Engagement der Gemeinden gewünscht

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Geschmackssache.: Pallings Windräder sind deutlich höher als der Kirchturm. Für Pallings Bürgermeister Josef Jahner ist das kein Problem.

Traunstein - Ein klares Plädoyer für den Ausbau der Windkraft im Landkreis brachte die Informations- und Diskussionsveranstaltung über den Einsatz des Energieträgers im Landkreis.

Die Veranstaltung stieß am Montagabend im Brauereiausschank Schnitzelbaumer auf große Resonanz. Gut 150 Bürger waren gekommen, um sich über die Thematik zu informieren und mit zu diskutieren. Auch eine Reihe von Bürgermeistern, Stadt-, Gemeinde- und Kreisräte waren unter den Teilnehmern.

Traunstein - Der Bürgermeister der mittelfränkischen Stadt Merkendorf (Landkreis Ansbach), Hans Popp schilderte die "kommunale Allianz" in der 11000-Einwohner-Stadt, in der die Energiekonzepte bereits seit einigen Jahren zwischen Behörden, Firmen, Investoren und Bürgern abgestimmt werden. Auf den Selbstversorgungsgrad in Höhe von 217 Prozent mit elektrischer Energie sei man stolz. Ein 14 Hektar großer Energiepark bringe eine autarke Energieversorgung und eine sprudelnde Steuerkraft. Man habe eine gute wirtschaftliche Bilanz erreicht: Die Schaffung vieler neuer Arbeitsplätze und eine enorme regionale Wertschöpfung sei generiert worden. "Das was wir gemacht haben, ist eine echte Stärkung des ländlichen Raumes."

Weniger glücklich war er mit den gemachten Erfahrungen im Bereich der Windkraft: "Da haben wir einiges Theater mit erlebt und der Tanz geht noch weiter." Die Anlagen, die ursprünglich schon 2004 geplant worden waren und nach heftigen Protesten ("Windmonster") erst später in Betrieb gingen, würden "grenzwertig" laufen. Er empfinde in der aktuellen Entwicklung um den Bau neuer Windkraftanlagen eine Art "Goldgräberstimmung" und sehe diesen Energieträger auch weiterhin als nicht einfach umsetzbar. Ein gesellschaftliches Umdenken sei nötig. "Aber der Leidensdruck ist offensichtlich noch nicht groß genug" betonte der engagierte CSU Kommunalpolitiker.

In Kurzreferaten nahmen Pallings Erster Bürgermeister Josef Jahner, Peter Rubeck vom Forum Ökologie und Beate Rutkowski (Bund Naturschutz) in der von Wagings Agend 21 Referent Georg Huber moderierten Diskussion zum Thema Windenergie Stellung. Bürgermeister Jahner schilderte die Erfahrungen des Bürgerwindparks in Baumham-Palling, in denen ein privater Investor die 2005 in Betrieb genommene Anlage aufgelegt habe. "Der hat damals die ganze Nachbarschaft überzeugt." Er habe mit der Frage des Eingriffs in das Landschaftsbild der den Pallinger Kirchturm weit überragenden Windräder kein Problem. "Große Masten der Stromtrassen in Österreich sind genauso 'greislich wie die Windradln."

Rutkowski machte deutlich, dass die Pläne in Bayern mit avisierten 1500 Windrädern eine Verdreifachung vorsähen. Windenergie sei die "umweltfreundlichste und flächensparendste Energieerzeugungsform" betonte sie. Sie erwarte maximal zwei bis drei Windräder pro Gemeinde und sehe die Standorte primär nördlich des Chiemsees. Kommunen müssten sich Gedanken machen, bevor überregionale Investoren Fakten in Form von abgeschlossenen Grundstücksgeschäften geschlossen hätten. Dem gegenüber sei es dem BN wichtig, Bürger und Anlieger mit ins Boot zu holen. Was die Auswahlkriterien der Flächen angehe machte sie gerade auch in Fragen von Windrädern in Naturschutzgebieten deutlich: "Wir wollen die Windenergie nicht um jeden Preis."

Rubeck plädierte für ein Mitnehmen der Bürger, deren Bedenken und Ängste ernst genommen werden müssten. Man habe nach Fukushima einen "riesen Konsens" die Energiewende zu schaffen. Zehn bis zwölf Windkraftanlagen erwarte er für den Landkreis um die ehrgeizigen Energieziele des Landkreises zu erreichen. Da entstehe kein Wildwuchs und keine "Verspargelung".

Fragen der Zuhörer drehten sich unter anderem um das "wie" einer möglichen Bürgerbeteiligung. Dr. Birgit Seeholzer, Koordinatorin der Klima- und Energiekonferenz des Landkreises Traunstein, verwies hier in einer Stellungnahme auf die vor wenigen Tagen im Landratsamt abgehaltene Informationsveranstaltung (wir berichteten).

Kreisrätin Burgi Mörtl-Körner sah die Gefahr, dass Gemeinden und Bürger die Entwicklung "verschlafen" würden und überregionale Investoren hier zum Zuge kommen würden.

Dr. Rainer Schenk machte in einem Kurzvortrag deutlich, dass der Klimaschutz das beherrschende Thema bleiben müsse und kritisierte, dass der Landkreis Traunstein in der Windkraft zu wenig engagiert sei.

Dem allgemeinen "Pro-Windkraft-Credo" mochte Georg Ostermaier aus Baumham wenig abgewinnen: "Man hört sie, sie machen einen Schatten und wenn man hinschaut, dann stören sie." Günther Hartmann betonte, man solle bei den Potential-Angaben der Räder "die Realität im Auge behalten". Hersteller würden sehr oft mit ehrgeizigen Zahlen werben.

Kreisrat Sepp Hohlweger mochte auch die Bergregionen für einen möglichen Standort neuer Windräder nicht ausschließen. Man müsse auch hier für mögliche Standorte offen sein.

Kienbergs Bürgermeister Hans Urbauer sah den Zug für so manche mögliche Bürgerbeteiligung schon abgefahren. Investoren hätten die nötigen Informationen schon früher gehabt als die Kommunalpolitiker. "Die guten Standorte sind schon verteilt." Man könne sich in der Gesamtplanung "den Luxus leisten, die schönsten Flächen im Landkreis herauszunehmen" sagte er im Bezug auf Ruhpolding.

Pallings Erster Bürgermeister Jahner sagte: "Es ist den nördlichen Landkreisbürgern nicht erklärbar, wenn man den Süden nicht auf geeignete Standorte untersucht." Wolfgang Schrag aus Traunstein forderte eine enge Begleitung der Projekte durch "die Politik".

Die Anwesenden hatten an einer Pinnwand noch die Möglichkeit mit Klebepunkten über ihre Vorstellung abzustimmen. Das klare Votum war hier, dass man für den Bau von Windkraftanlagen im Landkreis sei. Daneben wünsche man sich ein starkes Engagement der Gemeinden.

wz/Chiemgau Zeitung

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