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Suche nach Endlager für Atommüll

Geheimes Gutachten: Aus für das Atom-Endlager im Chiemgau?

Zwischenlager
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Wegen seines Tongestein-Vorkommens hat die Bundesgesellschaft für Endlagersuche die Region mit in die Liste der als Endlagerstätte infrage kommenden Gebiete aufgenommen. Doch die obersten bayerischen Geologen wiesen schon vor Längerem auf sogenannte Störzonen hin.
  • Elisabeth Sennhenn
    VonElisabeth Sennhenn
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Bayerns oberste Geologen warnen die Suchexperten für das atomare Endlager vor Störzonen im Chiemgau, welche das Gebiet ungeeignet für das Vorhaben machen. Doch die Bundesgesellschaft für Endlagersuche will noch keine Bereiche öffentlich ausschließen - obwohl man in der Behörde das Gutachten der Geologen kennt. Bestätigt hat dies das Bayerische Umweltministerium dem Landtagsabgeordneten Klaus Stöttner.

Chiemgau – Ein atomares Endlager im Chiemgau? Dieser Plan müsste nach neuesten Informationen längst passé sein, doch bislang enthält die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) der besorgten Öffentlichkeit ein wichtiges Detail vor.

Wie die Chiemgau-Zeitung jetzt erfuhr, haben die Gesteinswissenschaftler des Bayerischen Geologischen Dienstes am Landesamt für Umweltschutz (LfU) die BGE schon im November 2020 vor einer „komplexen Störungszone durch die Alpennordrandüberschiebung“ gewarnt, die eine Gefahr für ein potenzielles Endlager darstellt. Das 13-seitige Schreiben liegt auch unserer Zeitung vor.

Voraussetzungen sind „eher ungünstig“

Der Geologische Landesdienst konfrontiert die BGE darin damit, dass sie einige bayerische Teilgebiete fehlerhaft eingestuft habe und diese aus dem Kreis der 90 theoretisch geeigneten Endlager-Standorte ausschließen müsse. Und damit ganz konkret das „Tongestein-Teilgebiet 3“, wie der Bereich am östlichen Chiemsee und die nähere Region bezeichnet werden.

Die Geologen werfen der BGE vor, die alpine Störungszone nicht berücksichtigt zu haben und beschreiben konkret: „Vorhandene Faltenstrukturen, blinde Überschiebungen, Schichtenverstellungen mit 30 bis 60 Grad und Verschuppungen deuten hier auf eher ungünstige Voraussetzungen hin.“

Das Tongestein, wegen dem das Gebiet überhaupt ausgewählt wurde, komme nur in kleinen und schmalen Bereichen vor. Das LfU wirft – vereinfacht zusammengefasst – der BGE vor, Teilgebiete rund um den Chiemsee nicht exakt genug betrachtet zu haben, sodass nicht einmal die Mindestanforderungen an ein Lager erfüllt seien.

Alles rund um das Thema Endlager in der Region lesen Sie hier auf diesen Sonderseiten.

Das geologische Gutachten ist auch dem Bayerischen Staatsministerium für Umwelt- und Verbraucherschutz (StMUV) bekannt, wie dieses in einem Schreiben bestätigt. Dieses ist eine Antwort auf eine dringende Anfrage von Landtagsabgeordnetem Klaus Stöttner (CSU) zum Stand der Dinge in Sachen Endlager am Chiemsee, und liegt unserer Zeitung exklusiv vor.

„Ich bin nicht der Einzige, der davon ausgeht, dass der Chiemgau für ein Endlager absolut ungeeignet ist, und ich will verhindern, dass die Menschen unnötigerweise darüber diskutieren“, sagt der Landtagsabgeordnete.

Behörde verweist auf „Aktenlage“

Er sei davon ausgegangen, dass allein die Argumente „zu dichte Besiedelung, Tourismus und Naturschutz“ dem Endlager den Gar ausmachen würden.

Was das Ministerium dann zurückschrieb, habe auch ihm die Sprache verschlagen: „Da weiß das BGE seit Monaten von der Störzone, ein Wissen, das fachlich fundiert ist. Und die Öffentlichkeit weiß nichts davon“, empört Stöttner sich. „Es sollte nun schnellstmöglich für Klarheit gesorgt werden.“

Warum hat die BGE die Region um den Chiemsee nicht schon längst offiziell aus der Teilgebiete-Liste gestrichen? BGE-Sprecherin Monika Hotopp, bezieht sich unserer Zeitung gegenüber zunächst auf „die Aktenlage“, die vermuten lasse, „dass dort günstige geologische Voraussetzungen für die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle vorliegen.“

Noch keine Entscheidung gefallen

Die BGE werde alle Hinweise weiter untersuchen. Eine offizielle Eingrenzung der Teilgebiete erfolge erst nach „repräsentativen vorläufigen Sicherheitsuntersuchungen“ dieser Gebiete. Danach würden Gebiete übertägig erkundet und die Resultate an das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) übermittelt.

„Es wird erst am Ende dieser Phase des Verfahrens eine Entscheidung darüber fallen, welche Standortregionen es gibt und welche Gebiete nicht weiter betrachtet werden. Ein genaues Datum können wir daher noch nicht nennen.“ Das Gutachten des LfU habe man inzwischen auf der BGE-Webseite veröffentlicht, so die Sprecherin.

Wie das Umweltministerium Klaus Stöttner gegenüber einräumt, ist ihm jedoch klar: „Der Zwischenbericht enthält keine rechtsverbindlichen Festlegungen, sondern stellt den derzeitigen Arbeitsstand der BGE dar.“

Noch länger keine Erkundungen

Jüngst fand die letzte „Fachkonferenz Teilgebiete“ statt, bei welcher der Zwischenbericht der BGE von Bürgern, Vertretern der Kommunen, gesellschaftlichen Organisationen sowie Wissenschaftlern erörtert wird. Das Format gelte als abgeschlossen, teilt das BASE mit. Die Beratungsergebnisse der Fachkonferenz, sagt BGE-Sprecherin Hotopp würden frühestens ab September ausgewertet und müssten von der BGE im weiteren Verfahren berücksichtigt werden. Es könnten „einige wenige Jahre ins Land gehen“, bis es tatsächlich zu übertägigen Erkundungen kommt.

Die Antwort auf die Frage, ob der Chiemgau trotz der Warnungen der Geologen dann immer noch zur Auswahl steht, bleiben die Behörden der Öffentlichkeit bis dahin schuldig.

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