"Fäkalausdrücke, alles habe ich gehört"

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Sichtlich mitgenommen von den Drohanrufen: Brigitte und Alfred Röde.
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Traunstein - Die Nachricht, dass in Geißing ein Asylbewerberheim entstehen soll, hat für viel Wirbel gesorgt. Auch völlig Unbeteiligte sahen sich plötzlich Anfeindungen ausgesetzt.

Der Pfarrsaal am Donnerstagabend.

Schon vor Beginn des Informationsabend über das geplante Asylbewerberheim in Geißing war das rege Interesseder Traunsteiner Bürger zu merken. Fast im Minutentakt mussten neue Stühle für die vielen Zuhörer, die ohne Unterbrechung in den Pfarrsaal des Pfarrheimes Heilig Kreuz strömten, gebracht werden. Und doch blieb einigen am Ende nichts anderes übrig, als zu stehen.

Oberbürgermeister Manfred Kösterke eröffnete dann um 18.30 Uhr den Abend, mit einer kurzen Übersicht über die Ereignisse der vergangenen Tage. Er selbst habe erst am Freitag letzter Woche von den Plänen für das Asylbewerberheim in Geißing erfahren, beteuerte Kösterke. "Herbert Röde von der Objektgemeinschaft hatte mir von den Vertragsverhandlungen mit dem Freistaat berichtet." Am darauffolgenden Montag habe man sich dann sofort bemüht, die Öffentlichkeit über das Thema zu informieren.

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Allerdings war ein anonymer Bürger der Stadt da schon zuvorgekommen und hatte auf eigene Faust ein Flugblatt in den Briefkästen der Anwohner verteilt. Darin war die Rede von der Schaffung von Plätzen für 150 Asylanten in dem Gebäude an der Nussbaumerstrasse. Zudem wurden zwei Namen in dem Schreiben genannt, die mit Plänen für das Heim in Verbindung gebracht wurden - und zum Leidwesen des Ehepaars Röde war einer davon ihr Nachname. "Seit dieses Flugblatt im Umlauf ist, bekommen wir ständig anonyme Drohanrufe. Fäkalausdrücken, alles habe ich gehört", berichtete Brigitte Röde bei der Infoveranstaltung. Dabei habe ihre Familie rein Garnichts mit der Sache zu tun. "Wir sind nur die einzigen Rödes, die im Telefonbuch unter Traunstein zu finden sind."

Dr. Marcus Rupprecht ist der private Interessensvertreter der Objektgemeinschaft.

Anschließend meldete sich der private Interessensvertreter der Eigentümergemeinschaft des ehemaligen Post-Gebäudes, Dr. Marcus Rupprecht, zu Wort. Auch er berichtete von Anfeindungen gegen seine Mandanten. "Wir haben uns daher entschieden, uns von den Vertragsverhandlungen mit dem Freistaat zurückzuziehen", so der Rechtsanwalt. Damit sind nun vorerst die Pläne für ein Asylbewerberheim in dem Gebäude an der Nussbaumerstrasse gestorben.

Doch für den Landkreis ist das Thema damit noch lange nicht vom Tisch. Wie Florian Amann vom Landratsamt am Freitagabend erklärte, seien derzeit 226 Asylbewerber im Landkreis Traunstein untergebracht. "Der Sollstand für das Jahr 2013 liegt aber bei 250 Menschen. Das heißt, wir müssen für mindestens 24 Flüchtlinge einen Platz finden." Händeringend suche man daher derzeit nach neuen Unterbringungsmöglichkeiten. Bei der Kreistags-Sitzung am Freitag hatte Amann aber bereits eine gute Nachricht zu verkünden: "Für die 12 Asylbewerber, die bisher in Inzell untergebracht sind, haben wir eine neue Unterbringung gefunden." Einzelheiten wollte er aber bislang noch nicht verraten.

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