„Wir waren keine Gang, sondern Opfer!“

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Die vier verurteilten Mitglieder der "Rentnergang vom Chiemsee"
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Schliersee/Traunstein – „Der ZDF-Film über uns war lustig. Aber WIR waren die Opfer nicht die angebliche Geisel!“ Das sagt Gerhard Fleischner (70) von der "Rentnergang".

Dr. Gerhard Fleischner

Die Richter in Traunstein sahen das 2010 anders. Dort wurden Fleischners Frau Iris und drei weitere Senioren wegen Entführung des Amerikaners James A. angeklagt. Die zwei Männer wurden im Prozess zu mehrjährigen Haftstrafen, die beiden Frauen zu Bewährung verurteilt. Gegen Gerhard Fleischner wurde das Verfahren eingestellt aufgrund seines schweren Herzleidens.

Er ist zwar frei, aber seinen guten Ruf ist er los. Deshalb kämpft der ehemalige Facharzt aus Schliersee weiter. Anders als das Gericht sieht er weder sich noch seine Frau Iris als „Kidnapper“. Er habe mit der Entführung nichts zu tun gehabt oder von den Kidnapping-Plänen nichts gewusst, sie seien erst später in das Haus in Chieming gekommen, betont er.

Der Tatort - ein Einfamilienhaus in Chieming

In dem Einfamilienhaus - so betrachtete es das Gericht in Traunstein – sollen die Senioren den US-Amerikaner James A. gemeinschaftlich gefangen gehalten haben. Sie wollten ihn so zur Rückgabe von 2,4 Millionen Euro bewegen. Dieses Geld hatte A. im Auftrag der Senioren anlegen sollen und dabei in den Sand gesetzt. So die Version vor Gericht.

Fleischner behauptet nun, A. sei in Chieming „zu Gast“ gewesen: „Wir haben ihn nie gefesselt gesehen. Er hat sich im Haus und auf der Terrasse, wo er immer zum Rauchen gewesen ist, frei bewegt.“

Das Buch von Dr. Fleischner

Der Film "Mein Vater, seine Freunde und das ganz schnelle Geld", der am 16. Mai 2013 im ZDF zu sehen gewesen ist, kommt Fleischner nun gerade recht. Hält dieser doch das Thema und damit auch das Interesse an seinem Buch „Die Rentnergang vom Chiemsee“ wach. Darin beschreibt der Mediziner seine Sicht des Kriminalfalls: „Wir haben unser Geld nicht bei riskanten Spekulationsgeschäften verloren, sondern James A. hat uns betrogen. Er hat das Geld nicht so investiert, wie wir es vertraglich vereinbart hatten, sondern hat unser Geld hinter unserem Rücken nach Deutschland und in die Schweiz geschafft.“ Überhaupt sei der Amerikaner kein „Finanzberater“ gewesen, wie immer wieder behauptet würde. Fleischner: „Er war mein Steuerberater in den USA. Mit dem Geld sollte er Immobilien für uns kaufen.“

Am 2010 ergangenen Urteil wird der 70-Jährige trotz allem nicht mehr rütteln können, es ist rechtskräftig. Seine Frau Iris, die zur Bewährung verurteilt worden war, habe ihre Geldstrafe inzwischen auch abgestottert. Ihre Approbation – sie war ebenfalls Ärztin – wurde ihr entzogen. Fleischners angestrengte juristische Schritte gegen die Staatsanwaltschaft wurden alle abgeschmettert.

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Jetzt versucht es der Senior mit einer Haftbeschwerde. 60 Seiten, so sagt er, habe seine Anwätin beim Landgericht Traunstein eingereicht. Obwohl der damals 67-Jährige schwer herzkrank war, hatte er nach seiner Verhaftung in Untersuchungshaft gemusst: „Seitdem bin ich viel schlimmer krank. Damals stand eine Herztransplantation an, wegen der Haft ging das nicht“, klagt er. Heute nehme er täglich elf verschiedene Tabletten, mit 70 bekäme er ja kein neues Herz mehr, hätten ihm seine behandelnden Ärzte mitgeteilt. Fleischner ist guter Dinge, dass seine Haftbeschwerde Erfolg haben wird.

Zusätzlich ist der 70-Jährige in eine Interessengruppe von bayerischen Polizei- und Justizopfer eingetreten. Hier will er nun mit einem offenen Brief an alle oberbayerischen Mediziner Front gegen die Staatsregierung machen: „In Oberbayern, wo sich die Bestrafungsgier der Justiz bis in die Regierung hinein fortsetzt, können wir bei den nächsten Wahlen wenigstens auf der politischen Seite eine Wende herbeiführen. Lasst uns diesen politischen Filz, der einen solchen disziplinierungsagilen Beamtenapparat unterstützt, abwählen.“

Zu den anderen Mitgliedern der „Rentnergang“ haben er und seine Frau übrigens keinen Kontakt mehr. Man habe diesen abgebrochen, nachdem der Hauptangeklagte versucht habe, seine Rechtskosten auf das Ehepaar Fleischner abzuwälzen.

Bilder vom Prozess und vom Tatort:

Rentner als Kidnapper vor Gericht

2. Verhandlungstag Rentnerehepaare-Prozess

Tatort in Hart

Bilder aus dem ZDF-Film:

Bilder zum ZDF Film vom Chiemsee

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