Fliegergruppe Traunstein feiert 50-jähriges Jubiläum

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Traunstein/Unterwössen - Am Samstag feiert der Verein "Fliegergruppe Traunstein" am Flugplatz Unterwössen das 50-jährige Gründungsjubiläum.

Es ist ein uralter Menschheitstraum: Fliegen zu können wie die Vögel. Und so wurden in den vergangenen Jahrtausenden unzählige Versuche gemacht, sich mit selbst hergestellten Flügeln vogelgleich durch die Luft zu bewegen – meist mit fatalem Ausgang. 4 500 Jahre alt ist die älteste auf Tontafeln verfasste Aufzeichnung über Flugversuche in der Antike, die sich unermüdlich durch die Jahrhunderte zogen. Otto Lilienthal als der wohl bekannteste Luftfahrtpionier machte im 19. Jahrhundert vor, wie ein Gleitflug mit seinen Flugapparaten funktioniert – und bezahlte seine Versuche später mit dem Leben.

Fliegerpioniere aus Traunstein

Das Fliegen im Chiemgau begann in den Nachkriegsjahren und wurde vor Allem durch Traunsteiner Bürger vorangetrieben. Namen wie Fritz Brun (Kasfritz), Walter Langmayer und dem Vereins-Ehrenvorsitzenden Adi Wiedl sind untrennbar mit dem Fliegen und dem Verein verbunden (siehe nebenstehender Bericht). Über die Jahrzehnte haben die Vereinsmitglieder eine Flugzeughalle und eine Werkstatt erbaut und einen exzellenten Flugzeugpark erhalten und erworben an dem mit vier hochmodernen Seglern und einem Motorsegler geflogen wird. Am Flugplatz Schönberg in der Nähe von Kienberg ist dazu seit knapp 30 Jahren die Motorflugabteilung mit einer Cessna 182 beheimatet. Aber auch so mancher „Gast“ wie eine wunderschöne „Renegade Spirit“ nutzen immer wieder die guten Möglichkeiten, die der Verein zu bieten hat. Überwiegend nutzen aber die Vereinsmitglieder die Anlagen der FG-Traunstein. In Unterwössen werden die Flugzeuge mit einer technisch einzigartigen elektrischen Seilwinde umweltfreundlich auf 350 Meter hochgezogen, im Schlepptau des Motorseglers bringt man es auf 1100 Meter.

Fliegergruppe Traunstein feiert Jubiläum

„Bis vor 25 Jahren waren wir ein 'eignader' Traunsteiner Verein“ erläutert Wierer. Da sei eine Mitgliedschaft schon problematisch gewesen, wenn man am Stadtrand Traunsteins gewohnt habe. Später habe man sich für Interessierte aus dem Landkreis geöffnet. Heute kommen die Mitglieder aus dem gesamten oberbayerischen Raum. „So mancher ist aber aus der Region beispielsweise aus beruflichen Gründen weggezogen und ist uns aber weiter verbunden geblieben“ so der Vereinsvorsitzende. Den Verein versteht er auch als „Soziales Netzwerk“, weshalb man sich auch über das Fliegen hinaus zu verschiedenen Ausflügen, wie beispielsweise im Winter zum Skifahren trifft. In der kalten und stürmischen Jahreszeit ist dem gemeinsamen Fachsimpeln und Arbeiten rund um das Fliegen kein Ende gesetzt: „Da werden dann die Flugzeuge gewartet und für die jährliche TÜV-Abnahme vorbereitet.“ In den Gebühren für die Mitgliedschaft ist auch ein „Arbeitseinsatz“ von 20 Stunden jährlich vorgesehen – dieser war nicht nur bei den Überschwemmungen an Fronleichnam im Juni diesen Jahres nötig, als die Flugzeughalle über einen halben Meter unter Wasser stand.

