde Ernährung und nachhaltige Lebensstile beim Verbraucher.

Gleichzeitig begrüßt Riedler die Initiative des Deutschen Fleischer-Verbandes, in der von der Politik die Stärkung handwerklicher, verantwortungsvoller Strukturen und überschaubare Wirtschaftskreisläufe gefordert werden. "Jeder Futter- und Lebensmittelskandal im Fleischbereich wirkt sich negativ auf die Lage der gesamten Betriebe aus, obwohl kein Skandal seinen Ursprung im Fleischerhandwerk hatte."

Dem schließt sich auch sein Obermeister-Kollege Schneider aus dem Bäckerhandwerk an: "Wir verkaufen gesunde Lebensmittel. Dieses Image lassen wir uns nicht durch die Machenschaften gewissenloser Geschäftemacher kaputt machen."

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