"Einer der schönsten Berufe"

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Im Bild (von links) die Prüfungsbesten mit ihren Ausbildern: Obermeister Hans Kurfer, Theresa Daxenberger (mit ihrem Ausbilder Simon Daxenberger aus Seeon, 3. von rechts), Norbert Hillebrand (Ausbilder) aus Kirchanschöring mit Felix Strohmayer, Ausbilder Klaus Zeisberger mit dem Innungssieger Martin Schlagbauer sowie Matthias Stecher der ebenfalls zu den Prüfungsbesten gehörte. Lehrlingswart Toni Wolfgruber (2. von rechts) und Prüfungsvorsitzender Josef Schützinger freuten sich über die guten Leistungen des "Schreinernachwuchses."

Traunstein - "Ihr habt einen der schönsten Berufe erlernt." So eröffnete Hans Kurfer, Obermeister der Schreiner-Innung, seine Rede zur Freisprechungsfeier des diesjährigen Abschlussjahrgangs.

Für 41 Auszubildende des Schreiner Handwerks und acht Holzfachwerker war der vergangene Freitag ein besonderer Tag: Aus den Händen des Obermeisters der Schreiner-Innung Traunstein erhielten sie in der Schulaula der Berufsschule I in Traunstein ihren begehrten Gesellenbrief und wurden in der traditionellen Freisprechung von den Pflichten ihres Lehrverhältnisses freigesprochen.

Die - neben den geladenen jungen Handwerkern, ihren Familienangehörigen und Vertretern ihrer Ausbildungsbetriebe – umfangreiche Präsenz von Vertretern der regionalen und überregionalen Politik sowie der gewerblichen Wirtschaft zeigte eindrucksvoll die Bedeutung, die der Innung und dem Schreinerhandwerk in der Region entgegengebracht wird.

Die Bläsergruppe der Musikschule Grassau sorgte für die richtige musikalische Untermalung der würdigen Feier.

Der Obermeister der Innung Hans Kurfer dankte in seinen Ausführungen unter anderem den Eltern der Jung-Gesellen: "Sie haben ihren Kindern einen der schönsten Berufe erlernen lassen." Den Mitarbeitern der Schreinerbetriebe käme neben einer guten Arbeit enorme Bedeutung zu: Sie seien Menschen, die einen engen Kontakt zu den Kunden hätten. "Sie beeinflussen das Betriebsbild beim Kunden mehr als jede Marketingkampagne. Sie können die Kunden für unsere Arbeit begeistern."

Das Schreinerhandwerk profitiere nach der Finanz- und Wirtschaftskrise von der Bereitschaft der Eigentümer, in ihre Immobilien zu investieren, steigende Energiekosten würden Investitionen in energiesparende Fenster und Türen nach sich ziehen, die Schreiner herstellen und einbauen würden.

Oberbürgermeister Manfred Kösterke würdigte die Arbeit der Jung-Gesellen: "Sie sind in der Lage, gute handwerkliche Arbeit zu leisten." Er selbst wisse um den hohen Standard der Gesellenstücke, da er selbst in der Jury für den Wettbewerb "Die gute Form" war. "Das sind zum Teil schon keine 'Gesellenstücke' mehr, das sind kleine Meisterwerke." Die Stadt sei im vergangenen Jahr mit Umbau- und Sanierungsarbeiten an städtischen Gebäuden mit Aufträgen von rund 350.000 Euro ein wichtiger Auftraggeber gewesen.

Der stellvertretende Landrat Georg Klausner gratulierte den jungen Schreinergesellen zu ihrem "Grundstein für das Berufsleben". Kreativität, das richtige Gespür, Ehrgeiz und räumliches Vorstellungsvermögen seien richtig kombiniert worden. "Das sieht man an ihrem Gesellenstück." Das deutsche Sprichwort gelte immer noch: "Das Holz ist gut, wenn es nur zum Tischler kommt."

Abitur nicht der "allein selig machende Weg"

Landtagsabgeordneter Klaus Steiner ging in seiner Rede auf grundsätzliche Entwicklungen im Bildungssystem in Bayern ein und übte Kritik an einer einseitigen Focussierung auf das Abitur. "Hier wird völlig übersehen, dass bereits 40 Prozent aller Hochschüler über die berufliche Bildung kommen." Der Weg innerhalb eines Berufszweiges "seinen Weg zu machen" werde schlecht geredet. Dies ginge einher mit einer Diskriminierung der Hauptschule, die "aus dummen ideologischen Gründen" zunehmend als 'Restschule' bezeichnet werde. Von den ausgestellten Gesellenstücken zeigte er sich begeistert: "Diese tollen Arbeiten sind keine Ergebnisse von 'Restschülern'." Die Wertschätzung und der Respekt für das Handwerk müsse wieder hergestellt werden. "Ich möchte euch dies heute entgegenbringen", sagte er mit Blick zu den Jung-Gesellen gewandt.

Der Vizepräsident des Fachverbands Schreiner-Handwerk Bayern, Bernhard Daxenberger lobte die Qualität der Gesellenarbeiten: "Das war in Traunstein ein sehr hohes Niveau." Das Arbeiten mit dem nachwachsenden Rohstoff Holz sei ein schöner Beruf. "Tradition mit guten Zukunftsaussichten" sei eines der Kennzeichen des Schreinerberufs.

Der stellvertretende Schulleiter der BS1, Wolfgang Kurfer zeigte den Anwesenden die verschiedenen Stufen des Ausbildungsstandes der dreijährigen Ausbildung. Nach dem Berufsgrundschuljahr und dem Beginn der Ausbildung in den Betrieben seien die Auszubildenden einmal wöchentlich in der Berufsschule gewesen. Die Gesellenstücke und Arbeitsproben seien ein eindrucksvolles Bild des guten Ausbildungsstandes der Jung-Gesellen. Nebenher hätten Zwölf von ihnen noch die freiwillige Zusatzprüfung als CNC-Fachkraft gemacht. Das gute Miteinander zwischen Schulleitung, Lehrern und den ehemaligen Schülern der BS1 dokumentierte er so: "Ihr seid uns für einen kurzen Besuch jederzeit wieder herzlich willkommen." Auch an der Privaten Berufsschule Traunreut wurden erfolgreiche Gesellen unterrichtet und durch die Prüfung gebracht.

Landkreisübergreifende Zusammenarbeit

Dass die Zusammenarbeit zwischen den Innungen Traunstein und dem Berchtesgadener Land gut funktioniert, zeigte die Anwesenheit des Berchtesgadener Obermeisters und stellvertretenden Kreishandwerksmeisters Werner Scharf, der in seiner Ansprache auf die Bedeutung des "dualen Systems" in der Ausbildung des Handwerkernachwuchs einging.

Im Nachgang an seine Ausführungen sprach er die Jung-Gesellen von den Pflichten und Aufgaben ihrer Ausbildung frei.

Im Anschluss an die Überreichung der Gesellenbriefe wurden vom Innungs-Kulturwart Ernst Rachl die Sieger des Wettbewerbs "Die gute Form" geehrt, die von einer fünfköpfigen Jury ausgewählt wurden. Der langjährige stellvertretenden Obermeister Adalbert Haitzer und der Vorsitzende der Prüfungskommission Josef Schützinger wurden für 35 Jahre als Schreinermeister mit dem goldenen Meisterbrief geehrt.

awi

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