Fliegen nicht ganz billig aber einzigartig

91 Mitglieder hat der Verein derzeit, wovon rund 50 Personen das Fliegen aktiv betreiben. Nach dem Aufnahmegebühr, einem Mitgliedsbeitrag von 250,-- Euro pro Jahr und einem Spartenbeitrag ist für einen Flug mit mittlerer Flugleistung rund 30 bis 40 Euro zu bezahlen, halbe Preise für Schüler und Studenten selbstverständlich. „Wir legen großen Wert auf die Förderung der Jugend“ erläutert der flugbegeisterte Ingenieur. So können Teens und Jugendliche bereits im Alter ab 14 Jahren mit dem Segelfliegen beginnen und können bereits ab 16 Jahren den Flugschein machen. Und dann kommt früher oder später das „größte Erlebnis eines Fliegers, der Alleinflug“, wobei zu dem Flug auch eine große Portion Mut gehört: „Wer da nicht die Hosen voll gehabt hat, der sagt nicht die Wahrheit“ bekennt der Vereinsvorsitzende offen. Und so sehr das Fliegen auch alleine in der unglaublichen Ruhe über den Wolken genossen werden kann, auf der Erde geht es dann wieder ganz „bodenständig“ zu. Der erste Alleinflug ist auch ein besonderes Ereignis für die Vereinsmitglieder, die dieses „Highlight“ eines jeden Fliegers zusammen feiern. Nachdem der neue Pilot für jeden ein Bier ausgeben „darf“, findet ein alter Brauch statt: Jeder Anwesende darf dem neuen Flieger den Hintern versohlen. „Da freut sich dann jeder darüber – vor Allem die, die 'zuhauen' dürfen“ schmunzelt er.


Optimale Bedingungen in Unterwössen

Günstige Bedingungen finden die Flieger in Unterwössen am Nordrand der Alpen vor: „Der Chiemseewind an der Gscheurerwand bietet optimale Flugbedingungen und treibt das Segelflugzeug nach oben“ macht Wierer klar. Von Unterwössen aus könne man weit in die Alpen fliegen, mit der Dimona ging es auch schon einmal bis zu der kroatischen Urlaubsinsel Male Losinj. „Bevor wir losfliegen schauen wir immer auch auf die Baumwipfeln.“ Piloten wissen, wie wichtig eine gute Vorbereitung ist – und da gehört natürlich auch die genaue Beobachtung des Wetters mit dazu. Mit den Jahren bekomme man ein Gefühl für das Wetter und könne schon Tage voraus die Flugaktivitäten planen. Und natülich ist es so, dass bekanntermaßen die beste Fliegerzeit in der Zeit zwischen Ende März bis Mitte Juli ist. Danach ist die großflächige Thermik vorbei“ erläutert er. In der FG Traunstein habe man „den modernsten Flugzeugpark“. Und so kann man mit Seglern mit mit bis zu 20  Metern Spannweite fliegen – wobei 15 Meter in der Standardklasse normal sind. „Aber auch ein 40 Jahre alter Holzbau ist dabei“ führt er aus, der zuvor in Bad Reichenhall und später in Ruhpolding geflogen wurde, bevor der Flugplatz aufgelöst wurde. Mit der Deutschen Alpensegelflugschule (DASSU) verbinde man eine gute Zusammenarbeit, ein freundlicher Umgang mit den Unterwössner Bürger bestünde seit Jahrzehnten.

„Fliegen ist ein unbeschreiblich schönes Gefühl“ erläutert Vereinsvorsitzender Wierer im Gespräch während er im kleinen Büroraum aktuelle Nachrichten überprüft. Und ist dann doch besonders betroffen, als die Nachrichten über das Flugunglück in Schnaittach-Lillinghof am vorigen Sonntag Nachmittag verbreitet wird. Die „Faszination Fliegen“ ist eben doch nicht ganz ungefährlich – für jeden, der die Höhenluft einmal „geschnuppert“ hat, jedoch ein unbeschreibliches Glücksgefühl mit hoher "Suchtgefahr".

awi

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