Erfahrungen einer halben Weltreise

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"Wo wir waren, waren auch die Kinder“ sagt Elisabeth Wasserthal aus Kammer, die für einige Monate im Ausland war und dabei bei einem Missionseinsatz in Kambodscha mitgeholfen hat.

Siegsdorf/Uganda/Kambodscha - Viele junge Erwachsene packt nach dem Ende der Schulzeit oder ihrer Ausbildung das Reisefieber. Möglichst weit weg von zu Hause, heißt hier oft die Devise.

So auch bei Helena Prüm aus Siegsdorf und Elisabeth Wasserthal aus Kammer, wenngleich die beiden nicht den klassischen Aussteiger-Tripp mitmachten, sondern etwas ganz anderes unternahmen: Die Zwei waren für ein halbes Jahr in Schweden und haben dabei einen christlichen Missionseinsatz in Uganda beziehungsweise Kambodscha mitgemacht.

Prüm hatte Monate zuvor gerade das Abitur im Landschulheim in Ising abgeschlossen, Wasserthal nach dem Realschulabschluss in Sparz und einem relativ kurzen „Gastspiel“ als Verwaltungs-fachangestellte die einjährige Berufsfachschule für Gastronomie an der Staatlichen Berufsschule Traunstein hinter sich gebracht, die sie mit Auszeichnung als Prüfungsbeste abschloss.

Die beiden mutigen jungen Frauen entschlossen sich, eine im September beginnende christliche Schule der weltweit arbeitenden überkonfessionellen christlichen Organisation „Youth with a Mission“ (Jugend mit einer Mission) in der Nähe der schwedischen Stadt Göteborg, in der Kleinstadt Ljungskile zu besuchen. „Schwedisch war gar nicht so schwer zu verstehen, es klingt manches der deutschen Sprache sehr ähnlich“ sagte Wasserthal zu den in schwedisch und englisch gehaltenen Kursen, in denen die zwei Freundinnen auf ihren Einsatz vorbereitet wurden.

In der christlichen Laienarbeit sind junge Menschen weltweit in verschiedenen Hilfsprojekten tätig und geben ihren christlichen Glauben mit meist jugend-konformen Mitteln weiter. Den drei Monate theoretische Vorbereitung folgte dann ein neunwöchiger praktischer Einsatz, in der sie ihre Kenntnisse umsetzen konnten, aber insbesondere auch praktische Hilfe zu den oft sehr armen und bedürftigen Menschen bringen konnten.

Erfahrungen einer halben Weltreise

Schon die Schule in Schweden sei eine echte Herausforderung gewesen: 23 junge Schüler aus zehn Nationen auf engem Raum brachten viel Neues, Spannendes, aber auch die eine oder andere kulturelle Hürde. Da habe der christliche Glaube als gemeinsame Basis viel geholfen. Später habe sich diese Herausforderung noch gesteigert, als man sich für sein „Outreach“, seinen praktischen Einsatz für ein Land entscheiden musste, in dem das Leben insbesondere für westlich orientierte junge Menschen alles andere als gewöhnlich ist. Prüm war mit sieben jungen Leuten, Wasserthal mit acht zu einem praktischen Einsatz gefahren. Zur Auswahl standen die Länder China, Nepal, Kambodscha und Uganda.

Kambodscha und Uganda

„Als christliche Schule habe man beschlossen, dass über die jeweiligen Einsatzorte gebetet wird und dann erst eine gemeinsame Entscheidung getroffen wird“ sagte Wasserthal. „Gottes Stimme hören, so nannten wir das.“ Heraus gekommen ist am Ende, dass Prüm nach Uganda flog, und Wasserthal mit ihrer Gruppe, die jeweils ein Durchschnittsalter von 24 Jahren hatten, nach Kambodscha reiste.

