Keine Fotovoltaikanlage auf dem Rathaus

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Was geht vor: die Wirtschaftlichkeit oder der städtebauliche Aspekt? Der Stadtrat hat den Antrag von Bündnis 90/Die Grünen abgelehnt, eine Fotovoltaikanlage auf dem südlichen Dach des Rathauses anzubringen.

Traunstein - Das Dach auf der Südseite des Rathauses ist weiterhin Ziegelrot. Der gestellte Antrag, eine Fotovoltaikanlage anzubringen, fand im Stadtrat keine Mehrheit.

Der Antrag von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hatte bereits vor der Stadtratssitzung für Wirbel gesorgt: So hatte der Vorsitzende des Fördervereins Alt-Traunstein, Richard Kraft, an die Stadträte ein Schreiben versandt, in dem er sich klar gegen die Änderung der Dachoptik aussprach. Man lehne die Anlage aus gestalterischen Gründen ab. Eine mögliche Genehmigung würde Nachahmer finden. Da werde dann "die Häuserzeile vom Auberg bis zur Pauerschen Apotheke mit Glasplatten zugepflastert", schrieb der Fördervereinsvorsitzende wenig erbaut über die Pläne.

Gemäß den Vorstellungen der Grünen hätte die Stadt die Anlage errichten und betreiben sollen. Alternativ sahen sie eine Bürgerbeteiligungsgesellschaft vor. Die wirtschaftlich-ökologischen Gründe würden für die Errichtung sprechen, war der Grundtenor des Antrags der Grünen, auch wenn sie sich bewusst seien, dass die unverbaute Südansicht des Rathauses ein "sensibles Stück Architektur in Traunstein" sei.

Die Verwaltung der Stadt hatte den Sachverhalt, wie den Sitzungsunterlagen zu entnehmen war, ausführlich mit dem Landesamt für Denkmalpflege abgestimmt. Die Behörde habe einen solchen Plan entschieden abgelehnt, da die Anlage die historische Ansicht erheblich stören würde. Dies gelte insbesondere auch im Hinblick auf die "gegebene Sichtbeziehung zum Kirchturm".

Das Rathaus sei kein Denkmal, so die Verwaltung in Traunstein, und auch nicht Teil eines Ensembles. Trotzdem gehe man vonseiten der Stadt davon aus, dass eine denkmalschutzrechtliche Erlaubnis erforderlich sei. Die Stadtverwaltung bewertete den ökologischen Aspekt mit einer erwarteten jählichen Kohlendioxid-Einsparung in Höhe von 22 Tonnen nicht als ein wesentliches Entscheidungskriterium, da ihren Angaben zufolge der Strom der Stadtwerke Traunstein bereits zu 100 Prozent aus regenerativer Wasserkraft gewonnen wird.

In der Diskussion über das "Für und Wider" der Errichtung kritisierte der Initiator des Schreibens, Grünen-Stadtrat Wilfried Schott, dass die Aussagen des zuständigen Sachbearbeiters im Landesamt für Denkmalpflege nicht in schriftlicher Form vorlägen. Er wolle diese ablehnende Haltung in schriftlicher Form erhalten - was kein Problem sei, wie Bernhard Glaßl, Leiter des Baurechtsamts, entgegnete.

Für Stadtrat Ernst Harrecker (CSU) steht der städtebauliche Aspekt im Vordergrund: "Wir haben eine schöne Ansicht geschaffen - und jetzt verschandeln wir das Bild." Walburga Mörtl-Körner (Grüne) betonte in ihrem leidenschaftlichen Appell, dass die Maßnahme auch den Blick auf die Stadtkirche nicht beeinträchtigen würde. Andere Städte würden zukunftsweisend solche Anlagen sogar sichtbar auf Kirchendächer bauen. Wolfgang Lenz (UW) sagte, man könne es sich nicht mehr leisten, das Städtebild als entscheidendes Kriterium vorne anzustellen. "Die Energiewende darf kein Lippenbekenntnis sein."

Diese Formulierung brachte Oberbürgermeister Manfred Kösterke in Rage. Er zählte auf, dass man mit der Bürgersolaranlage auf dem Parkhaus an der Scheibenstraße, Solaranlagen unter anderem am Bauhof, den Stadtwerken und der Kläranlage bereits viel gemacht habe. "Ich weise solch eine Formulierung auf das Nachhaltigste zurück", machte das Stadtoberhaupt seine Haltung deutlich.

Simon Steiner (Traunsteiner Liste) sah wie sein Fraktionskollege Dr. Thomas Graf kein Problem mit der Dachoptik des Rathauses. "Das würde für viele Bürger eine Vorbildfunktion haben." Dritte Bürgermeisterin Waltraud Wiesholer-Niederlöhner (SPD) betonte, dass die Stadt insbesondere im Bereich der energetischen Sanierung viel gemacht habe - "und zwar stillschweigend, auch bereits vor Fukushima".

CSU-Stadtrat Karl Schulz konnte sich dagegen durchaus mit dem Antrag anfreunden: "Wenn es leicht geht, wenn es der Schöpfung gut tut und sich auch noch rechnet, dann machen wir's." Diese Haltung schlug sich dann bei neun Stadträten nieder, die bei einem Abstimmungsergebnis von 15:9 gegen den Antrag aber nicht ausreichte.

wz/Chiemgau-Zeitung

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