Griechische Mythologie mitreißend

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Jason (Tom Nedorost), Glauke (Sarah Kraft), Kreon (Stephi Schneider) und Merope (Marissa Duchon, von links).

Marquartstein (ch-z) - 14 Schüler der Oberstufe am Staatlichen Landschulheim Marquartstein spielen die berühmte Tragödie des griechischen Dichters Euripides in einer veränderten Bühnenfassung aktuell und hochspannend.

Wie kommt eine Frau dazu, ihre eigenen Kinder zu ermorden? Konnte Medea, die zauberkundige Königstochter aus Kolchis am Schwarzen Meer vor Wut und Eifersucht so außer sich sein, dass sie ihre Widersacherin ermordete?

Unter der Regie von Deutschlehrerin Birgit Bader tragen die Schüler das Stück in einer straffen Inszenierung in zwei Teilen und mehreren Szenen vor, so- dass es nicht eine Minute zu einer überflüssigen Länge kam. Beinahe schien es, als begebe sich das Publikum nur ungern in die Pause.

In ihrer sprachlichen Ausdruckskraft und ihrer Haltung auf der Bühne perfekt geschult, waren alle Darsteller großartig für ihre Rollen vorbereitet. Die schillernde Rolle der Medea - Medea als Heilerin wird von Anna Teifel, Medea als "böse Frau" von Eva Schweigl gespielt - wunderbar in allen Nuancen zwischen Irrsinn, Verzweiflung und Hoffnung überzeugend gespielt. Tom Nedorost ist Jason, der Ehemann der Medea, der mit ihrer Hilfe das Goldene Vlies aus Kolchis stahl und daraufhin mit ihr in seine Heimat Korinth an den Hof von König Kreon (Stephi Schneider) zurückkehrte. Kreon sprach auch seine etwas längeren Monologe mit starker Ausdruckskraft und Bewegungen, von denen jede exakt einstudiert war, aber dennoch nicht gekünstelt wirkte.

Agameda, die ehemalige Schülerin Medeas, die ihre frühere Lehrherrin schnöde verrät, wird wunderbar unsympathisch von der übermäßig mit Schmuck behängten Lisa Bader dargestellt. Auch Akamas, dem ersten Astronom an Kreons Hof, gespielt von Tamika Balken oder Niki Thierfelder als Diener am Hof fallen "unsympathische", aber gerade dadurch großartig zu spielende Rollen zu.

Auf der anderen Seite stehen die ruhigeren, nicht so von Hass zerfressenen Getreuen Medeas wie Lyssa oder dem zweiten Astronom am Hof (beide Rollen gespielt von Svenja Käuffer) oder der Tochter Medeas (Kathrin Schwarz) Merope, die vom Schicksal geschlagene Königin Korinths, die noch immer um ihre von Kreon ermordete Tochter Iphinoe trauert, wird von Marissa Duchon eindrucksvoll dargestellt. Um das unheimliche Standbild des mit Edelsteinen geschmückten Schädels der Iphinoe stimmt sie ganz allein ein durchdringendes Klagelied an. Die Familientragödie wird endgültig durch die Gestalt Glaukes, der zweiten Tochter von Kreon, vervollständigt. Schon von ihrer Statur zart und gebrechlich, gelingt es Sarah Kraft zwar nicht "hässlich" zu erscheinen, wie sie sich fühlt, aber von epileptischen Anfällen geschüttelt, zum Erbarmen hilfebedürftig - ein psychisches Wrack, das der Hilfe der Heilerin Medea dringend bedarf.

Das gelungene Bühnenbild war von Kunsterzieher Toni Bader mit einfachen Mitteln variabel und höchst eindrucksvoll geschaffen worden. Viel zu der sich steigernden Dramatik des Stücks trugen die exakt einsetzenden, wirkungsvollen Licht- und Toneffekte bei. Für die gesamte Technik, auch die Filmeinspielung des tosenden Meeres, zeichnete Raphael Zgoralski verantwortlich, der mit Florian Dietrich und Pascal Pernet zusammenarbeitete. Eine wichtige Rolle spielten auch die vier Trommler (Sarah Rüge, Peter Schächinger, Kathrin Schwarz, Milena Streitenberger), die seitlich neben der Bühne postiert, das Geschehen mit immer gemeinsamen, perfekt einsetzenden Trommelwirbeln begleiteten. Die Trommelgruppe hatte ihre Einsätze selbst ausgearbeitet und übernahmen beim Theater eine Funktion ähnlich dem antiken Chor, der das Bühnengeschehen häufig begleitete. Alle Darsteller schienen voll in ihre Rollen hineinzuschlüpfen, sodass von der ersten bis zur letzten Minute ein kraftvolles, spannendes Schauspiel entstand.

Christine Giesen/Chiemgau-Zeitung

Zurück zur Übersicht: Traunstein

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser