Donum Vitae feiert rundes Jubiläum

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Der Stellvertretende Landesvorsitzende von Donum Vitae, Walter Bayerlein, sagte in seiner Festrede, schwangere Frauen in schwierigen Situationen bräuchten ein Netz der Solidarität. Donum Vitae sei hier für viele Frauen und immer mehr ratsuchende Männer die richtige Anlaufstelle.

Traunstein - In Bayern gibt es den von Laien gegründeten bürgerlichen Verein Donum Vitae, in dem schwangeren Frauen in Konfliktsituationen geholfen werden soll, seit genau zehn Jahren.

Zwölf Jahre gibt es den von Laien gegründeten bürgerlichen Verein Donum Vitae, in dem schwangeren Frauen in Konfliktsituationen geholfen werden soll. Der Verein wurde nach dem päpstlich verordneten Ausstieg der katholischen Bischöfe aus der damaligen Schwangerschaftskonfliktberatung 1999 ins Leben gerufen. Ziel des Vereins war es, das "katholische Element" in der Beratung zu erhalten. In Bayern wurde mit der Beratung vor zehn Jahren mit damals 17 Beratungsstellen begonnen. Heute wird an 61 Orten in Bayern beraten. Eine der Beratungsstellen besteht seit dem Jahr 2001 in Traunstein am Stadtplatz. Am Donnerstag Nachmittag wurde in einem feierlichen Festakt im großen Saal des Rathauses Traunstein vor rund 70 geladenen Gästen und den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern das zehnjährige Jubiläum gefeiert.

Beatrix Frank-Bauer, Bevollmächtigte der Beratungsstelle Traunstein/ Freilassing sagte in ihrer Begrüßung, es gäbe viele Frauen, die nach den Beratungen ein "entschlossenes 'Ja' zum Leben sagen". Dies sei zu Beginn der Beratungen oft nicht der Fall. Insgesamt seien in den beiden Beratungsstellen in den vergangenen zehn Jahren über 11.000 Beratungskontakte entstanden. Man habe immer versucht "überzeugend zum Leben hin zu beraten." Sie wies darauf hin, dass gerade für Alleinerziehende schnell das Risiko des Abrutschens in die Armut gegeben sei. Dabei sei es aber zunehmend schwer, die richtige Fördermöglichkeit der öffentlichen Hand zu finden: "Der Bestimmungsdschungel ist zu dicht." Die Beraterinnen von Donum Vitae, das übersetzt "Geschenk des Lebens" heißt, würden hier helfen.

Waltraud Jetz-Deser sagte in einem geistlichen Impuls, die Beraterinnen würden ihre ehrenamtliche Tätigkeit deshalb ausführen, weil sie eine "positive Grundhaltung zu den Menschen und eine Beziehung zu Gott" hätten. Nicht kirchliche Vorschriften oder Gesetze stünden im Vordergrund, sondern der Mensch als einzigartiges, von Gott geschaffenes Individuum. Für Mitarbeiter aber vor allem auch für die ratsuchenden Menschen zu denen inzwischen nicht nur Frauen gehören, gälte die alttestamentliche Verheißung: "Fürchte dich nicht, ich bin bei dir!"

Der stellvertretende Vorsitzende von Donum Vitae Bayern, Walter Bayerlein, schilderte die stürmische Gründungszeit des Vereins: "Wir gingen aus dem Stand ohne Training in vermintes Gelände. Das war ein Hürdenlauf mit einem Ringkampf" wies er auf die innerkirchlichen Probleme wie auch auf Schwierigkeiten im Umgang mit den zuständigen Behörden hin. Das Sozialministerium habe die nötige Erfahrung in der Beratung verlangt. Er hielt dagegen, dass der Verein diese nicht habe. "Aber die Menschen haben sie". Waren doch damals viele Beraterinnen von der Caritas und dem Sozialdienst katholischer Frauen zu Donum Vitae gewechselt. Bayerlein kritisierte die Angriffe aus der Kirche gegen die Arbeit von Donum Vitae. "Für Kirchenpolitik ist das aber kein Feld" so der ehemalige Vizepräsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), der sich und seine Mitarbeiter nicht an den Rand der Kirche drängen lassen wolle: "Wir sehen unseren Dienst mitten in der Kirche." Mit dem Heiligen Vater sei man sich im Ziel des Lebensschutzes und in der Beurteilung der Abtreibung einig: "Nur nicht im Weg." Gemäß den Feststellungen der Organisation würden in Bayern jährlich mindestens 1.100 Kinder geboren, deren Mütter zunächst keinen Weg dazu gesehen hätten. "Diese Kinder würden mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr leben, wenn es Donum Vitae nicht gäbe" zeigte er sich von der Notwendigkeit der verpflichtenden Beratung überzeugt. Er führte lobend aus, dass Traunstein und Freilassing ein gut ausgebautes, soziales Netz habe. Donum Vitae, dessen Fundament das christliche Menschenbild ist, sei in dem Netz als staatlich anerkannte Schwangerschaftsberatungsstelle ein Knoten.

