Fall Weber: "Ich dachte, das Kästchen sei neu"

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Der Angeklagte am Dienstag vor dem Schwurgericht Traunstein.

Traunstein - Die Leiche lag monatelang in einem Schrank, bevor sie entdeckt wurde. Der Vermieter sowie der Arzt der 28-Jährigen haben ausgesagt:

Der Ermittler

Der Prozess hat um 9 Uhr am Landgericht Traunstein begonnen. Als erster Zeuge wurde der Ermittlungsbeamte S. vernommen. Der 51-Jährige berichtete vom 6. August, dem Tag, an dem die Tote im Schrank gefunden wurde. Der Vermieter von Dorena Weber wollte ihre Wohnung ausräumen - die 28-Jährige war seit Monaten verschwunden, hat keine Miete mehr gezahlt - und stieß auf den mit Folie umwickelten Küchenschrank.

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Ex von Dorena Weber steht vor Gericht

S. gab vor Gericht an, der Vermieter hätte umgehend die Polizeiinspektion Traunstein verständigt. Bei der routinemäßigen Durchsuchung der Wohnung Webers wurden dann ihr Handy und ihre Schlüssel gefunden. Weiter gab er an, dass Dorena Weber bereits im Juli und September 2010 ihren Lebensgefährten angezeigt habe - wegen Gewaltausbrüchen, Schlägen. Die Polizei gab Fotos von den damaligen Verletzungen Webers heraus. Die 28-Jährige habe dann allerdings die Anzeige gegen ihren Lebensgefährten zurückgezogen, weil sie ihn heiraten wollte.

Leiche im Küchenschrank - Mann vor Gericht

Auch Freundinnen soll sie erzählt haben, dass der jetzt Angeklagte sie schon öfter geschlagen und gewürgt habe - "der wird mich irgendwann noch umbringen" soll sie gesagt haben.

Belastend für den Angeklagten: Auf einem Klebestreifen wurden Fingerabdrücke gefunden, die eindeutig ihm zugewiesen werden konnten.

Nach der Vernehmung des Ermittlungsbeamten legte das Gericht eine Pause ein.

Die Spurensicherung

Nach der Pause wurde ein Beamter der Spurensicherung befragt. Er gab an, der Fingerabdruck sei auf der Innenseite eines Klebestreifens gefunden worden. Mit dem Klebestreifen seien grüne Müllsäcke zusammengeklebt gewesen, die zusätzlich um den mit Folie umwickelten Schrank angebracht worden seien. Dieser Fingerabdruck sei völlig eindeutig dem 29-jährigen Angeklagten zuzuordnen gewesen.

Leichenfund in Traunstein

Die Biologin

Im Anschluss sagte eine Sachverständige aus. Die Biologin aus München hat Angaben zu den am Tatort vorgefundenen DNA-Spuren gemacht. Von rund 33 Spuren, die am Tatort gefunden worden sind, seien nur drei verwertbar gewesen. Allerdings sei der Genotyp (der "genetische Fingerabdruck") nicht eindeutig zuzuordnen: Der Angeklagte sei als Verursacher der Spuren nicht auszuschließen, aber auch nicht eindeutig zu identifizieren.

Der Arzt von Dorena Weber

Dr. S.: Bei ihm war Dorena Weber seit 2007 in Behandlung. Er begleitet sie in einem Substitutionsprogramm - sie war heroinsüchtig, bekam Methadon. Und das zog sie durch. Bei ihrem Arzt Dr. S. war sie jeden Tag, bis sie dort am 15.10.2010 zum letzten Mal auftauchte. Danach hat der Arzt Weber nie wieder gesehen.

Der Vermieter

Er hat die Leiche von Dorena Weber im August 2011 gefunden. Ihr Vermieter B. hatte Dorena Weber eine Kündigung geschickt, doch sie hat nicht reagiert. Dann hat er im August 2011 begonnen, die Wohnung zu räumen. Im Zuge der Arbeiten ist er auch auf das in Folie eingewickelte Küchenschränkchen gestoßen: "ich dachte, dass es neu ist." Er habe versucht, das Schränkchen mit den Füßen wegzuschieben und dann gemerkt, "dass es ganz schön schwer ist". Daraufhin habe er die Folie abgerissen, das Kästchen geöffnet und dann habe er "die Bescherung gesehen".

Weiter soll am Dienstag noch eine Nachbarin Webers vernommen werden.

Der Angeklagte wird nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa wohl nichts zur Aufklärung des Falls beitragen. Der wegen Totschlags an seiner Freundin angeklagte 29-Jährige ließ zum Beginn des Verfahrens am Dienstag vor dem Traunsteiner Landgericht durch seinen Verteidiger erklären, dass er sich weder zur Sache noch zu seiner Person äußern werde. Er verfolgte den ersten Tag beinahe regungslos auf dem Stuhl der Anklagebank. In dem Indizienprozess will das Gericht klären, was im Oktober 2010 in der Traunsteiner Wohnung des Paares geschah.

Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass der aus Thüringen stammende Mann seine Lebensgefährtin an einem der Tage danach im Streit erwürgte und die Leiche im Küchenschrank versteckte, um das Verbrechen zu vertuschen. Laut Anklage umwickelte er den am Boden stehenden zweitürigen Kasten mit Folie und Plastiktüten und wickelte zusätzlich noch eine Decke darum. Erst am 6. August 2011 fand der Hausbesitzer beim Räumen der verwahrlosten Wohnung die weitgehend verweste Leiche.

Aus dem Video-Archiv

df/ps/red/dpa

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