Die ganz andere Welt unter Wasser

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Bereit für den Sprung ins Wasser: BRK-Einsatztaucher Mario Schachinger (links) bekommt die letzten Anweisungen von Einsatzleiter Christian Aicher (rechts). Sein Partner während des Einsatzes ist Hans Donaubauer (Mitte), der mit ihm per Leine und Tauchertelefon Kontakt hält. Alle drei sind aktive Mitglieder der Wasserwacht Obing, wo die meisten Einsatztaucher des BRK-Kreisverbandes stationiert sind.

Traunstein - Wie ein Außerirdischer sieht Mario Schachinger in seinem schwarzen Anzug aus. Er gehört zu den zwölf Einsatztauchern des BRK und ist auf seinen Einsatz vorbereitet.

Sobald eine Vermisstenmeldung von Seen und Flüssen bei der Integrierten Einsatzzentrale eingeht, werden die Einsatztaucher des Traunsteiner Kreisverbandes angefordert – in diesem Jahr bereits zehn Mal. Ihre Ausbildung gehört zu den umfangreichsten, die man bei der Wasserwacht des BRK absolvieren kann.

Schon die Voraussetzungen für die Ausbildung zum BRK-Einsatztaucher sind sehr vielfältig und zeitintensiv: Silbernes Rettungsschwimmabzeichen, verschiedene Sanitätsausbildungen sowie die Prüfung zum Wasserretter. Dann stehen dem künftigen Einsatztaucher zwei intensive Jahre bevor, in denen er viele Spezialbereiche büffeln muss: Kenntnisse der Physik, Medizin, Ausrüstung und Vorschriften im Bereich des Tauchens sowie natürlich die Übungen im Wasser.

Experte für all diese Themen ist Kurt Schäfer aus Ampfing, der einzige Ausbilder für Einsatztaucher im Traunsteiner BRK-Kreisverband. „Jeder Taucher muss vor allem körperlich und geistig sehr fit sein“, betont er, „denn im Wasser ist er völlig allein und nur über eine Leine mit seinem Partner verbunden. Für die Taucherausbildung interessieren sich viele, aber zum Schluss bleiben nur wenige übrig.“

Ein grausliches Erlebnis

Seit 2005 bildet Kurt Schäfer Einsatztaucher im BRK-Kreisverband aus. Er selbst lernte es als hauptamtlicher Feuerwehrmann. Sein erster Einsatz war bis heute sein schlimmstes Erlebnis. „Wir suchten in einem Hafenbecken nach einem vermissten Fischer und ich war als erster an der Wasserleiche. Das war schon sehr grauslich.“ Doch bis heute fasziniert ihn das Tauchen. „Unter Wasser kann ich abschalten – es ist wie ein Kick.“

Im Urlaub genießt er das „Schönwetter-Tauchen“, denn die Einsätze zu Hause sehen anders aus. Meist machen sich die Einsatztaucher unter schwierigen Bedingungen auf die Suche nach Personen oder Gegenständen: bei Dunkelheit, Kälte, Regen oder Schneefall in Gewässern, die kalt, dunkel und trüb sind. Hier ist eine starke Psyche gefragt, denn unter Wasser ist es oft mehr als unheimlich. „Dazu kommt, dass wir ja meist zum Einsatz kommen, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, also wenn alle Rettungsversuche der Wasserwachts-Retter erfolglos sind. Im Klartext bedeutet es, dass wir meist nach Leichen suchen.“

Von den zwölf Einsatztauchern im Traunsteiner BRK-Kreisverband gehören acht zur Wasserwacht Obing, wo auch die einzige Schnell-Einsatzgruppe der Wasserwacht beheimatet ist. Bei jedem Einsatz – ob Übung oder Ernstfall – steht dem Einsatztaucher ein Partner zur Seite. „Er ist das A und O für den Taucher“, erklärt Kurt Schäfer. Der Partner bleibt an Land, hilft dem Taucher beim Anlegen der umfangreichen Ausrüstung, kontrolliert alle technischen Funktionen und ist schließlich nur durch eine Leine mit dem Taucher verbunden. Mit verschiedenen Leinenzeichen kommunizieren die beiden miteinander: ein Zug bedeutet „Notfall“ – der Taucher muss sofort aus dem Wasser, fünf Mal Zug signalisiert „alles in Ordnung“, mit vier Mal Zug gibt der Taucher seinem Partner zu verstehen, dass er „auf Grund“ ist.

Umfangreiche und teure Ausrüstung

Die Ausrüstung der Taucher ist sehr umfangreich: Neben Anzug, Flossen, Maske, Handschuhe, Pressluftflasche, Bleigurt und Messer zählen ein Jacket für den Auftrieb, ein Automat, der den Druck aus der Flasche reduziert, sowie ein Tauchcomputer. Für strömendes Wasser ist ein Tauchtelefon vorgeschrieben, dessen Verbindung sich in der Leine zwischen Taucher und Partner befindet. Gewaltig sind die Kosten für all diese Dinge: etwa 5000 Euro pro Ausrüstung. „Dazu kommt noch der Unterhalt für all diese Sachen“, so Kurt Schäfer, „also Pflege, Wartung und Reparatur – das sind ungefähr 400 Euro pro Ausrüstung und Jahr.“ Sechs komplette Taucherausrüstungen, die der BRK-Kreisverband finanziert, verteilen sich auf die Wasserwachtsstationen Obing, Kühnhausen und Chieming.

Um seinen Tauchschein nicht zu verlieren, müssen alle BRK-Einsatztaucher zehn Tauchgänge pro Jahr unter Einsatzbedingungen nachweisen sowie eine medizinische Untersuchung. In seinen 20 Jahren als Einsatztaucher hat Ausbilder Kurt Schäfer noch keine ernsthaften Unfälle erlebt – wohl auch Dank der sehr gründlichen Ausbildung. Immer wieder erinnert er seine Schützlinge daran, wie gefährlich Taucheinsätze sein können. Er selbst hatte dies während seiner Prüfung im Starnberger See zu spüren bekommen. Durch einen Fehler hatten ihn Kollegen zu schnell hochtauchen lassen. Per Hubschrauber kam er ins Krankenhaus - er hatte Glück und erlitt nur Kreislaufprobleme.

Einsatztaucher Mario Schachinger fühlt sich in seiner schwarzen Ausrüstung alles andere als ein Außerirdischer. Für ihn ist das Tauchen seit fünf Jahren die große Leidenschaft. „Wenn du einmal unter Wasser bist und diese ganz andere Welt erlebt hast, willst du das nie mehr missen.“

Pressemitteilung Bayerisches Rotes Kreuz - Kreisverband Traunstein

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