Geothermie vor Ort

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Informationen zum Anfassen: Auf der ersten Bürgerinformationsveranstaltung in Nußdorf präsentierten (v.l.) Thomas Engmann, Dr. Andreas Schuck und Matthias Hiegl unter anderem Geophone, die bei den seismischen Untersuchungen ab April eingesetzt werden.

Chieming/Nußdorf - Bei Bürgerinformationsabenden informiert die Geothermie Traunstein Projekt GmBH die Bevölkerung über das Geothermie-Projekt.

Auf Bürgerveranstaltungen in Erlstätt, Sondermoning und Traunstein informiert die Geothermie Traunstein Projekt GmbH ausführlich über die anstehenden 3D seismischen Untersuchungen, das örtliche Geothermie-Projekt und die Funktionsweise eines Geothermie-Kraftwerks. „Die Stromerzeugung durch die hydrothermale Tiefengeothermie ist eine junge und noch wenig bekannte Technologie. Die Bürgerinformationsabende sollen dazu beitragen, der Bevölkerung dieses innovative Verfahren näherzubringen und die Chancen dieser Technologie aufzuzeigen“, erklärt Thomas Engmann, Geschäftsführer der Geothermie Traunstein Projekt GmbH, „auf den Veranstaltungen erhalten die Bürger Informationen aus erster Hand und haben die Möglichkeit, ihre Fragen direkt an die Verantwortlichen zu stellen. Es ist uns ein großes Anliegen, den Bürgern Rede und Antwort zu stehen.“ Ab dem Jahr 2015 will das zur Chieminger EHG-Gruppe gehörende Unternehmen mit dem geplanten Kraftwerk umweltfreundlich erzeugten Strom und Heizenergie liefern. Der erste Schritt zur Realisierung des Kraftwerks sind 3D seismische Untersuchungen, die ab April im Aufsuchungsfeld Traunstein stattfinden. Insgesamt investiert die Geothermie Traunstein Projekt GmbH rund 70 Millionen Euro in die Realisierung des Kraftwerks.

Der erste Schritt zur Realisierung: Wasserortung durch Seismik.

Rund sechs Wochen werden die seismischen Untersuchungen in und um Traunstein dauern. „Das Ziel der Untersuchungen ist es, unterirdische Wasserreservoirs zu lokalisieren. Dazu erforschen wir das rund 75 Quadratkilometer große Aufsuchungsfeld Traunstein ganz systematisch“, erklärt Geo Physiker Dr. Andreas Schuck, der die seismischen Untersuchungen leitet, bei der ersten Bürgerveranstaltung in Sondermoning. Alle 600 Meter sind im Aufsuchungsfeld sogenannte Anregungslinien vorgesehen, auf denen im Abstand von 50 Metern Spezialfahrzeuge – sogenannte VibroFahrzeuge - Schallwellen in den Untergrund schicken. Die verschiedenen Gesteinsschichten reflektieren diese Impulse unterschiedlich. An der Oberfläche registrieren hochsensible Sensoren, sogenannten Geophone, diese Reflexionen. „Die so gesammelten Daten ermöglichen es uns, ein dreidimensionales Bild des Untergrundes zu erstellen. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, später erfolgreich nach heißem Wasser zu bohren“, erklärt Dr. Schuck, der die Untersuchungen leitet. Bei den Untersuchungen bewegen sich die Spezialfahrzeuge vorwiegend auf dem bestehenden Wegenetz. Sind einzelne Anregungspunkte für die vibroseismischen Fahrzeuge nicht zugänglich, wird mittels Schussseismik der Untergrund erforscht. „Die Untersuchungen dauern an einem An- regungspunkt nur wenige Minuten. Es wird also nur kurzzeitig zu Lärm- und Verkehrsbeeinträchtigungen kommen. Und sollte es wider Erwarten durch die Arbeiten zu Schäden kommen, haften wir selbstverständlich in vollem Umfang“, betont Geschäftsführer Engmann.

150 Liter pro Sekunde

Neben der Seismik Kampagne informierte das Unternehmen auch über die weiteren Schritte des Geothermie-Projekts. Nach dem Abschluss der Untersuchungen und der Auswertung der Ergebnisse sollen Explorationsbohrungen und anschließende Pumptests weitere Erkenntnisse über das heiße Thermalwasser liefern, das zum Betrieb des Kraftwerks benötigt wird. „Wir erwarten das Wasser in 4.800 bis 5.900 Metern Tiefe bei einer Temperatur von 150 Grad. Neben der Temperatur ist aber auch die Schüttung, also die Menge des Wassers, ausschlaggebend. Das Ziel ist es, pro Sekunde rund 150 Liter an die Oberfläche zu pumpen und zur Stromerzeugung nutzen zu können“, sagt Engmann. Bereits im Winter dieses Jahres soll mit den Bohrungen begonnen werden.

Energie rund um die Uhr

Das Chieminger Unternehmen will das Kraftwerk, das auf einem Grundstück im Gewerbegebiet Weiderting entstehen soll, bereits im Winter 2014/2015 in Betrieb nehmen. Mit der geplanten elektrischen Leistung von 8 MW und einer thermischen Leistung von 55 MW wird es zirka 10.000 Haushalte mit Strom und 5.000 Haushalte mit Heizenergie versorgen können. Dabei wird das Kraftwerk die Energie vollständig emissionsfrei durch einen geschlossenen Wasserkreislauf erzeugen. Das heiße Wasser wird an die Oberfläche gefördert, wo es in einem Wärmetauscher ein niedrig siedendes Medium (z. B. Isopentan) erhitzt, das zum Teil bei bereits 28 Grad verdampft. Der so erzeugte Dampf treibt die Turbine zur Stromgewinnung an. Bevor das Thermalwasser wie der in den Untergrund zurückgeleitet wird, nutzt man die Wärme des Wassers, um Wohnungen und Häuser mit Nahwärme zu beheizen. „Im Vergleich zu anderen regenerativen Energieformen liefert ein Geothermie Kraftwerk zu jeder Tages- und Nachtzeit und unabhängig vom Wetter“, hebt Engmann die Vorzüge des Kraftwerks hervor.

Geothermieerfahrene Partner

Bei den anstehenden Arbeiten vertraut die Geothermie Traunstein Projekt GmbH geothermierfahrenen und kompetenten Partnern: Mit der Durchführung der seismischen Untersuchungen wurde das Explorationsunternehmen DMT GmbH & Co. KG beauftragt. Die Auswertung und Bewertung der Messergebnisse nimmt die Geophysik und Geotechnik Leipzig GmbH vor. Das Münchner Unternehmen Erdwerk unterstützt das Chieminger Unternehmen im Projektmanagement, die IPS Informations- und Planungsservice GmbH kümmert sich um die verschiedenen Genehmigungsverfahren.

Pressemitteilung Geothermie Traunstein

Zurück zur Übersicht: Traunstein

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser