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Dritter Tag im Prozess gegen den Bruckmühler Biker

Das Urteil ist gefallen – Hells Angel zu mehrjähriger Haft verurteilt

Hells Angels Vertrauter in Traunstein wegen Kokain und Zwangsprostitution vor Gericht
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Am Montag (18. Juli) wird der Prozess gegen einen Vertrauten des Rosenheimer Charters der Hells Angels vor dem Landgericht Traunstein fortgesetzt.

Traunstein/Bruckmühl – Das Urteil gegen den 25-jährigen Biker aus Bruckmühl ist am dritten Verhandlungstag (Montag, 18. Juli) gefallen.

Update, 13.32 Uhr - Das Urteil ist gefallen – Hells Angel zu mehrjähriger Haft verurteilt

Nach einer ausgiebigen Beratungspause verkündet die vorsitzende Richterin Christina Braune das Urteil der 7. Strafkammer gegen den 25-jährigen Biker aus Bruckmühl: „Der Angeklagte wird zu einer Freiheitsstrafe von 5 Jahren und 6 Monaten verurteilt“, so die Vorsitzende. Der Schuldspruch ergebe sich aus dem Geständnis des Angeklagten, das durch die Beweisaufnahme bestätigt wurde, so die Richterin weiter.

Ein Wertersatz in Höhe von 18.400 Euro sei vom Angeklagten einzuziehen. Die Kammer sieht also den Vorwurf des Handels mit Betäubungsmitteln sowie einen Fall der schweren Zwangsprostitution und ein weiterer Versuch der schweren Zwangsprostitution als erfüllt an. Auch eine Gewerbsmäßigkeit kann das Gericht bei den beiden letztgenannten Vorwürfen erkennen.

Zur Urteilsbegründung der Kammer

In Bezug auf die Betäubungsmittelgeschäfte des Angeklagten sei sich die Kammer sicher, dass bereits vorher Beschaffungsfahrten nach München stattgefunden hätten. Diese vermeintlichen Fahrten seien allerdings nicht angeklagt und somit auch nicht abzuurteilen gewesen, so die Richterin weiter. Neben dem weichen Betäubungsmittel Cannabis habe aber „die harte Droge Kokain“ mit hohem Wirkstoffgehalt den Kern seines Handels bestimmt, so die Richterin, und weiter: „Für die Annahme eines minderschweren Falls gab es schließlich nicht den geringsten Anhaltspunkt.“ Die Gewinne aus seinem Handeltreiben sieht das Gericht im Gegenteil als „ganz beachtlich“ an.

„Ohne die Telefonüberwachung wäre das ganze etwas dünn geworden“, so die Richterin zu den beiden Vorwürfen der Zwangsprostitution. „Diese Protokolle haben jedoch eindrucksvoll gezeigt, wie sich die beiden Frauen vom Angeklagten unter Druck haben setzen lassen“, so Braune weiter. Ein Freispruch in den Punkten der Zwangsprostitution sei allerdings zu keiner Zeit zur Debatte gestanden.

„Man kann den Angeklagten durchaus als Dilettanten bezeichnen, was die Zwangsprostitution angeht“, so die Richterin abschließend. Das Maß der Drohungen und auch der Gewaltanwendung orientiere sich letztendlich am unteren Ende der Skala, „was man in diesem Bereich so beobachten kann“. Daraus ergebe sich eine im Vergleich zur Staatsanwaltschaft leicht reduzierte Gesamtstrafe.

Zuletzt erklären sowohl Verteidiger Anderas Müller als auch der Angeklagte selbst, das Urteil anzunehmen und auf Rechtsmittel zu verzichten. Die Hauptverhandlung wird damit geschlossen.

Update, 12.45 Uhr - Beweisaufnahme beendet – Fällt heute das Urteil?

In ihrer Vernehmung bekräftight die Zeugin weiter mehrmals, dass es nie zu einem sexuellen Kontakt zwischen ihr und einem Freier gekommen sei. Über einen guten Freund habe sie lediglich versucht, Geld zu besorgen, um den Angeklagten weiter zu besänftigen. Auf Nachfrage der Kammer zum Thema Drogen kann die Zeugin schließlich keine Angaben machen. Sie habe lediglich Gerüchte gehört – nicht aber selbst mitbekommen – dass der Bruckmühler jemals in ihrer Gegenwart mit Betäubungsmitteln gehandelt habe.

Zum Ende der Beweisaufnahme nimmt Gutachter Dr. Obermaier vom Innsalzach-Klinikum noch Stellung: „Es wurden keine großen Auffälligkeiten in Hinblick auf Drogenkonsum seitens der Zeuginnen geschildert“, so der Sachverständige. Sicher ausschließen könne er insbesondere den Kokain-Konsum allerdings nicht. Von einer erheblich verminderte Steuerungsfähigkeit gehe Dr. Obermaier aber keinesfalls aus. „Insgesamt hat sich daraus für mich keine neue Erkenntnis ergeben“, so der Sachverständige abschließend.

