Kommt das geplante Sportzentrum in Traunstein?

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So sieht die erste Planung für das neu zu errichtende Sportzentrum in Empfing aus. Deutlich wird auch die nähe zu einigen Traunsteiner Schulen, die Oberbürgermeister Manfred Kösterke besonders herausstellte.

Traunstein - Nach dem „Ja“ der Fußballvereine zu einer Fusion des 1. FC Traunstein, ESV Traunstein und JFG Chiemgau ging das Projekt am Donnerstag in die nächste Runde.

Der Stadtrat Traunstein diskutierte über die Errichtung des Sportzentrums in Empfing mit Stadion und Nebenplätzen sowie den Bau eines Kunstrasenplatzes mit Leichtathletikanlagen auf dem Gelände des Stadions des ESV Traunstein. Wie schwer man sich mit dem Projekt tut, zeigte die fast einstündige Diskussion unter den Stadträten, die sich nur mit Vorbehalten zum nächsten Schritt durchringen konnten, der in der Feststellung eines möglichen Veräußerungserlöses für das Triftstadion liegt.

Geschätzte 4,101 Millionen Euro Gesamtkosten beträgt die geplante Maßnahme auf Basis der Konzeption der von den Vereinen eingeschalteten Planungsgruppe Strasser & Partner. Im Fall der Errichtung des Sportzentrums verliert das im Eigentum der Stadt stehende Triftstadion nun seine Funktion. Der 1. FC Traunstein hat in Aussicht gestellt, auf den langfristigen Pachtvertrag im Falle der geplanten Neuerrichtung eines Stadions zu verzichten. Geplant ist von dem über 17 000 qm großen Grundstücks rund 14 000 qm für eine Wohnbebauung zu verwenden, was einem geschätzten Erlös von rund 3,5 Millionen Euro entspricht. Nach Abzug aller Zuschüsse sowie einzubringende Eigenleistungen des Vereins in Höhe von 183 000 Euro würde auf die Stadt Traunstein eine Belastung in Höhe von 3,43 Millionen Euro zukommen.

Der Stadtrat Traunstein musste nun in seiner Sitzung am Donnerstag unter anderem über die folgenden Punkte abstimmen: 1. Grundsätzliche Zustimmung zu der Errichtung. 2. Eine Deckelung der finanziellen Beteiligung der Stadt in maximaler Höhe des Erlöses aus der Grundstücksveräußerung bei gleichzeitiger gesicherter Gesamtfinanzierung.

Ist das Risiko für die Stadt kalkulierbar?

Viele Stadträte machten klar, dass sie mit dem Großprojekt in Zeiten knapper Stadtkassen ihre liebe Not hätten, wobei nicht nur aufgrund des finanziellen Engagements der Stadt Bedenken angemeldet wurden, sondern auch der Standort Empfing aufgrund der Hochwasserproblematik in Frage gestellt wurde. Thomas Miller (UW) lehnte das Projekt in der vorgestellten Form ab: „Wir bringen sehr viel Geld bei wenig Eigenleistung der Vereine auf.“ Der öffentliche Druck sei für die Stadtratsmitglieder enorm. „Der schwarze Peter liegt beim Stadtrat“ so Miller. „Aus sportlicher Sicht ist das Projekt durchaus begrüßenswert. Der Standort Empfing ist für mich aber bedenklich, weshalb ich nicht zustimme“ machte Peter Forster (SPD) deutlich. CSU-Stadtrat Karl Schulz wies darauf hin, dass die Schaffung neuen Wohnraums im Zentrum der Stadt das Stadtbild positiv prägen würde. Andererseits würde es seiner Überzeugung nach zum Ende des bisher praktizierten „Traunsteiner Modells“ führen. Auch würde man vom bisherigen Zuschuss- und Fördersystem der Vereine Abstand nehmen. „aus Gründen der Gerechtigkeit würde ich mir eine höhere Eigenbeteiligung der beiden Fußballvereine wünschen.“ Wilfried Schott (Grüne) äußerte seine Bedenken: „Uns drückt überall der Schuh. Da habe ich ein Problem damit, dass dieses Vermögen eingesetzt wird.“ Auch Dr. Rainer Schenk von der Traunsteiner Liste machte klar, dass man das Projekt zwar sportlich begrüße, jedoch massive Bedenken für die Stadtfinanzen habe. „Wir warnen vor dem hohen finanziellen Risiko für die Stadt.“ Auch weitere Stadträte machten ihre Vorbehalte zu dem Projekt aufgrund der finanziellen Größenordung und möglicher langfristiger Auswirkungen auf die Stadtfinanzen deutlich.

Oberbürgermeister Manfred Kösterke versuchte die Vorbehalte zu entkräften: Dass der Standort in Empfing hochwassergefährdet ist, sei bekannt: „Das ist kein Wohngebiet, sondern hier handelt es sich um nicht versiegelte Grünanlagen.“ Positiv sei die Nähe zu den Schulen in der Wasserburgerstraße. „Einen Tod werden wir sterben müssen“ so der Oberbürgermeister.

Wie groß die Sorgen und Bedenken der Stadträte fraktionsübergreifend war, war auch daran abzusehen, dass es sich bei der Abstimmung ja nicht bereits um einen Verkauf des Grundstücks handelte, sondern nur um eine grundsätzliche Befürwortung der Errichtung des Sportzentrums und die Beauftragung der Verwaltung zur Erstellung einer Ausschreibung für das Triftstadion bei gleichzeitigem Ausschluss des Anspruchs auf die Zuschlagserteilung. . „Die entscheidende Abstimmung ist nicht heute, sondern erst, wenn die Ausschreibung vorliegt. Ohne Ausschreibung ist das Projekt gestorben.“ Die Stadträte blieben bei ihrer kritischen Haltung und ließen sich auch durch die umfangreiche Sachargumentation des Oberbürgermeisters nicht umstimmen. In der vorgenommenen Einzelabstimmungen zu den Punkten des Beschlussvorschlages blieben die Vorbehalte gegen das Großprojekt bestehen: Acht Stadträte stimmten gegen die Errichtung des geplanten Sportzentrums. Die Stadt Traunstein sucht nun einen Käufer für das Areal des Triftstadions.

awi

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