Die Wahl scheint für beide gut getroffen, hat für die zwei "richtig gut gepasst", wie sie übereinstimmend sagen. Die junge Siegsdorferin arbeitete in dem Dorf Bulangaire, rund eineinhalb Stunden von der Hauptstadt Kampala entfernt. Sie habe dort in einer Schule unterrichtet, ein Hühnerhaus gebaut, Zement gemischt, kleinere Häuser gestrichen und in einem Gefängnis mit ihrem Team christliche Gottesdienste veranstaltet. „Das Hühnerhaus war wirklich nötig, nachdem die Hühner über den Zaun gesprungen sind und in meinem Bett Eier gelegt haben“ erklärt sie. Ihre christliche Überzeugung sei für sie erkannte und gelebte Realität geworden: „Jetzt weiß ich wirklich was ich sage und glaube. Anders ist so ein Einsatz gar nicht zu bewältigen“ sagt sie überzeugt.

Wasserthal kam über die kambodschanische Hauptstadt Phnom Penh in ein kleines Dorf nähe des Dorfes "Toch-Village" in der Nähe der Stadt Chhuk. Dort gab sie mit ihrem Team in einer christlichen Kirche, die zugleich auch als Schule diente, Englischunterricht für Kinder, die mit Begeisterung bei der Sache waren. „Die waren von morgens bis abends bei uns“, sagt die junge Frau aus Kammer. Sonntags habe man den Kirchengottesdienst mitgestaltet. In dem neunwöchigen Aufenthalt seien sie von Haus zu Haus gekommen und hätten mit den Menschen über den christlichen Glauben gesprochen.

Sie sei schockiert gewesen, als sie gemerkt habe, dass die Einwohner immer noch von der Schreckensherrschaft der Roten Khmer geprägt waren, die jegliche religiöse Tendenz mit brutaler Härte unterdrückt hätten. „Der eigene Glaube wird hier ganz anders geprüft, als man sich das erwartet. "Wenn wir zu kranken Menschen gekommen sind und für sie gebetet haben, dann hört alle religiöse Theorie auf, dann wird der gelebte Glaube sehr real“, sagt sie und freut sich, dass sie und kranke Menschen über positive Erfahrungen an diese Zeit zurückdenken können.

Auch praktisches Mitarbeiten und Helfen war gefragt an den Arbeitstagen, die oft um fünf Uhr morgens begannen und manchmal bis spät abends dauerten. „Wir halfen bei der Reis-Ernte. Das war eine willkommene Abwechslung.“ Der Ortsvorsteher habe sich bei ihnen extra bedankt, dass sie alle Arbeiten mitgemacht hätten, die die Einheimischen auch tun würden und seien als westliche Besucher auf einer Stufe mit den Kambodschanern gestanden. „Wir haben gelebt wie die Menschen und haben nicht vom Bus aus nur den Kindern zugewunken.“

Viel Geld für eine Lebenserfahrung?

Billig war die Halbjahrestour nicht: Rund 4000 Euro mussten die beiden jeweils mit Unterstützung ihrer jeweiligen Eltern aufbringen. „Die sind voll hinter uns gestanden“, freut sich Wasserthal. Für die zwei jungen Frauen ist klar: Es hat sich gelohnt. „Die Erfahrungen, die für mein Leben unglaublich wichtig sind, hätte ich so nie machen können. Es war echt klasse“ sagten sie beide übereinstimmend rückblickend und wissen nun auch wieder ein Stück mehr, was sie bei allen wichtigen und positiven Erfahrungen in ihrer Heimat hält: „Jetzt ist Deutschland wieder etwas ganz Besonderes für mich“, sagt Wasserthal und Prüm fügt hinzu: „Eine geniale Kultur.“

Die beiden wollen ihre Erfahrungen mit anderen jungen Menschen teilen: „Vielleicht hat ja jemand Interesse, mehr von unserer Reise zu erfahren oder begibt sich auch in ein solches Abenteuer wie wir“, so die zwei reiselustigen jungen Frauen.

Am Dienstag, 22. März, ab 18 Uhr, berichten sie im Jugendhaus Oase in der Ludwigstraße 35 in Traunstein über die außergewöhnlichen Erlebnisse ihrer Reise, die sie beide um den halben Erdball und wieder zurück gebracht hat.

awi

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