Gemeinde will Brandruine kaufen

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Die Gemeinde Inzell lotet derzeit die Möglichkeiten aus, das nach einem Brand leerstehende Hotel "Zur Post" zu kaufen und zu guter Letzt dann den trostlosen Anblick in der Ortsmitte zu beseitigen.

Inzell - Die Gemeinde Inzell will das ehemalige, von einem verheerenden Brand schwer gekennzeichnete Hotel "Zur Post" kaufen und den trostlosen Anblick in der Ortsmitte beseitigen.

In der jüngsten Gemeinderatssitzung hat Bürgermeister Martin Hobmaier mitgeteilt, dass der Eigentümer der Kommune ein Angebot unterbreitet habe. Einzelheiten nannte das Gemeindeoberhaupt nicht.

Seit dem verheerenden Feuer, das einen Millionenschaden verursachte und den Ostflügel des Hotelkomplexes fast vollständig zerstörte, steht das ehemalige, renommierte Vier-Sterne-Hotel als Brandruine in der Inzeller Ortsmitte. Sie ist für viele Einheimische und Touristen ein Ärgernis.

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Das Hotel gehört seit über 30 Jahren der mittelständischen Bad Wörishofener Unternehmerfamilie Nützel: Auf der noch bestehenden Internetseite des Hotels ist im Impressum als Inhaber die "Rochus Nützel Hotelbetriebs GmbH" genannt. Nach dem Brand wurden keine Zimmer mehr vermietet. Nach Übergangslösungen wie einem Zelt-Restaurant war der Betrieb im Winter 2007 ganz eingestellt worden.

Ursprünglich war ein rascher Wiederaufbau von der Familie Nützel vorgesehen. Im Juni 2008 billigte der Gemeinderat einstimmig die Planung für ein Haus mit 154 Betten, 34 mehr als vorher. Ob das Hotel dann tatsächlich aufgebaut wird, blieb allerdings offen: Die Wirtschaftlichkeitsberechnung war noch nicht abgeschlossen. Im August 2008 erläuterte dann Rochus Nützel auf Anfrage, die Familie wolle sich auf ihr Hauptgeschäft, die Logistik, konzentrieren und trenne sich daher vom Hotel. Seither wird ein Käufer gesucht.

Ein Interessent ist die Gemeinde Inzell. Sie lotet derzeit die Möglichkeiten für einen Erwerb aus. Sie plant, für den Kauf einen staatlichen Zuschuss zu beantragen. "Wir müssen die Zuschussfähigkeit überprüfen und bei der Kommunalaufsicht die Finanzierbarkeit prüfen", erläuterte der Bürgermeister im Gemeinderat. Da im Haushalt der Kommune kein Spielraum für so große Investitionen ist, rechnet Hobmaier damit, dass man einen eventuellen Kauf durch zusätzliche Kreditaufnahme finanzieren müsste.

"Das wird schwierig sein", so das Fazit des Rathauschefs. Aber nachdem sich in den fünf Jahren nach dem Brand trotz immer neuer aussichtsreicher Gespräche kein Investor gefunden habe, sei die Gemeinde entschlossen, "diesen steinigen Weg weiterzugehen". Sobald nähere Einzelheiten geklärt sind und ein Hotelkauf durch die Gemeinde konkret wird, will er die Öffentlichkeit informieren.

Über die genauen Pläne der Gemeinde, was sie mit dem Areal machen will, wollte sich Hobmaier ebenso wie über den Kaufpreis noch nicht äußern. Die Gemeinde strebt den Kauf an, so der Tenor im Rathaus, aber ob sie das Hotel dann wirklich erwirbt, liegt letztlich an den Rahmenbedingungen, die sie derzeit prüft.

Vom Hausbesitzer des ehemaligen Hotels "Berghof" zwischen Schwarzberg und Inzell am nördlichen Ortseingang an der Bundesstraße 304 hatte Hobmaier erfahren, dass in dieses Haus wieder Asylbewerber kommen. Die Regierung von Oberbayern habe dies auf Anfrage bestätigt.

Bereits von November 1990 bis Juli 2007 waren bis zu 60 Asylsuchende in dem früheren Hotel untergebracht gewesen. Es habe sich für diesen Zweck bewährt, meinte der Rathauschef. Das Gebäude, das eine Zeit lang leer und zum Verkauf stand, wird laut Hobmaier derzeit überprüft. Er rechnet damit, dass bis zu 40 oder 50 Asylsuchende kommen. Wenn die Rahmenbedingungen passen, habe man da als Gemeinde nichts dagegen. "Im Prinzip brauchen die, die daheim verfolgt werden, auch eine Heimat."

vm/Chiemgau-Zeitung

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