Neben der Schwangerenberatung gemäß der vorgeschriebenen Beratung nach dem Paragraphen 219 des Strafgesetzbuches würde man Frauen und Männer in allen Fragen rund um die Schwangerschaft und Geburt beraten, über gesetzliche Ansprüche und finanzielle Leistungen und weitere Hilfsangebote informieren. Neu hinzugekommen ist auch das "Moses Projekt" in dem Frauen anonym ein Kind gebären können. Auch im Rahmen der pränatalen Diagnostik berate man die Eltern.

Finanziell habe der Verein zu kämpfen, führte er weiter aus, da man trotz der Finanzierung durch die Kommunen und den Freistaat Eigenmittel von rund einer Million Euro jährlich aufbringen müsse: "Wir leben von der Hand in den Mund" sagte Bayerlein.

"Innerkirchlicher Prozess eine Tragödie"

ZdK-Präsident Alois Glück dankte den Mitarbeiterinnen, die einen "wertvollen Dienst für die Menschen geleistet haben." Den innerkirchlichen Prozess um die Schwangerschaftskonfliktberatung nannte er eine Tragödie. Er habe bei seiner Kandidatur für die ZdK-Präsidentschaft erklärt, dass er die Arbeit von Donum Vitae für unverzichtbar halte. "Bisher ist auch kein Vorschlag gemacht worden, der besser wäre" sagte Glück auch in Richtung der deutschen Bischöfe, die ja mehrfach betonten, dass Donum Vitae eine Vereinigung ausserhalb der katholischen Kirche sei. Glück, der zu den Gründungsmitgliedern des bayerischen Landesverbandes gehört, hatte im Rahmen seiner ZdK Kandidatur seine Ämter beim Donum Vitae niedergelegt, ist aber Vereinsmitglied geblieben. Die Arbeit im Landkreis sei vorbildlich sagte er: "Es ist bewundernswert, was in diesen zehn Jahren aus einem starken Glauben und mit hoher fachlicher Kompetenz entstanden ist."

Im verlesenen Grußwort von Landrat Hermann Steinmaßl schrieb dieser, von den "vielen Kindern, die ihnen ihr Leben verdanken". Die Zusammenarbeit mit den Beratungsstellen in und außerhalb des Landratsamts sei gut. "Sie sind ein Rettungsanker für werdende Mütter und die Kinder." Hans Urbauer, Erster Bürgermeister aus Kienberg sprach stellvertretend für viele weitere Gemeinde- und Stadtoberhäupter aus dem Landkreis den Mitarbeiterinnen von Donum Vitae seinen Dank aus. Er verstehe nicht und es mache ihn traurig, dass "Würdenträger im Vatikan Donum Vitae bekämpfen". Der stellvertretende Landrat aus dem Berchtesgadener Land, Lutz Feiler sagte, der Verein sei ein Segen für schwangere Frauen, Kinder und Familien. Auch er forderte, dass die Katholische Kirche hier ihre Haltung ändern müsse, lobte aber nochmals den Einsatz der Mitarbeiterinnen: "Sie zeigen großen Mut, Zivilcourage und ein christliches Gewissen."

Die Musikschule Traunstein begleitete mit dem Traunsteiner Ensemble und dem Bergener Ensemble das Festprogramm gekonnt mit Gitarren, Kontrabass und Rhythmusinstrumenten. Der Verein Donum Vitae bittet um Spenden auf sein nachfolgendes Konto: Kontonummer 5 639 406 bei der Kreissparkasse Traunstein-Trostberg (Bankleitzahl 710 520 50).

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