"Europa muss bayerischer werden"

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Geld für Bürger und Kommunen brachte er keines mit in der auf dem Bild zu sehenden "Aufschlagtruhe" mit der Bierbeschau aus dem Jahre 1666. Die von Finanzminister Georg Fahrenschon (Mitte) eröffnete Ausstellung "Die Hüter des Schatzes - 200 Jahre staatliche Finanzverwaltung in Bayern" war aber nach Überzeugung der rund 50 geladenen Gäste ein sehenswerter Beitrag zur Erläuterung der geschichtlichen Entwicklung der Steuererhebung in Bayern. Links der Archivdirektor des Bayerischen Hauptstadtarchivs, Professor Reinhard Heydenreuter, rechts der Leiter des Finanzamtes Traunstein, Georg Leimbeck.

Traunstein - Staatsminister Fahrenschon hat die Wanderausstellung "Die Hüter des Schatzes" eröffnet. Die Ausstellung beschäftigt sich mit dem Steuerwesen vom Mittelalter bis heute.

"Das Jahr 2008 war für die Finanzverwaltung in Bayern ein besonderes Jahr: 1808, also 200 Jahre zuvor, wurde die Steuerverwaltung durch die Stände aufgehoben, die Finanzverwaltung ging auf den Staat über. Der Staat hat damit die Hoheit über die Steuern erhalten", erklärte Finanzminister Georg Fahrenschon am Montagabend bei der Ausstellungseröffnung "Die Hüter des Schatzes - 200 Jahre staatliche Finanzverwaltung in Bayern" im Finanzamt Traunstein.

Die Wanderausstellung, die bisher in zehn bayerischen Städten Station machte, schildert die Anfänge der landesherrlichen Steuererhebung im 13. Jahrhundert über die herzogliche Verwaltung unter Herzog Albrecht V., dem Aufheben der landständischen Vertretung im 18. Jahrhundert über die Entwicklungen nach dem Ende der Monarchie bis hin zur Darstellung der Finanzverwaltung in der Moderne.

Der Leiter des Finanzamtes Traunstein, Georg Leimbeck, erläuterte den rund 50 geladenen Gästen die Entwicklung, die vor rund 200 Jahren zu einer "Revolution der Steuererhebung" führte. Die damalige Krisensituation habe nur mit einer wirkungsvollen Neuorganisation des Besteuerungswesens gemeistert werden können. Der Amtsleiter wies darauf hin, dass die "Hüter des Schatzes" aber auch in die Zukunft blicken. Man wolle weiterhin geeigneten Nachwuchs für "dieses schwierige Amt gewinnen." So würden in diesem Jahr 16 Nachwuchskräfte beim Finanzamt Traunstein neu eingestellt. Er hoffe, dass in Zusammenarbeit mit den Schulen "die nächsten 200 Jahre Finanzverwaltung gesichert sind."

Staatsminister Fahrenschon ging in seiner Rede unter anderem auf die Geschichte des Finanzamtes Traunstein ein, das 1919 seine offizielle Geburtsstunde erlebt habe. Durch die Verlegung des Finanzamts Trostberg hatte sich der Amtsbezirk ab 1927 dann zusätzlich deutlich ausgeweitet.

Am Rande seiner Rede nahm Fahrenschon auch zu den Finanzproblemen Griechenlands Stellung. Man müsse hier genau prüfen, dass "das nicht ein Fass ohne Boden ist". Bei den Steuereinnahmen hätten sich die privaten Haushalte im vergangenen Jahr in der Finanz- und Wirtschaftskrise als "Stabilitätsanker" erwiesen.

Er bedankte sich abschließend insbesondere bei dem langjährigen Archivdirektor am Bayerischen Hauptstaatsarchiv, Professor Dr. Reinhard Heydenreuter, für dessen Mitwirkung an der Ausstellung: "Geschichte kann spannend sein, aber man muss sie auch spannend und interessant darstellen können." Dies gelinge Heydenreuter in hervorragender Weise.

Der Historiker ging auf die Geschichte der Steuererhebung in Bayern ein. "Bayern war schon sechsmal bankrott" machte er klar. Wenn ein Landsherr oder der Staat finanziell klamm war, wurde eben kurzerhand die Verfassung geändert. Für einen Historiker sei es fast lächerlich, wenn er von Bankenzusammenbrüchen als etwas Neues höre. Diese hätte es schon zu Zeiten des Gulden gegeben und hätten sich mehrfach wiederholt. Auch der Klimawandel sei kein neueres Phänomen, da dieser schon ab dem 14. Jahrhundert aufgetreten sei. Der Vulkanausbruch des Krakatau in Indonesien habe im 18. Jahrhundert die Ernten in Deutschland vernichtet und verheerende Folgen für die Bauern und die Bevölkerung gehabt. Auch hier war der Bogen zu aktuellen Entwicklungen schnell gefunden. Für die Gründe des Schuldenmachens hatte er eine einfache Erklärung: "Wir brauchen Schulden, weil Menschen Zinsen haben wollen."

In der Rückschau habe es Bayern immer geschafft "gestärkt aus den Krisen hervorzukommen." Einen Tipp hatte er in den vielen ungelösten Fragen der europäischen Einigung und der Zerreißprobe der Europäischen Währung dann auch noch parat: "Bayern muss nicht europäischer werden, Europa muss bayerischer werden."

wz/Chiemgau-Zeitung

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