Geothermie-Projekt läuft an

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Traunstein/Chieming - Im April sollen drei Spezialfahrzeuge das Erdreich nördlich der Stadt Traunstein dreidimensional durchleuchten. Gesucht wird nach heißem Wasser in mehreren Kilometern Tiefe.

Wenn genug davon gefunden wird, könnte das die Grundlage für den Bau eines Geothermie-Kraftwerks sein.

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Geothermie ist im Landkreis Traunstein inzwischen kein gänzlich neues Thema mehr. Heißes Wasser gilt als einer der Hoffnungsträger für die Energieversorgung der Zukunft. Kommunen südlich von München haben es vor Jahren vorgemacht. Sie profitieren vom süddeutschen Molassebecken, das vom Altmühltal abfallend bis unter die Alpen reicht und als ergiebiges Reservoir gilt.

Inzwischen ziehen auch Städte und Gemeinden im Chiemgau und Umgebung mehr und mehr nach oder denken zumindest ernsthaft darüber nach - denn Geothermie kann zunächst auch ein finanzielles Risiko sein.

In Traunreut steht schon eine Bohranlage, es soll demnächst losgehen. In Kirchanschöring wird auf Ergebnisse aus Traunreut gewartet, bevor dort entschieden wird, wie es weitergeht. Ein Grundstück für eine mögliche Bohrstelle ist dort schon festgelegt.

In Prien hat die Kommune das nötige Bergrecht und 2011 eine Fachfirma aus Regensburg beauftragt, Daten zu sammeln und zu prüfen, ob das Bohren lohnen könnte. In Kirchweidach wurde im knapp vier Kilometern Tiefe über 130 Grad heißes Wasser entdeckt, aber die notwendige zweite Bohrung stockt.

Zwei Verbindungen ins Erdinnere sind grundsätzlich vonnöten. Über die eine wird das heiße Wasser an die Oberfläche gepumpt. Die Wärme wird ihm für die energetische Nutzung entzogen, bevor das abgekühlte Wasser durch die zweite Verbindung in ausreichender Entfernung zur Entnahmestelle wieder in die Erde zurückgeleitet wird.

Jetzt steht auch die "Geothermie Traunstein Projekt GmbH" in den Startlöchern. Das Fernziel des rein privatwirtschaftlichen Vorhabens: Ab 2015 soll ein Geothermie-Kraftwerk Strom und Wärme erzeugen. Die Gesellschaft verfügt über das Bergrecht für ein 75 Quadratkilometer großes, sogenanntes Aufsuchungsfeld nördlich der Stadt rund um Weiderting.

Ab April will das Unternehmen, das zur Chieminger EHG-Gruppe gehört, mit seismischen Untersuchungen die genaue Lage der Wasservorkommen ermitteln, deren grundsätzliche Existenz nach Angaben eines Unternehmenssprechers bei anderen Messungen vor Jahren bereits nachgewiesen worden sei. In Traunstein werde das heiße Thermalwasser in 4800 bis 5900 Metern Tiefe erwartet. "Im Gegensatz zu anderen regenerativen Energien steht die durch Geothermie erzeugte Energie klimaunabhängig und rund um die Uhr zur Verfügung", wirbt Thomas Engmann, Geschäftsführer der Geothermie Traunstein Projekt GmbH, für das Vorhaben.

Die seismischen Untersuchungen, die voraussichtlich sechs Wochen dauern sollen, finden ausschließlich in dem bergrechtlich ausgewiesenen Aufsuchungsfeld und unter Aufsicht des Bergamtes Südbayern statt. Mit dem sogenannten 3D-Seismik-Verfahren können die Spezialisten des Unternehmens ein dreidimensionales Bild des Untergrundes erstellen und so die genaue Lage vielversprechender Wasserlagerstätten feststellen. "Vom Prinzip ähnelt die 3D-Seismik einer medizinischen Ultraschalluntersuchung", veranschaulicht Engmann.

Drei Spezialfahrzeuge - sogenannte Vibro-Fahrzeuge - werden Schallwellen in den Untergrund senden, die sich in die Tiefe ausbreiten und von den einzelnen Gesteinsschichten unterschiedlich reflektiert werden. Die reflektierten Impulse werden an der Oberfläche dann von hochempfindlichen Signalempfängern erfasst.

Die "Vibro"-Fahrzeuge bewegen sich nach Firmenangaben bei diesen Untersuchungen vorwiegend auf dem bestehenden Wegenetz. "An einem Anregungspunkt dauern die Untersuchungen nur wenige Minuten. Lärm- und Verkehrsbeeinträchtigungen, die hierbei entstehen können, sind also nur von sehr kurzer Dauer", verspricht Engmann.

Dieses Durchleuchtungsverfahren ist mit leichten Erschütterungen des Erdreichs verbunden. Sollten Gebäudeschäden entstehen, wie vor Jahren bei solchen seismischen Untersuchungen eines Energiekonzerns im Raum Rosenheim und im nördlichen Chiemgau, würden diese aufgenommen und erstattet. Ein solches Risiko sei durch eine Versicherung gedeckt, sagte ein Sprecher gestern auf Anfrage der Redaktion.

Sollten die Messungen den erhofften Erfolg bringen, wäre im nächsten Schritt zu überlegen, wo genau gebohrt werden soll. Alles Weitere sei noch "Zukunftsmusik", hieß es gestern. Ein Geothermiekraftwerk könnte, ausreichend heißes Wasser vorausgesetzt, zum einen Strom erzeugen, wobei das Wasser in einem Wärmetauscher ein niedrig siedendes Medium erhitzt. So entsteht Dampf, der Turbinen zur Stromgewinnung antreibt. Der Strom wiederum könnte zu festgelegten Tarifen ins öffentliche Netz eingespeist werden. Zum anderen könnte dem Wasser zusätzlich Wärme entnommen werden, um ein Fernwärmenetz zu speisen und umliegende Siedlungsgebiete zu versorgen.

Für März hat die Geothermie Traunstein Projekt GmbH in Erlstätt, Nußdorf und Traunstein Bürgerinformationsveranstaltungen angekündigt. Die Größenordnung des Gesamtvorhabens lässt eine Zahl erahnen, die eine leitende Unternehmensmitarbeiterin gestern nannte: ein Investitionsvolumen von 70 Millionen Euro.

db/re/Chiemgau-Zeitung

Rubriklistenbild: © pa

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