Handwerk bringt sich vorbildlich ein

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Kreishandwerksmeister Peter Eicher (rechts) überreichte dem SPD-Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel (Zweiter von rechts) einen Geschenkkorb mit regionalen Produkten.

Traunstein - Sigmar Gabriel war kürzlich in Traunstein zu Gast. Mit dabei waren auch der bayerische SPD-Vorsitzende Florian Pronold und die SPD-Bundestagsabgeordnete Bärbel Kofler.

Gabriel besuchte das Bildungs- und Technologiezentrum und informierte sich über die regionalen Entwicklungen im Handwerk. Auf einem Rundgang zeigten der Leiter des Bildungszentrums, Max Stadler, sowie Kreishandwerksmeister Peter Eicher dem SPD-Vorsitzenden die Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten in den einzelnen Werkstätten. Gabriel sprach mit Auszubildenden und Meistern. Stefan Ketzler, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, erläuterte die Kampagne "Macher gesucht", die der Bayerische Handwerkstag 2008 ins Leben rief, um sich qualifizierten Ausbildungsnachwuchs zu sichern.

Nach dem Rundgang erörtern Gäste und Gastgeber Chancen und Probleme im Handwerk. "Ich will wissen, wo der Schuh drückt", meinte der SPD-Vorsitzende.

Der stellvertretende Kreishandwerksmeister für das Berchtesgadener Land, Stefan Follmer, schilderte die Problematik, dass das oberbayerische Handwerk zunehmend massive Konkurrenz aus dem österreichischen Grenzgebiet bekomme, andererseits die bayerischen Firmen sich schwer täten, in Österreich Fuß zu fassen. Eicher wies auf eine "überbordende Dokumentationspflicht" für die Betriebe hin und nannte exemplarisch das Bäcker- und Metzgerhandwerk.

Mit Blick auf den Dioxinskandal im vergangenen Jahr verteidigte Gabriel jedoch die Festsetzungen. "Kriminelle Machenschaften verhindern Sie aber auch mit diesen Regelungen nicht", entgegnete ihm dann wiederum Eicher.

Gabriel wollte die Anwesenden für das Thema Mindestlohn sensibilisieren und gewinnen. Die Handwerksvertreter machten jedoch klar, dass sie gute Fachkräfte, um sie langfristig an ihre Betriebe zu binden, oft übertariflich bezahlen.

Überein stimmten die Beteiligten in ihrer Bewertung der bayerischen Ausbildung, die mit der Schule und dem Betrieb auf zwei Säulen steht: "Man lernt im dualen System mehr, als wenn man nur in der Schule lernt", sagte Gabriel. Er sparte auch nicht an Lob für die Handwerksmeister: "Ich habe großen Respekt vor dem Handwerk." Er wünsche sich, dass sich auch andere so in die Gesellschaft einbringen.

Der SPD-Parteivorsitzende setzte sich auch kurz mit Meisterfrauen zusammen, die im Bildungszentrum einen Kurs zur Kaufmännischen Betriebswirtin besuchen. Angelika Bär aus Unterwössen machte klar, dass für die Handwerker die Administration zunehmend zum Problem werde: "Vieles ist richtig kompliziert und bürokratisch." Sandra Röthinger aus Rottau schilderte die Probleme von Handwerkern, die mit zu wenig Plätzen in der Kinderbetreuung zu kämpfen hätten. Beata Zattler aus Grassau kritisierte, dass in einzelnen handwerklichen Berufen eine Selbstständigkeit auch ohne Nachweis einer Meisterqualifikation durch die neue Zulassungsfreiheit möglich sei. Als Beispiel nannte sie handwerkliche Tätigkeiten im Bereich des Bautenschutzes beziehungsweise handwerksnahe Tätigkeiten, die von "Hausmeisterservice-Firmen durchgeführt werden".

"Raus aus der Kernenergie"

Auf die Frage, ob der begeisterte Radfahrer Gabriel denn schon einmal einen Fahrradurlaub im Landkreis Traunstein gemacht habe, erkundigte sich der SPD-Vorsitzende nach den Radfahrmöglichkeiten und Radwegen für Urlauber in der Region. Er sagte zu, seinen Urlaub in diesem Jahr von Kofler in der Region planen zu lassen.

In einem anschließenden Pressegespräch ging Gabriel dann auf das Thema "Energiepolitik" ein. Die Wahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz hätten gezeigt, dass die Bürger "ein klares Signal" setzen wollten - "und das heißt "Raus aus der Kernenergie'". Er warb für einen beschleunigten Ausstieg aus der Technologie bei gleichzeitig beschleunigtem Einstieg in regenerative Energien. "Das wird eine ziemliche Kraftanstrengung, in der ein gesellschaftlicher Konsens nötig ist", sagte der 51-jährige Politiker. Die Wirtschaft brauche in der Energiepolitik Planungssicherheit, Bürger müssten vor zu hohen Strompreisen geschützt werden.

Die Volksabstimmung als Mittel für mehr direkte Demokratie halte er, wie er ausführte, für sinnvoll und im Rahmen der Frage nach einer künftigen Atompolitik in Deutschland für denkbar. Sie sei auch ein Mittel gegen die Politikverdrossenheit: Sie könne helfen, so der Ex-Umweltminister, "die Kluft zwischen den Bürgern und den Parlamenten zu überbrücken".

Andreas Wittenzellner (Chiemgau-Zeitung)

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