Hagel lag bis zu 30 Zentimeter hoch

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Das nahende Unwetter am Mittwoch gegen 21 Uhr, festgehalten am Ortsausgang von Stöttham in Richtung Chieming.

Landkreis Traunstein - Überflutete und unpassierbare Straßen, abgedeckte Hausdächer, entwurzelte Bäume und abgerissene Äste, die auf Autos und Wohnhäuser fielen, überflutete Keller, umgerissene Bauzäune und enorme Schäden auf landwirtschaftlichen Anbauflächen - das Unwetter, das am Mittwochabend mit Starkregen, Hagelschauern, Sturmböen und Gewitter von West nach Ost über den Landkreis fegte, hielt die Feuerwehren im Dauereinsatz.

Zudem gab es Großbrandalarm, nachdem während des Unwetters ein Blitz in ein Wohnhaus in Kleinornach bei Obing eingeschlagen hatte. Der Dachstuhl wurde schwer beschädigt, den Brandschaden gibt die Polizei Trostberg mit mindestens 150.000 Euro an. Am gestrigen Donnerstag gegen 3.20 Uhr heulten erneut die Sirenen in Obing und Umgebung, weil sich unentdeckte Glutreste entzündet und zu einem offenen Feuer am Dachstuhl geführt hatten. Brandalarm gab es auch in der Gemeinde Petting, nachdem bei der Integrierten Leitstelle Traunstein ein Notruf einging, dass ein Sägewerk in Spöck in Flammen stehe. Tatsächlich war jedoch "nur" ein Gabelstapler in Brand geraten. Menschen wurden nach ersten Erkenntnissen der Feuerwehr während des Unwetters verletzt, der Schaden, den das Unwetter an Gebäuden, Fahrzeugen und in der Landwirtschaft anrichtete, ist noch nicht genau zu beziffern.

Rund die Hälfte der 80 Feuerwehren im Landkreis Traunstein wurde am Mittwochabend und in der Nacht zum Donnerstag alarmiert. Insgesamt mehr als 120 Einsätze zur Beseitigung der Unwetterschäden zu bewältigen. Eine Spur der Verwüstung zog das Unwetter von Chieming über Nußdorf, die Kreisstadt Traunstein, Surberg, Wonneberg und Waging bis nach Fridolfing und Kirchanschöring. In diesen Gemeinden waren die Feuerwehren am Mittwochabend stundenlang und pausenlos im Einsatz. Der Einsatzmarathon begann kurz nach 16 Uhr mit dem Blitzschlag in Kleinornach.

Bis zu 30 Zentimeter hoch lagen die Hagelkörner auf den Straßen.

Während die Feuerwehren in Kleinornach mit den Löscharbeiten am Dachstuhl beschäftigt waren, wälzte sich das Unwetter vom Chiemsee her in Richtung Osten. Im Minutentakt wurden die Feuerwehren alarmiert. Besonders betroffen war die Stadt Traunstein. Die Straßen wurden überflutet, weil Hagel die Gullys verstopfte und die Wassermassen nicht mehr abfließen konnten. Die Bundesstraße 304 musste zeitweise gesperrt werden. Wegen Überflutung der Bahnunterführung war die Wasserburger Straße unpassierbar. Mehrere Busse waren von umgestürzten Bäumen eingeschlossen, so dass es weder ein Vorwärts noch Rückwärts gab. Fahrgäste wurden jedoch nicht verletzt. Auch bei Sparz gab es auf der Bundesstraße 304 kein Durchkommen mehr. Teilweise lagen die Hagelkörner bis zu 30 Zentimeter hoch auf den Straßen. Die Feuerwehr forderte für die Straßen in Hufschlag (Gemeinde Surberg) einen Schneepflug zum Räumen an. In Traunstein fielen Bäume auf die Fahrbahnen und versperrten den Weg. Auch wurden zahlreiche Keller überflutet.

Alle Hände voll zu tun hatten auch die Floriansjünger in Nußdorf und Chieming. Die Bundesstraße 304 musste zwischen Matzing und Mögstetten gesperrt werden. Große Bäume waren auf die Straße gefallen, hatten Leitplanken niedergedrückt und ragten in die Bahnlinie Traunstein-Garching hinein. Die Feuerwehr Nußdorf beseitigte die Hindernisse. Das Straßenbauamt musste eine Kehrmaschine einsetzen, um die von Laub übersäte Fahrbahn zu reinigen. In Litzlwalchen fiel ein Baum auf ein Wohnhaus. Dabei wurde niemand verletzt. Zur Beseitigung des Baumes war ein Kranwagen notwendig. In Sondermoning wurde eine Starkstromleitung durch einen umgestürzten Baum beschädigt. Die Feuerwehr sicherte die Einsatzstelle, bis der Stromversorger den Schaden repariert hatte. Die Feuerwehr Chieming musste zahlreiche entwurzelte Bäume beseitigen, die die Staatsstraße zwischen Laimgrub und Seebruck blockierten.

Für die Feuerwehren südlich der Autobahn blieb es am frühen Mittwochabend zunächst völlig ruhig. Die Floriansjünger im Achental und in Reit im Winkl wurden erst durch die zweite Unwetterfront gefordert, die gegen 20 Uhr südwärts zog. Auch dort hatten die Feuerwehren Hindernisse durch entwurzelte Bäume von Straßen zu räumen und überflutete Keller auszupumpen. Die Grassauer Feuerwehr wurde mit ihrem Hubrettungsfahrzeug nach Hittenkirchen gerufen. Das Spezialfahrzeug wurde dort zur Behebung von Unwetterschäden gebraucht.

Bis zum frühen Morgen des Fronleichnamstages waren die Unwettereinsätze der Feuerwehren beendet. Nur die Feuerwehr Ruhpolding musste noch einmal ausrücken, um einen umgestürzten Baum zu zerschneiden, der in der Siedlung Schwaig ein Brückengeländer zerstört hatte. Vom gemeindlichen Bauhof waren Absperr- und Sicherungsmaßnahmen notwendig. Am gestrigen Feiertag konnten sich die Feuerwehren wieder einfacheren Aufgaben widmen, wie der Absperrung und Verkehrslenkung während der Fronleichnamsprozessionen, überall dort, wo sie stattfanden.

Peter Volk (Chiemgau-Zeitung)

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