Wie reagieren die Staatsregierung und der Landtag auf den doppelten Abiturjahrgang 2011? - CSU-Politiker informieren

"G8-Versuchskaninchen" kommen an die Unis

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Lebhaft diskutiert wurde bei der gemeinsamen Versammlung des CSU-Arbeitskreises Schule, Bildung und Sport sowie des CSU-Kreisverbands über den doppelten Abiturjahrgang. Unser Bild zeigt den Arbeitskreisvorsitzenden Reinhold Schroll, Referent Bernd Sibler und den CSU-Kreisvorsitzenden Klaus Steiner (von links).

Traunstein - Wie die Staatsregierung und der Landtag auf den doppelten Abiturjahrgang reagieren, war das Thema einer Veranstaltung des CSU-Kreisverbands Traunstein und des CSU-Arbeitskreises Schule.

Mit den "G8-Versuchskaninchen", wie es Sibler formulierte, erwartet man heuer statt 35000 voraussichtlich 70000 und im darauf folgenden Jahr 72000 Studienanfänger. "Der doppelte Jahrgang kommt nicht auf einmal an unsere Hochschulen, son-dern verteilt sich auf die Jahre 2011 und 2012", so Sibler. Nach der Aussetzung der Wehrpflicht Mitte dieses Jahres kämen noch einmal mindestens 5500 zusätzliche Studierende hinzu.

Um die Situation zu entspannen, seien die Abiturprüfungen für das G9 auf den März und April vorverlegt worden, so dass diese Abiturienten bereits im Mai in das Sommersemester 2011 "ein-fädeln" könnten. Sibler erwartet dadurch ein bisschen Entspannung für das Wintersemester 2011/2012. Dann kommen die G8-Abiturienten, die im Mai und Juni ihr Abitur schreiben.

"Mehr Studierende bedeuten letztlich mehr hochqualifizierte Fachkräfte und damit mehr Wohlstand für unser Land", sagte der Landtagsabgeordnete aus Plattling. Daher habe Bayern - im Gegensatz zu Niedersachsen, das sich in der gleichen Situation befindet - bereits in der letzten Legislaturperiode ein sehr ehrgeiziges Hochschul-ausbauprogramm auf den Weg gebracht. Bis Ende des Jahres werden nach seinen Worten 38000 zusätzliche Studienplätze geschaffen. In der Hochschule für ange-wandte Wissenschaften in Rosenheim seien es 606 Studienplätze. Zudem werden 3000 zusätzliche Stellen für Professoren und akademische Mitarbeiter eingerichtet. Seit 2008 wurden davon bereits 1600 Stellen geschaffen. In diesem Jahr kommen 800 und im nächsten Jahr weitere 600 Stellen hinzu. Insgesamt wendet der Freistaat für den personellen Ausbau eine Mil-liarde Euro auf.

Hinzu kommt der räumliche Ausbau, für den ebenfalls eine Milliarde Euro vorgesehen ist. Angesichts des immer größer werdenden Fachkräftemangels liege der Schwerpunkt in den Natur-, Wirtschafts- und Ingenieurswissenschaften. Von den 38000 neuen Studienplätzen falle die Hälfte auf diesen Bereich, so Sibler.

Es wurden in der Diskussion auch weitere schulpolitische Themen angesprochen. Gymnasiallehrer monierten die personelle Ausstattung an ihren Schulen. Für kranke Lehrer gebe es keinen Ersatz beziehungsweise keine Reserve wie an den Volksschulen, obwohl genügend qualifizierte Lehrkräfte auf dem Markt seien. Dies scheiterte stets am Geld. Außerdem müssten die Gymnasiasten alles "ausbaden": immer mehr Gymnasiasten und zusätzlich das G8 mit dem Doppeljahrgang. Das G8 biete zudem verbesserte Fördermöglichkeiten. Dazu bräuchten die Gymnasien aber die notwendigen Lehrer.

Der Stimmkreisabgeordnete und CSU-Kreisvorsitzende Klaus Steiner stellte die Frage in den Raum, ob jeder auf das Gymnasium gehen müsse. "Wir haben keine Facharbeiter und müssen deshalb dazu kommen, dass der Hauptschüler wieder eine Wertschätzung erfährt."

Zur Lehrerreserve stellte Sibler fest, diese sei aufgelöst worden, um den Regelunterricht überhaupt aufrecht halten zu können. Mit 120000 Lehrern habe es in Bayern noch nie so viele gegeben wie heute.

Das G8 sei ein "Rohdiamant", der nun geschliffen werden müsse, war die Meinung der Gymnasiallehrer. Deshalb wollten sie wissen, wie es weiter gehe. Kultusminister Spaenle habe eine grundsätzliche Evaluation und Überarbeitung angekündigt, antwortete Sibler. Die Stärken des G8, wie zum Beispiel die Förderung, müsse beibehalten werden, so die Ansicht der Lehrer.

bjr/Chiemgau-Zeitung

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