Alt-Feuerwehrler hängt Helm an den Nagel

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Aus dem aktiven Feuerwehrdienst verabschiedet wurde Heinz Hilpert (links) aus Traunstein. Seit 2002 bis zur „Feuerwehrler-Pension“ die Hilpert nun, mit Erreichen des 63. Lebensjahres antreten muss, war er als Schiedsrichter für die Kreisbrandinspektion und den Inspektionsbereich „Traunstein Land 5“ tätig. Bei der Dienstversammlung der 1. Kommandanten und Stellvertreter überreichte Kreisbrandinspektor Manfred Unterstein ein schmuckes Erinnerungsgeschenk.

Traunreut - Nach 46 Jahren im aktiven Dienst hängt Heinz Hilpert den Feuerwehrhelm ein für allemal an den Nagel. Doch dies geschieht nicht ganz freiwillig.

Denn mit Erreichen der Altersgrenze von 63 Jahren ist das Ende des aktiven Feuerwehrdienstes gekommen, so wie es das Feuerwehrgesetz vorschreibt. Die Verabschiedung Hilperts aus dem aktiven Dienst stand im Mittelpunkt der Dienstversammlung der Kommandanten und Stellvertreter aus dem Inspektionsbereich Traunstein Land 5.

Der Traunwalchener war neun Jahre als Schiedsrichter für die Kreisbrandinspektion tätig und wurde deshalb bei der Inspektionsversammlung für seinen langjährigen Dienst gewürdigt. Kreisbrandinspektor (KBI) Manfred Unterstein hob Hilperts überaus engagierten und vorbildlichen Einsatz für das Feuerwehrwesen. „Er hat nie „nein“ gesagt, war überall einsetzbar und hat jede Herausforderung angenommen.“ Unterstein erinnerte an den Hilfseinsatz während der Flutkatastrophe an der Elbe im Jahr 2002. 380 Feuerwehrler mit 63 Einsatzfahrzeugen aus dem gesamten Landkreis Traunstein machten sich damals auf den Weg nach Dessau nach Sachsen-Anhalt. Einsatzleiter des Kontingents war Unterstein. „Ich hätte das nie ohne meinen besten Freund, den Heinz, gemacht“, betonte Unterstein. „Er war mein Finanzverwalter, mein Kassenwart, dafür gab es keinen Besseren.“

Vor Beginn seines Dienstes als Schiedsrichter war Hilpert 12 Jahre 1. Kommandant der Feuerwehr Traunwalchen, zuvor fünf Jahre stellvertretender Aktivenchef. Auch gründete er die Jugendfeuerwehr Traunwalchen. Für seinen vorbildlichen und treuen Dienst als „Schiri“ bei Leistungsprüfungen überreichte Kreisbrandinspektor Unterstein ein Erinnerungsgeschenk an Heinz Hilpert. Seine Nachfolge als Schiedsrichter für den Inspektionsbereich Land 5 tritt Stefan Reichelt, 1. Kommandant der Feuerwehr Chieming an.

Kreisbrandinspektor Unterstein, der für 17 Feuerwehren in der Landkreismitte einschließlich denen der Städte Traunstein und Traunreut zuständig ist, blickte auf das Einsatzgeschehen des Jahres zurück: Der Großbrand eines landwirtschaftlichen Anwesens in Wang bei Nußdorf am 1. Februar war der größte Löscheinsatz. Mehr als 140 Feuerwehrmänner und –frauen waren im Einsatz. Wenige Tage später stand ein Bauernhof in St. Leonhard in Flammen. Aus dem Inspektionsbereich waren die Wehren aus Traunstein und Surberg im Einsatz. Hohen Sachschaden gab es auch beim Brand in einer Kfz-Werkstätte und in der Kapelle des Studienseminars St. Michael, beides in Traunstein. Die Löschmannschaften aus Traunreut und Stein waren vor wenigen Wochen bei einem verheerenden Wohnhausbrand in Altenmarkt gefordert. Unter den vielen schweren Verkehrsunfällen, bei denen die Feuerwehren Menschen aus Fahrzeugwracks befreiten und retteten, blieb ein Verkehrsunfall in Traunwalchen im Mai in besonderer Erinnerung.

Ein Fahrer war mit seinem Fahrzeug gegen eine Hauswand geprallt, wurde eingeklemmt und erst nach mehr als zwei Stunden von einem Zeitungsausträger entdeckt. Am 22. Juni und 10. Juli hielten Unwetter mit Hagel, Starkregen und Sturm die Wehren in Atem. Darüber hinaus gab es viele Alarme, die von automatischen Brandmeldeanlagen ausgelöst wurden, sowie Wohnungsöffnungen, Einsätze zur Unterstützung des Rettungsdienstes, die Beseitigung von Ölspuren, Verkehrsabsicherungen bei Veranstaltungen und vieles mehr.