Das Plädoyer von Staatsanwalt Filipov

Zunächst hält die Staatsanwaltschaft ihren Schlussantrag. „Die Anklageschrift hat sich voll und ganz bestätigt. (…) Und wir haben einen Angeklagten mit einem vollumfänglichen Geständnis“, so Filipov gleich zu Beginn. Den Behörden sei ein umfangreicher Schlag gegen die organisierte Kriminalität gelungen; insgesamt zehn Beteiligte konnten in diesem Komplex bislang erfolgreich angeklagt werden. Den Kauf und auch die Weitergabe der Betäubungsmittel seitens des Angeklagten habe die Beweisaufnahme mit allen Abhörprotokollen zudem eindrucksvoll aufgezeigt.

In Bezug auf die Tatvorwürfe der Zwangsprostitution verweist der Staatsanwalt auf die beiden Zeuginnen, die vor Gericht detaillierte Angaben gemacht hatten. Auch hier hätten die Protokolle sowie Mitschnitte der Telefonate zwischen dem Angeklagten und den beiden Geschädigten zusätzlich Aufschluss gegeben. Zugutehalten müsse man dem Angeklagten lediglich, dass er über seinen Verteidiger die Taten einräumen ließ. Mehrfache, einschlägige Vorstrafen müssten allerdings ebenfalls berücksichtigt werden. Insgesamt betrachtet fordert Staatsanwalt Filipov somit, den Angeklagten zu einer Gesamt-Freiheitsstrafe von 6 Jahren und 6 Monaten zu verurteilen. 22.150 Euro sollen zudem in Form von Wertersatz vom Angeklagten eingezogen werden. Eine Therapie in einer Entziehungs-Klinik erachtet Filipov zuletzt als sinnvoll.

Jetzt hat Verteidiger Andreas Müller das Wort

„Den Ausführungen des Staatsanwalts kann ich mich anschließen“, so der Verteidiger, in einigen Punkten sehe er den Sachverhalt allerdings etwas anders: So habe die damals 18-Jährige niemals wirklich vorgehabt, den Aufforderungen seines Mandanten zur Prostitution ernsthaft nachzugehen. Deshalb müsse sich die in diesem Punkt verhängte Einzelstrafe auch eher am unteren Spektrum ansiedeln, so der Anwalt weiter.

Im Fall der zweiten Zeugin sehe der Verteidiger einen minderschweren Fall, denn: Die Zeugin habe schon länger Kontakt zum ehemaligen Präsident der Rosenheimer Hells Angels gehabt. Ihr sei viel daran gelegen, die Beziehung zu den Bikern aufrechtzuerhalten. Auch hier fordert der Verteidiger somit eine geringere Einzelstrafe. Insgesamt könne sich Andreas Müller eine Strafe vorstellen, „die fünf Jahre nicht überschreitet“. Das letzte Wort hat der Angeklagte. „Ich wollte mich für meine Taten entschuldigen“, gibt dieser zuletzt noch zu Protokoll.

Update, 11.36 Uhr - Angeklagter bestätigt Vorwürfe – Letzte Zeugin erscheint vor Gericht

Der dritte Verhandlungstag gegen den 25-jährigen Biker aus Bruckmühl beginnt, wie der vergangene Prozesstag geendet hatte – mit einigen Fragezeichen und dem Warten auf die letzte verbleibende Zeugin. Im Sommer 2020 soll der Angeklagte versucht haben, die Frau zur Prostitution zu zwingen; bis heute macht der Bruckmühler allerdings keine Angaben zu diesem Vorwurf. Andere, ihm zur Last gelegte Straftaten hatte der Biker bereits am ersten Prozesstag über seinen Verteidiger vollumfänglich einräumen lassen.

Erscheint die letzte Zeugin vor Gericht? Und was kann sie beitragen?

„Es geht für die Kammer darum, in welchem Umfang wir die Vernehmung gestalten. Ich rege an, dass der Angeklagte seine Einlassung nochmal überdenkt“, richtet Christina Braune gleich zu Beginn ihr Wort an den Angeklagten. Die Frau sei heute Morgen erschienen; und dennoch: Man wolle der Zeugin eine ausführliche Aussage schlicht möglichst ersparen. Verteidiger Andreas Müller berät sich kurz mit seinem Mandanten und verkündet dann, dass dieser den Tatvorwurf wie in der Anklageschrift beschrieben einräumen will.

