Paar schrieb Brief an Staatsanwalt

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Das zerstörte Haus von oben

Inzell - Das Rentnerpaar, das in Breitmoos vermutlich sein Haus gesprengt hat, hat sich vor der Tat bei der Staatsanwaltschaft gemeldet. Der Brief traf am Mittwoch ein. Am Unglücksort wurden chemische Substanzen gefunden. ++ Video: Interview mit Inzells Bürgermeister ++ Video: Die Nachbarn erzählen ++ Video: Bilder der Nacht ++ Video: Am Tag danach ++ Video: Ein Nachbar erzählt ++ „Es gleicht einem Schlachtfeld“ ++ Chronik: Explosionen in Deutschland ++

Video: Interview mit Inzells Bürgermeister

Video: Die Nachbarn erzählen

Video: Die Bilder vom nächtlichen Einsatz

Video: Nach der Explosion

Video: Ein Nachbar erzählt

Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Traunstein Spiegel Online mitteilte, sei bei der Behörde am Mittwoch ein Brief eingegangen, in dem das Paar Ermittlungen zur Vorgeschichte der Versteigerung gefordert habe. Dies sei kein klassischer Abschiedsbrief gewesen, sagte der Sprecher. Die zeitliche Abfolge von Versteigerungstermin, Brief und Explosion deute aber darauf hin, dass das Paar die Explosion selbst verursacht habe. Eine Verzweiflungstat des Mannes und seiner Frau liege nahe. Die Staatsanwaltschaft Traunstein nahm die Ermittlungen auf.

Weitere Hinweise, dass sich das Ehepaar Christa und Hannes M. (67 und 75) selbst in die Luft gesprengt hat, fand die Polizei an Unglücksort: "Es sind chemische Substanzen gefunden worden, die den Rückschluss zulassen, dass die Explosion herbeigeführt worden ist", sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd am Donnerstag. Um welche Substanzen es sich handelt, werde derzeit vom Landeskriminalamt untersucht. "Ein Verschulden Dritter scheidet aus."

Breitmoos: Das Haus des Ehepaars M. (Pfeil) flog in der Nacht auf Mittwoch in die Luft.

Erst am frühen Dienstagnachmittag hatten Christa (67) und Hannes M. (75) einen Termin im Amtsgericht Traunstein. Ihr Einfamilienhaus mit 184 Quadratmetern Wohn- und rund 1.100 Quadratmetern Grundstücksfläche sollte unter den Hammer: Zwangsversteigerung! Die Bank, die die Hand auf der Immobilie hatte, wollte 270.000 Euro Mindestgebot. Der Wert des Hauses mit drei Terassen und unverbaubarem Bergblick in Südlage hatte laut einer Versteigerungs-Anzeige beim Doppelten gelegen, bei 540.000 Euro. Es fand sich trotzdem kein Bieter für den Mindestbetrag. Ein neuer Versteigerungstermin hätte frühestens im Januar 2010 stattgefunden. Solange hätte das Paar wohl sicher in seinem Zuhause bleiben können.

Fotostrecke: Trümmerfeld nach Explosion

Trümmerfeld nach Explosion

Fassungslosigkeit in Inzell

Warum also diese unfassbare Tat? War die Verzweiflung der beiden wirklich so groß? Diese Fragen gehen den Inzellern seit vergangener Nacht nicht mehr aus dem Kopf. Ein Nachbar erzählt, dass Christa und Hannes M. eigentlich ganz nette Leute gewesen seien. „Sie sind immer im Partnerlook und Händchen haltend durch unseren Ort spaziert.“ Für einen weiteren Nachbarn sei das Ehepaar M. eher sonderbar gewesen: “Es gab häufiger Unstimmigkeiten, auch mit anderen Anwohnern.“ Zudem hätten die Eheleute sehr zurückgezogen gelebt.

Fotostrecke: Am Tag nach der Explosion

Trümmerfeld nach Explosion

So sah das Haus der Eheleute M. vor der Explosion aus.

Nachbarn berichteten, dass Christa und Hannes M. vor etwa 15 Jahren nach Inzell gezogen seien. Ihre finanzielle Misere begann dann in den Jahren 2000 bis 2002. Damals kauften sich die Rentner eine Wohnung in Bad Reichenhall. Offenbar wollten sie sich verkleinern, den Wohnsitz in Inzell wohl aufgeben. Für das Anwesen in Breitmoos war zuvor auch ein Käufer gefunden worden. So ist es zu erklären, dass Hannes und Christa M. auf ihr Haus in Breitmoos bei einem Wert von 540.000 Euro eine Grundschuld von 480.000 Euro eintragen ließen. Laut der Münchener tz stellte sich dann unglücklicherweise heraus, dass der Käufer nicht so solvent war, wie er angegeben hatte. Das Ende vom Lied: Der Verkauf platzte, das Seniorenpaar blieb auf einem Berg Schulden sitzen. Ein herber Abstieg, denn Hannes M. war ein wohlhabender Mann gewesen. Der Elektroingenieur unterhielt in München einst ein florierendes Unternehmen und war eine große Nummer im Baugewerbe gewesen, heißt es. In der Nacht auf Mittwoch nahm das einst wohlhabende Leben von Christa und Hannes M. ein unfassbar tragisches Ende.

Fotostrecke: Wohnhaus in Schutt und Asche

Wohnhaus abgebrannt

„Wie ein Schlachtfeld“

Es war kurz vor 2 Uhr morgens, als sämtliche Nachbarn durch einen lauten Knall aus dem Schlaf gerissen wurden. Sofort eilten sie an ihre Fenster - schon jetzt bemerkten sie, dass etwas Schreckliches passiert sein musste, denn ihre Fenster waren allesamt zerborsten. Zerborsten von einer Druckwelle, ausgelöst im Haus ihrer Nachbarn Christa und Hannes M. „Das Nachbarhaus, es war einfach verschwunden“, erzählt ein Nachbar. “Es sah aus, wie auf einem Schlachtfeld. Aus den Trümmern stiegen meterhohe Flammen auf.“

Innerhalb kürzester Zeit trafen insgesamt 150 Rettungskräfte an der Unglücksstelle ein, von Christa und Hannes M. fehlte zunächst aber jede Spur. Vier Stunden später, um 6 Uhr morgens, dann die traurige Gewissheit. Die Hausbesitzer befanden sich während der verheerenden Explosion im Haus. Für sie kam jede Hilfe zu spät.

Derweil gibt es wilde Spekulationen über den Unfall-Hergang. Es geht sogar das Gerücht um, dass der Körper von Christa H. in Benzin getränkte Tücher gewickelt gewesen sei.

Fotostrecke: Umgebung verwüstet

Wohnhaus in Inzell explodiert

„Es herrscht große Solidarität“

Nur wenige Stunden nach der verheerenden Explosion haben jetzt bereits die Aufräumarbeiten begonnen. „Alle Nachbarn und Anwohner helfen mit“, erzählt Inzells Bürgermeister Martin Hobmaier auf Anfrage von chiemgau24.de. „Unsere Handwerksbetriebe haben alles stehen und liegen lassen, um Fenster und Türen der benachbarten Häuser zu reparieren.“ Auch die Feuerwehr sei weiterhin vor Ort. „Jetzt herrscht große Solidarität. Alle packen an.“

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