Der Kreisbrandinspektor würdigt das hohe Engagement der Freiwilligen, die häufig Freizeit und Wochenenden opfern, um sich bei Übungen und Lehrgängen für den Ernstfall fit machen. Die kontinuierliche Fortbildung, gute Kameradschaft und die kooperative Zusammenarbeit seien die Basis dafür, dass auch in Extremsituationen das Richtige getan und alle Anforderungen an den Dienst uneingeschränkt erfüllt werden.

Ganz und gar nicht zufrieden zeigte sich Unterstein über die geringe Zahl erfolgreich abgelegter Leistungsprüfungen. 120 Aktive und Jugendfeuerwehrler aus dem Inspektionsbereich bestanden die Leistungstests. Im letzten Jahr waren es noch mehr als 200. 37 Männer waren bei der Prüfung zur „Technischen Hilfeleistung“ erfolgreich und 73 Feuerwehrler absolvierten die Prüfung der „Gruppe im Löscheinsatz.“ Die Jugendleistungsprüfung legten nur zehn Anwärter ab; im Vorjahr waren es noch 54. Der Kreisbrandinspektor forderte die Kommandanten auf, sich verstärkt den Leistungsprüfungen zu widmen. Die Leistungstests und insbesondere das Üben zur Vorbereitung vermitteln das Standardwissen und die Grundtätigkeiten. „Das bringt die im Ernstfall notwendige Routine und schweißt eine Gruppe zusammen.“ Kritik äußerte der Kreisbrandinspektor am Verhalten junger Feuerwehranwärter, die an den Truppmannlehrgängen teilnahmen. Manche würden sich zu wenig vorbereiten und seien deshalb bei der abschließenden Prüfung gescheitet. Dass einige Jugendliche gegenüber den Ausbildern ausfällig wurden und den notwendigen Respekt vermissen ließen, werde Unterstein künftig nicht hinnehmen. „Jeder macht es ehrenamtlich und freiwillig und bemüht sich die jungen Feuerwehrler voranzubringen.

Das wird offensichtlich völlig vergessen.“ Überaus erfreulich sei dagegen der neue Teilnehmerrekord beim Wissenstest der Feuerwehrjugend. 102 Buben und Mädchen machten mit – soviel wie nie zuvor – und alle bestanden. Auch der Erfolg der Jugendgruppen aus dem Inspektionsbereich beim Kreisjugendfeuerwehrtag in Obing stimmte Unterstein versöhnlich. Die gemischte Gruppe aus Nußdorf und Vachendorf erkämpfte sich beim Spielewettbewerb Platz 1. Die Traunreuter Feuerwehrjugend wurde Zweite und die Gruppen aus Hart, der Stadtfeuerwehren Traunreut und Kammer folgten auf den Plätzen 4 bis 6.

Eine besondere Bereicherung im Fuhrpark der Wehren im Inspektionsbereich sei der neue Rüstwagen der Feuerwehr Traunreut, der im Mai in Dienst gestellt wurde. Die Feuerwehr Chieming wartet noch auf ein neues Versorgungsfahrzeug und die Werkfeuerwehr Bosch-Siemens Traunreut beschafft im nächsten Jahr ein neues Tanklöschfahrzeug. Die Feuerwehr Traunreut wird eine neue Drehleiter in Dienst stellen. Umgebaut, angebaut und aufgestockt wurde das Gerätehaus der Feuerwehr Surberg in Lauter. Bei der Feuerwehr Haslach wurde ein neues Führungsduo gewählt. Stefan Breitling ist 1. Kommandant; Michael Schuhbeck sein Stellvertreter. Bei der Feuerwehr Traunstein wurden die Kommandanten Manfred Dandl und Werner Huber im Amt bestätigt und wiedergewählt. Neuer Leiter der „Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung“ (UG-ÖEL) ist Andi Zeiser.

Franz Parzinger, 1. Bürgermeister der Stadt Traunreut und Vorsitzender des Kreisverbandes Traunstein des Bayerischen Gemeindetages, sagte, es sei fasziniert davon, was von den Feuerwehren jahraus, jahrein geleistet wird. Die Feuerwehrfrauen und -männer im Landkreis Traunstein wüssten nie, was auf sie zukommt. Um auf dem Laufenden und für jeden Notfall gerüstet zu sein, werde viel getan. Aus- und Fortbildung, Fachkompetenz und der Mut Mitmenschen in Not zu helfen, sei eine ständige Herausforderung, die von den Feuerwehrlern aber uneingeschränkt angenommen werde. Den Führungskräften und aktiven Dienstleistenden zollte Parzinger größten Respekt für ihre engagierte, gemeinwohlorientierte Arbeit.

Pressemitteilung pv

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