Fachkräfte aus dem Ausland umstritten

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Traunstein - Über die neueste Sozialraumanalyse des Landkreises informierte jetzt Landrat Hermann Steinmaßl. Dabei wurde eines klar: Fachkräfte aus dem Ausland sind umstritten.

Über die neueste Sozialraumanalyse des Landkreises informierte Landrat Hermann Steinmaßl bei einer gemeinsamen Veranstaltung der Projektgruppe "Demografie" des CSU-Kreisverbands und des Deutschen Gewerbeverbands Traunstein und Umgebung im "Brauereiausschank Schnitzlbaumer".

Die aktuelle Situation mit dem Facharbeitermangel hänge mit der dynamischen wirtschaftlichen Entwicklung zusammen, stellte Steinmaßl fest. Mit nur 2,9 Prozent Arbeitslosen gehe der Landkreis in Richtung Vollbeschäftigung. Aufgabe des Landkreises sei es, ihn als Standort attraktiv zu machen, indem die Menschen dort wohnen, aber auch arbeiten können. Die Einwohner unter sechs Jahre würden weniger, die über 65 Jahre mehr. Laut der Analyse werde der Landkreis 2040 wieder so viele Einwohner haben wie 1975. Dies nannte er "besorgniserregend". Der Anteil der Migranten (Spätaussiedler und Ausländer) liegt demnach bei zwölf Prozent. Die Geburten und Sterbefälle halten sich in etwa die Waage. Ein Problem stellen auch die allein erziehenden Mütter dar. Sie machen rund 20 Prozent der Bevölkerung aus, stellen aber 40 Prozent der Sozialhilfebezieher.

Die Wirtschaft habe 8300 Betriebe mit einer durchschnittlichen Betriebsgröße von 6,5 Mitarbeitern. 46,3 Prozent arbeiten im produzierenden Gewerbe, 29 Prozent im Handel und 21,8 bei Dienstleistern. Beim demografischen Arbeitsmarktsaldo werden 2020 etwa 3000 Facharbeiter fehlen. "Unser Ziel muss es deshalb sein, wieder eine positive Einwohnerentwicklung zu erreichen", mahnte der Landrat. Da dies derzeit nicht über die Geburten zu schaffen sei, müsse man sich über eine aktive Zuwanderungspolitik Gedanken machen.

Erhebliche Defizite weise der Landkreis im Tourismus auf. Hier sei lange Zeit "geschlafen" worden. Wichtig seien zum Beispiel höherpreisige Sterne-Hotels, mit deren Auslastung es in anderen Landkreisen keine Probleme gebe, sie im Gegenteil die Leute anlockten.

In der Diskussion stellte Florian Binder fest, dass der Fachkräftemangel ein strukturelles und kein konjunkturelles Problem sei. Man dürfe nicht nur Fachkräfte von außen holen, sondern sie durch mehr Ausbildung in den Betrieben gewinnen. "Mit einem besseren Weiterbildungsangebot können wir die Fachkräfte halten." Kreishandwerksmeister Peter Eicher ergänzte dazu, das Handwerk biete mit seinen Bildungszentren bereits gute Fortbildungsmöglichkeiten. Franz Gruber sagte, bei der demografischen Veränderung seien die ländlichen Gemeinden am stärksten betroffen. Wichtig sei es hier, bei den Arbeitsplätzen Lösungen zu finden, weil immer mehr landwirtschaftliche Arbeitsplätze wegfielen. Ebenso rief er dazu auf, bei den Geburtenzahlen nicht aufzugeben.

Die stellvertretende FU-Kreisvorsitzende Elke Frisch warnte davor, Fachkräfte aus dem Ausland zu holen. "Sie fehlen dann in der Wirtschaft ihrer Heimatländer", lautete ihr Argument. Es sei daher schlecht, Arbeitskräfte in alle Welt zu verschieben. Steinmaßl erklärte dagegen, dass der Landkreis seit 1975 35.000 Einwohner hinzu gewonnen habe. Da die Geburten- und Sterberate gleichgeblieben sei, sei dies nur durch Zuwanderung möglich geworden. Die Frage sei doch: "Was können wir den Betrieben anbieten und was können wir für die Familien tun?" Steinmaßl betonte die Bedeutung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. "Frauen, die studieren, wollen auch arbeiten."

Aigner schlug vor, den Familien etwas zu bieten, damit ihnen das Ja zu Kindern leichter falle. Die Qualität der Bildung werde immer besser, aber der Weg zum Abschluss immer länger. Dadurch würden die Menschen später heiraten, was sich wiederum auf die Kinderzahl auswirke. Zum Thema Leiharbeiter meinte er, die Betriebe seien bestrebt, für die Mitarbeiter genügend Arbeit zu schaffen. "Aber bei Auftragsspitzen können wir nicht gleich einstellen." Oft seien Facharbeiter auch nicht zu bekommen. Wenn gar nichts mehr gehe, suche man sich eben einen Dienstleister. Innungsobermeister Josef Lechner beklagte, dass das Handwerk seinen Nachwuchs ausbilde, den sich dann die Industrie von den Handwerksbetrieben hole.

Andreas Wagner schnitt die Situation in der Traunsteiner Innenstadt mit der fehlenden Fußgängerzone und dem Parksuchverkehr an. Wie zuvor die FU-Kreisvorsitzende Dorli Kandlberger machte er sich Sorgen um das Aussterben der Innenstadt. Der Landrat meinte, es passe nicht zusammen, wenn man den Traunsteiner Stadtplatz aufwändig saniere und gleichzeitig ein Fachmarktzentrum am Stadtrand genehmige.

bjr/Chiemgau-Zeitung

Rubriklistenbild: © pa

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