Klimawandel: Was kommt auf unsere Region zu?

Warben für ein Umdenken in Energie- und Klimafragen (von Links): Landtagspräsident a.D. Alois Glück, der für die Klimawoche des Veranstalters Sonnenkreis Traunstein die Schirmherrschaft übernommen hatte, Hauptredner Hartmut Graßl vom Max Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg, Landrat Hermann Steinmaßl und die Koordinatorin der Klima- und Energiekonferenz des Landkreises Dr. Birgit Seeholzer.

Traunstein - Sind Sturzfluten, Muren und Hitze künftig der Regelfall bei uns? Klimaforscher Hartmut Graßl aus Hamburg zeigte ein düsteres Bild für das Klima auf.

Im Rahmen der Bayerischen Klimawochen beteiligt sich der Sonnenkreis Traunstein, ein Zusammenschluß des Landkreises und verschiedenste Firmen und Innungen, im Rahmen seiner Klima- und Energiekonferenz mit einem umfangreichen Informationsprogramm zu den Themen „Klimaschutz, Energieeinsparung und -gewinnung". Am Mittwochabend fand in der Staatlichen Berufsschule I in Traunstein die Auftaktveranstaltung zum Thema „Klimawandel“ statt, zu der rund 250 Firmen- und Behördenverterter sowie Regionalpolitiker gekommen waren. Aber auch eine Reihe von interessierten Bürgern besuchten die Veranstaltung, die mit dem Referat des weltweit renommierten Klimaforschers Professor Hartmut Graßl seinen Höhepunkt hatte.

Landrat Hermann Steinmaßl ging in seiner Begrüßungsrede darauf ein, dass die Thematik alle Bürger betreffe: „Es geht um unser Klima und es geht um die Schonung unserer Ressourcen. Klimaschutz fängt zu Hause an.“ Das energiepolitische Ziel des Landkreises, im Jahr 2020 den gesamte Stromproduktion aus erneuerbaren Energien zu decken, sei ein hochgestecktes Ziel. Derzeit könne man 68 % des Bedarfs in Höhe von 610 Million Kilowattstunden pro Jahr decken. „Wir brauchen Energieeinsparung, Energieeffizienz und Erneuerbare Energien“ so der Landrat, der für einen Mix an erneuerbaren Energieträgern plädierte, das er mit einem klaren Bekenntnis zu neuen Techniken verband: „Diese Ziele schaffen wir nur mit bester Technik und nicht gegen die Technik.“ Vor dem Hintergrund der Diskussionen um eine „Verschandelung“ des Landschaftsbildes im Zusammenhang mit Photovoltaikanlagen und Windkraftanlagen müsse man vernünftige Kompromisse eingehen.

Bayerische Klimawochen - Traunstein

Glück plädiert für Umdenken

Der ehemalige Landtagspräsident Alois Glück, der die Schirmherrschaft für die Klimakonferenz des Landkreises übernommen hatte, zeigte sich von der Initiative beeindruckt: „Das ist eine Bürgerbewegung, das ist die Kraft von unten.“ Das Gebot sei heute „Global denken und lokal handeln.“ Man müsse sich von den Zielen des vorherigen Jahrhunderts verabschieden. Die Devise „höher, schöner, weiter“ würde nicht mehr zählen. „Das ist heute nicht mehr die Faszination für die Menschen. Fortschritt für die Zukunft heißt einen sparsamen Umgang mit den Ressourcen zu pflegen.“ Glück wies darauf hin, dass man sich über die nachkommenden Generationen Gedanken machen müsse: Wir brauchen Werte, Leitbilder, sachliche Kompetenz und richtiges Handeln.“ Er machte klar, dass in der „Wirkungskette“ ein Umdenken nötig sei: „Wir müssen lernen, mit den Dingen unseres Lebens bewusster umzugehen.“

Forscher lobt Traunsteiner Engagement

Der weltweit renommierte Klimaforscher Hartmut Graßl vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg ging anschließend auf die Dringlichkeit ein, sich mit dem Thema zu beschäftigen: „Der Klimawandel ist längst da. Das ist nicht erst ein Thema für die Zukunft.“ Der Wandel könne Jahrtausende dauern. Hoffnung auf schnelle Erfolge erteilte er eine klare Absage: „Die kommenden Jahrzehnte sind nicht mehr beeinflussbar.“ Der Klimawandel würde insgesamt mehr Niederschläge bringen. In Regionen wo es bisher sehr trocken sei, würde es aber künftig noch weniger regnen. Massive Flüchtlingsströme und versuchte Zuwanderungen seien die Folge, denn „wer genug Wasser hat bekommt dazu, wer Mangel leidet, verliert noch mehr.“ Die Medien würden sehr oft ein verzerrtes Bild zum Thema Klimawandel zeigen und sich in wöchentlichen Horrorszenarien überbieten.

Krisenszenario für oberbayerisches Klima

Für Oberbayern erwarte er in den kommenden Jahrzehnten die doppelte Erwärmung (bis zu vier Grad), eine Anhebung der Schneefallgrenze um bis zu 600 Meter, Weinanbau in Bayern, verstärkte Sturzfluten und Muren und die Veränderung Deutschlands zu einem klassischen Einwanderungsland. Er forderte eine völkerrechtliche, verbindliche Klimapolitik unter dem Dach der Vereinten Nationen, den vollständigen Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen Kohle, Gas und Öl im 21. Jahrhundert und eine Focussierung auf die Sonnen- und Windenergie. Für die Traunsteiner Aktivitäten hatte er nur lobende Worte übrig: „Bei den Erneuerbaren Energien bin ich nicht pessimistisch wenn ich sehe was in einer Stadt wie Traunstein los ist. Das ist eine Bürgerbewegung 1. Ranges.“

Hoher Gesprächsbedarf

Dass bei den Zuhörern hoher Gesprächsbedarf besteht, wurde in der anschließenden Diskussion deutlich. Dr. Rainer Schenk wollte von Graßl seine Überzeugung zur Kernenergie wissen, der bei der Atomkraft zur Gelassenheit mahnte: „Das Auströpfeln lassen mit einem zeitlichen Richtwert bis 2050 ist hier die Devise.“ Ewald Kleybold fragte nach den Chancen für das Solarprojekt in Afrika, Desertec das Graßl als Projekt von enormer Bedeutung bezeichnete: „Es hat Klick in den Köpfen der Vorstandsvorsitzenden gemacht.“ Für Bayern sei dieses Projekt, der in München angesiedelten Firma ein Jobmotor. Hans Stalleicher aus Trostberg warf die Frage nach dem Bevölkerungswachstum und mehr Verkehr auf den Straßen auf, das der Klimaforscher so kommentierte: In Europa brauchen wir nicht mehr Straßen. Wir brauchen vielmehr aufgrund unseres Bevölkerungsschwundes eine geordnete und organisierte Zuwanderung.“

awi

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