Dringend neues Zuhause gesucht

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Wohin mit den Fahrzeugen, Booten und Ausrüstungsgegenständen, wenn das alte Feuerwehrgerätehaus in Haslach geräumt werden muss? Mit dieser Frage beschäftigen sich derzeit die Verantwortlichen des DLRG-Ortsverbandes Traunstein-Siegsdorf.

Traunstein - Seit 1997 sind die Wasserretter des DLRG-Ortsverbandes Traunstein-Siegsdorf im alten Haslacher Feuerwehrgerätehaus untergebracht. Damit könnte es aber bald vorbei sein.

Das Gebäude wird der Wasserwacht seitdem freundlicherweise von der Kreissparkasse Traunstein-Trostberg zur Nutzung überlassen. "Zu einem fairen, symbolischen Pachtpreis", wie der Ortsvorsitzende Günter Burghammer und sein Stellvertreter Hanspeter Weichenrieder in einem Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung betonen. Doch nun haben sich nach Auskunft der Kreissparkasse Interessenten für das gesamte frühere Schul- und Feuerwehrgelände gemeldet, so dass die Wasserretter damit rechnen müssen, ihre Garage und die Aufenthaltsräume über kurz oder lang räumen zu müssen.

Wo die Fahrzeuge, Ausrüstungen und Boote dann untergebracht werden können, darüber zerbrechen sich die Verantwortlichen nun ihren Kopf.

Für ein neues Wasserrettungszentrum Traunstein werden eine Fahrzeughalle mit drei Busstellplätzen und vier bis fünf Anhängerstell-plätzen, eine Werkstatt, ein Kompressorraum für die Sauerstoffflaschen der Taucher, ein Trockenraum, Sanitärräume mit Duschen und Toiletten, Umkleideräume, ein Schulungsraum sowie zwei bis drei Büroräume benötigt. Außerdem muss ein Hubschrauberlandeplatz vorhanden sein, um die Wasserretter im Notfall schnell aufnehmen und an den Einsatzort transportieren zu können.

Allein im vergangenen Jahr hatte die luftunterstützte Wasserrettung von Haslach aus 15 Einsätze. Mit steigender Tendenz, wie der Ortsvorsitzende und sein "Vize" unterstreichen. Für ein neues Zentrum ist ein Areal von etwa 1000 bis 1200 Quadratmetern in zentraler Lage notwendig, um optimal und schnell ausrücken zu können. Ein Grundstück in Traunstein zu finden, das diese Anforderungen erfüllt, wird wohl sehr schwierig sein.

Die Gesamtkosten für das Grundstück und den Neubau schätzen die beiden auf rund eine Million Euro. Eine Summe, die der DLRG-Ortsverein kaum allein zu stemmen in der Lage ist, selbst wenn von staatlicher Seite Fördergelder fließen.

Was aber geschieht, wenn die DLRGler das Feld in Haslach räumen müssen und sich bis dahin keine geeignete Alternative gefunden hat? Dann, so Weichenrieder, liege der "Schwarze Peter" beim Rettungszweckverband des Landkreises Traunstein. "Weil ohne eine geeignete Station die Wasserrettung von der DLRG nicht mehr aufrecht gehalten werden kann und die Mitwirkung bei der Abwendung und Bekämpfung von Katastrophen im Rahmen des Bayerischen Katastrophenschutzgesetzes und des Bayerischen Rettungsdienstgesetzes kaum mehr möglich sein würde", so Burghammer.

Der Ortsverband müsste sich dann auf satzungsmäßige Zwecke wie die frühzeitige und fortgesetzte Information über Gefahren sowie über sicherheitsbewusstes Verhalten im und am Wasser, die Ausbildung im Schwimmen und Rettungsschwimmen sowie die Weiterqualifizierung von Rettungsschwimmern für Ausbildung und Einsatz beschränken. Bleiben würden ebenfalls die Wachdienste in den Schwimmbädern von Eisenärzt und Siegsdorf sowie am Naturbadesee in Inzell. Auch die Bootsstation in Prien für den Chiemsee könnte weiterhin besetzt werden. Damit es aber nicht soweit kommt, sind die Verantwortlichen für jeden Hinweis, auch auf gegebenenfalls bereits vorhandene, geeignete Gebäude dankbar.

Um einen Überblick über das breite Leistungsspektrum ihres Vereins zu geben, legten Burghammer und Weichenreider die entsprechenden Zahlen vor. Der DLRG-Ortsverband Traunstein-Siegsdorf hat Rettungswachen in Traunstein, Prien, Siegsdorf und Inzell. Im vergangenen Jahr wurden fast 4000 Wachstunden geleistet. Seine fast 50 aktiven Mitglieder leisteten 65 Einsätze im Rettungsdienst, elf Rettungen vor dem Ertrinken, 46 technische Hilfen und 215 Erste Hilfen. Der Verein verfügt über zwei Einsatzwagen, einen Mannschaftswagen und zwei Einsatzleitfahrzeuge sowie sieben Boote und zwei Eisrettungsschlitten.

An Personal stehen 34 Wasserretter, 29 Strömungsretter, zehn Taucher, 15 Bootsführer, sechs Gruppenführer, drei Zuführer und zwei Fachberater Wasserrettungsdienst für den Katastrophenschutz des Landkreises zur Verfügung. 2008 wurden 50 Kinder ("Seepferdchen"), 30 Jugendschwimmer, 50 Rettungsschwimmer und fünf Bootsführer ausgebildet. 36 Mitglieder erwarben einen Erste-Hilfe-Schein. Jedes Jahr werden auf der Tiroler Ache bei Schleching rund 120 Strömungsretter der DLRG aus ganz Deutschland ausgebildet. Die Mitglieder des Ortsverbands Traunstein-Siegsdorf fungieren dabei nicht nur als Ausbilder, der Ortverband muss dafür spezielles Material im Haslacher Depot vorhalten.

Günter Buthke/Chiemgau-Zeitung

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