In unter 6,5 Stunden

Inzeller Ultraläufer Florian Neuschwander: Digital zum 100-Kilometer-Weltrekord

Florian Neuschwander aus Inzell stellte einen neuen Weltrekord über 100 Kilometer auf dem Laufband auf. Die Strecke schafft er in 6:26:08 Stunden. PUSHING-LIMITS.de
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Florian Neuschwander aus Inzell stellte einen neuen Weltrekord über 100 Kilometer auf dem Laufband auf. Die Strecke schafft er in 6:26:08 Stunden. PUSHING-LIMITS.de

Zwölf Wochen harter Vorbereitung haben am vergangenen Samstag in Traunstein einen viel beachteten Höhepunkt gefunden. In der „Turnhalle 17“ eines privaten Fitness-Anbieters hat der Ultraläufer Florian Neuschwander eine neue Weltbestleistung aufgestellt. In einer Zeit von 6:26:08 Stunden ist der Inzeller eine Distanz von 100 Kilometern gerannt – auf dem Laufband.

Inzell – Aus den Boxen in der mit Mess- und Filmtechnik gespickten Solo-Wettkampfarena erklang „Eye oft he Tiger“ während der 39-Jährige glücklich die Arme nach oben reckte. Mit der neuen Bestzeit pulverisierte Florian Neuschwander aus Inzell förmlich die Bestleistung des bisherigen Weltrekordhalters aus den USA, Mario Medoza, vom vergangenen Juni (6:39:26 Stunden).

Unterstützung von den Fans

„Ich bin leicht erschöpft und schwitze etwas. Aber es war echt geil, die digitale Community hat mich in den schweren Phasen unheimlich gepusht“, kommentierte der Lauf-Profi direkt im Anschluss. 5000 Fans und Athleten verfolgten die Challenge auf der virtuellen Trainingsplattform Zwift und feuerten Neuschwander mit Kommentaren auf der Videoleinwand an. „Verdammt, wie macht der Kerl das?“, kommentierte etwa der zweimalige Hawaii-Champion Patrick Lange die Riesenleistung, während er selbst in einer Bildeinblendung auf dem Rad mitstrampelte.

Neuschwander mit bis zu 18,3 km/h unterwegs

Nach einem Durchschnittstempo von 15,6 km/h verschärfte der Rennenthusiast aus Inzell nach 99 Kilometern das Tempo im Schlusssprint auf unglaubliche 18,3 km/h. Neuschwandner hat sich systematisch auf den Rekord vorbereitet. Unter anderem zwei Marathons, acht 30-Kilometer-Läufe, vier 50-Kilometer- und zwei 60-Kilometer-Läufe steckten als Training in den Beinen. Trainieren konnte er nicht nur im heimischen Wohnzimmer, sondern trotz Corona auch auf einem kalibrierten Profi-Laufband im Keller des Sportgeräteherstellers h/p/cosmos aus Nussdorf im Chiemgau.

Eine große Fangemeinde unterstützte Ultraläufer Florian Neuschwander aus Inzell virtuell bei seinem Rekord.

Von Offenbach nach Inzell

Bereits im Mai 2019 es hat den gelernten Einzelhandelskaufmann und Sportfachwirt mit seiner Frau Constanze und der vierjährigen Tochter von Offenbach bei Frankfurt am Main nach Inzell verschlagen. „Mein Ziel ist die Top-Riege der Ultraläufer und da ist es ein Riesenvorteil, wenn man die Berge zum Trainieren gleich direkt vor der Tür hat.“

Neuschwander ist im Saarland in einer Arbeiterstadt zwischen Kohle- und Eisenhütten aufgewachsen. Das hat ihn geprägt. Mit 15 Jahren hat er seinen ersten Wettbewerb gewonnen.

Ein echtes Laufsport-Talent

Beim Laufen ist er ein echtes Arbeitstier, dann spricht er vom „Ballern“. Bis zu 200 Kilometer und mehr läuft er pro Woche zum Training. Nach Mittel- und Langstreckenläufen hat sich der Lauf-Profi seit 2011 auf Ultra-Langstrecken spezialisiert. Mit seiner Lockenmähne, Schnauzer, Brille und Tattoos wirkt der Ultrasportler aus Inzell eher lässig als angestrengt.

Als echtes Laufsporttalent hat er in den vergangenen Jahren mit seinen Rekorden die Fachwelt in Aufregung versetzt und die Fangemeinde auf über 55.000 Follower anwachsen lassen. So gewann er 2015 den legendären „Transrockies Run“ in den USA über 200 Kilometer und 6000 Höhenmeter als Erster mit 26 Minuten Vorsprung vor dem Zweitplatzierten.

Von Laufen nach Laufen gelaufen

Im zurückliegenden Jahr lief er innerhalb einer Woche 550 Kilometer und mehr als 10.000 Höhenmeter von Laufen in der Schweiz nach Laufen bei Salzburg. Bereits im Februar hatte er sich bereits mit einem Laufband-Rekord über 50 Kilometer einen Eintrag im Guinness Buch der Rekorde gesichert. „Völliges Neuland“ war für den Inzeller aufgrund des hohen Durchschnittstempos der aktuelle Weltrekordversuch über 100 Kilometer auf dem Laufband. „Zwischen Kilometer 70 und 85 war es hart, da musste ich beißen.“

Da er den seit 1994 bestehenden deutschen Rekord über 100 Kilometer im Freien nur um zwei Minuten verpasst hat, will er im Herbst noch einmal angreifen. .

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