Im Anschluss ruft das Gericht die Zeugin zur Aussage vor der Kammer auf. Wie die Vorsitzende der sichtlich nervösen Zeugin versichert, wolle man die Vernehmung aber möglichst kurz halten. „Ich war leider so blöd und habe gesagt ich tue es“, tatsächlich ausgeübt habe sie die Prostitution im Auftrag des Angeklagten aber nicht „ich hätte das niemals gemacht, niemals“, so die Zeugin gleich zu Beginn ihrer Aussage. „Es kam immer mehr dieser Druck, bis er mich angeschrienen und bedroht hat“, ergänzt die Frau. Nach der Festnahme des ehemaligen Präsidenten des Rosenheimer Charters der Hells Angels habe der Angeklagte sie sogar verdächtigt, bei der Polizei eine Aussage gegen seinen Chef und andere Mitglieder der Biker-Vereinigung gemacht zu haben. Im Folgenden sei der Angeklagte immer aggressiver geworden – bis hin zu einem Schlag mit der flachen Hand ins Gesicht.

Prostitution vorgetäuscht und den Angeklagten hingehalten

Dennoch habe sich die Frau schwergetan, das Milieu hinter sich zu lassen. Der Angeklagte habe ihr immer wieder gedroht und sie von Neuem überredet. Sowohl die Zeugin als auch der Angeklagte hätten im Sommer 2020 hohe Schulden gehabt, „da versuche ich immer einfach zu helfen“, so die Zeugin weiter. Sie bestätigt weiter, dass Sie zur damaligen Zeit auch in den Angeklagten verliebt gewesen sei. Als die Zeugin letztendlich irgendwann doch die Beziehung beenden wollte, habe ihr der Angeklagte mit den Hells Angels gedroht – „die in diesem Fall vorbeikommen“ würden.

„Es war einfach die Angst da. (…) Ich habe auch von einer Freundin gehört, mit denen ist nicht zu spaßen.“ Dabei habe sie in erster Linie auch Angst um ihre Kinder gehabt, fährt die Zeugin weiter fort. Für sie somit Grund genug, die Prostitution gegenüber dem Angeklagten dann doch vorzutäuschen – und so zu versuchen, ihn zu beruhigen.

Erstmeldung

An den bisherigen Verhandlungstagen gegen den 25-jährigen Biker aus Bruckmühl konnte die siebte Strafkammer des Landgerichts Traunstein um die vorsitzende Richterin Christina Braune bereits einige Vorwürfe gegen das Mitglied der Hells Angels beleuchten. Bereits am ersten der beiden Prozesstage räumte der Angeklagte über eine Erklärung seines Anwalts - Andreas Müller aus München - drei der vier Taten aus der Anklageschrift vollumfassend ein. Zum letzten Vorwurf schweigt der Bruckmühler allerdings.

Erkrankung der Zeugin am zweiten Prozesstag

Während eine Zeugin - eine heute 20-Jährige Frau aus München - bereits am ersten Verhandlungstag über den Versuch seitens des Angeklagten, sie zur Prostitution zu überreden, berichtet hatte, konnte eine weitere Zeugin bislang noch nicht vor Gericht gehört werden. Die Frau hatte sich krankheitsbedingt am zweiten Verhandlungstag entschuldigen lassen. Gerade von dieser Frau erhofft sich die Kammer allerdings noch weitere Erkenntnisse. So wurden bislang zwar Telefonate zwischen ihr und dem Angeklagten vor Gericht als Beweis eingeführt; Nachfragen zu den Vorwürfen der Zwangsprostitution waren allerdings noch nicht möglich.

Im Sommer 2020 soll der Angeklagte - anfangs mit Worten, später auch mit verbalen Drohungen und sogar Schlägen - versucht haben, die Frau zur Prostitution zu zwingen. Tatsächlich dazu gekommen sei es am Ende nicht; die Frau soll dem Bruckmühler Biker lediglich vorgetäuscht haben, als Prostituierte tätig zu sein. Als der 25-Jährige schließlich seinen zuvor vereinbarten, finanziellen Anteil eingefordert haben soll, flog die Geschichte auf - der Angeklagte soll dabei aggressiv und sogar handgreiflich geworden sein.

Der zweite Prozesstag in der Zusammenfassung

Zeugenvernehmung, Plädoyers und Urteilsspruch

Die Vernehmung der Zeugin beziehungsweise Geschädigten könnte somit das letzte Puzzlestück in der Verhandlung gegen den Bruckmühler Biker darstellen. Bereits im Anschluss könnten am Montag (18. Juli) dann die Plädoyers der Prozessbeteiligten folgen. Sollte die Frau für ihre Aussage vor Gericht erscheinen, könnte am dritten Verhandlungstag schließlich sogar schon ein Urteil fallen.

***chiemgau24.de berichtet am Montag (18. Juli) erneut live und in Ausschnitten aus dem Gerichtssaal***

sl

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