Nach Brand in Pension ist das Einkommen weg

Feuer raubt Familie die Existenz

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Eine Spendenaktion hat Ralf Blodig angeregt - für Ingrid, Sven und Madeleine Janeski (von links).

Inzell - Am 17. März hat in Inzell ein Haus gebrannt - das Zuhause von Ingrid Janeski und ihren beiden Kindern Sven und Madeleine. Wie die Familie jetzt lebt:

"Das ist ein türkischer Kaffee", erklärt Ingrid Janeski lächelnd, obwohl ihr eher zum Heulen zumute wäre. Seit gut 14 Tagen lebt die 44-jährige, alleinerziehende Vermieterin mit ihren beiden Kindern Sven (10) und Madeleine (20) in einem Provisorium, einer kleinen Ferienwohnung gegenüber ihrem eigentlichen Zuhause. Ihre angestammte Unterkunft war die Pension "Inzell Vierjahreszeiten" an der Ahornstraße 8 - bis 17. März, als aus bisher noch ungeklärter Ursache ein verheerender Dachstuhlbrand ausbrach und im Haus Spuren der Verwüstung hinterließ. Mangels Kaffeemaschine und Filter überbrüht Ingrid Janeski den Kaffee einfach nach türkischer Art. Doch das ist das kleinste Problem für die Inzeller Familie, die von der Zimmervermietung an Urlauber lebt.

Eine Ortsbegehung mit Janeski und ihren Kindern zeigt das ganze Ausmaß der Zerstörung. Das Glasfenster in der Haustür musste die Feuerwehr aufbrechen, weil sie den Code nicht wusste und keiner die Handynummer von Janeski hatte. "Wir waren gar nicht da, als es brannte." Die gebürtige Baden-Württembergerin war mit Sven bei ihren Eltern. Madeleine, die ab Herbst Fremdsprachenkorrespondentin lernen möchte, war für einige Tage in London.

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Im ganzen Haus hängt noch der Brandgeruch. Im zweiten Stock ist der gesamte Gang rußgeschwärzt, und zum Teil ist der Putz abgesprungen. Eine schmale Wendeltreppe führt in den Speicher. Zum Teil ist nur noch das Stahlgerüst der Stufen erhalten, den Rest fraßen die Flammen weg. Alle Balken des Dachstuhls sind verkohlt. Scherben von Dachplatten, verbrannte Gegenstände, Plastikplanen, Fetzen des Dämmmaterials und Ruß bedecken den Boden. Sven trauert seinen Spielsachen nach, die hier verbrannten, neben Camping-Utensilien und beruflichen Akten von Ingrid Janeski, die immer schon selbständig war.

1998 hatte die Familie das Haus gekauft, das schon seit etwa 30 Jahren als Pension besteht. Zuerst verpachteten die Janeskis die Immobilie. Seit etwa drei Jahren vermietet Ingrid Janeski die zwölf Zimmer mit 26 Betten selber, um ihre Kinder nach ihrer Scheidung weiter ernähren und ihre Ausbildung finanzieren zu können. "Wir waren immer gut ausgebucht", erzählt sie. Beim Service und Frühstück-Herrichten packte die Tochter tatkräftig mit an. "Ich habe mich mit meiner Mutter abgewechselt", sagt Madeleine. Wenn die Gäste nett und kontaktfreudig waren, machte ihr das großen Spaß. Eine angestellte Putzfrau kümmerte sich um die Zimmer. Die klassische Frühstückspension besuchten vor allem Paare aus ganz Deutschland.

Die Existenz der kleinen Familie liegt in Scherben. Sie weiß nicht, wann sie sie wieder neu aufbauen kann, denn die Ermittlungen der Schadensursache durch die Kripo ziehen sich hin. Solange sie laufen, bekommen die Janeskis von ihrer Versicherung nichts. Die Versicherung hat lediglich zur Schadensbegrenzung einige Maßnahmen am Haus vorgenommen wie die Abdeckung des offenen Daches mit Planen.

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Das Geld von den letzten Übernachtungen vor dem Brand ist fast aufgebraucht. "Reserven habe ich keine. Ich muss mir jetzt einen Job suchen", stellt Ingrid Janeski verzweifelt fest. Die Untätigkeit und Machtlosigkeit machen ihr zu schaffen. Ihre Einnahmen des nächsten halben Jahres für etwa gebuchte 2400 Übernachtungen hatte sie quasi schon in der Tasche. Nun haben sie sich in Luft aufgelöst. Dazu kommt, dass Mutter und Kinder ihr vertrautes Wohnumfeld vermissen und die unsichere Situation sie und ihr Miteinander psychisch belastet.

Ralf Blodig aus Inzell hatte die Idee, in Kooperation mit der Chiemgau-Zeitung eine Spendenaktion für die Janeskis zu organisieren, die wegen behördlicher Hürden derzeit von offiziellen Stellen keine Hilfe bekommen. Die Bürgerstiftung Traunsteiner Land erklärte sich nun unbürokratisch zur Unterstützung dieser guten Sache bereit.

Wer der Familie den Neustart erleichtern und schnelle finanzielle Hilfe leisten möchte, kann bis 30. April Spenden unter dem Verwendungszweck "Familie Janeski" auf das Konto 1077775 der Bürgerstiftung Traunsteiner Land, BLZ 71090000, Volksbank Raiffeisenbank Oberbayern Südost, überweisen.

vm/Chiemgau-Zeitung

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