Meinungsaustausch zwischen Verkehrsinitiativen und Hermann Steinmaßl weckt Emotionen

"Konzept haben wir nicht gebraucht"

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Landrat Hermann Steinmaßl.

Traunstein - Welche alternativen Lösungen gibt es in Sachen Verkehr im Raum Südostbayern? Darüber disktutierte eine Bürgerinitiative mit Landrat Hermann Steinmaßl.

Mitglieder des Umweltschutzverbandes Alztal und verschiedener Verkehrs-Bürgerinitiativen haben vergangenen Herbst das sogenannte "Südostbayern-Manifest" erstellt und darin ihre alternativen Ideen in Sachen Verkehr kundgetan. Außerdem wurde das Manifest im Internet veröffentlicht. Eine Verkehrswende wollten die Verfasser damit anstoßen und aufzeigen, wie man die Mobilität in der Region verbessern könne, ohne noch mehr und größere Straßen zu bauen. Ein Wunsch der Verfasser, Ulrich Kühn aus Waging und Gisa Pauli aus Trostberg, war es, ihr Papier mit maßgeblichen Politikern aus der Region zu besprechen, vor allem mit Landrat Hermann Steinmaßl und Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer. Während Ramsauer jedoch abwinkte, fand sich der Landrat schließlich zu einem Gespräch bereit.

Genauer gesagt: Er hatte zunächst nur zugestimmt, das Manifest im Landratsamt sozusagen offiziell entgegenzunehmen. Tatsächlich aber entwickelte sich aus diesem Übergabetermin eine einstündige Auseinandersetzung, in deren Verlauf starke Emotionen zum Ausbruch kamen. Der Landrat, das war rasch zu erkennen, empfand dieses Papier als einen Affront und als eine seiner Meinung nach völlig unberechtigte Kritik an seiner Verkehrspolitik. Denn, so sagte er, er lasse sich auf gar keinen Fall unterstellen, dass er nichts tue. In dem Manifest war zum Ausdruck gekommen, dass zu viel in Sachen Straßenbau, zu wenig dagegen in Sachen Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) getan werde.

"Wenn es nach uns ginge", so der Landrat, "würden wir eine komplette Chiemgaukarte entwickeln", gerade auch für die Urlauber. 2014 hoffe man, eine solche Karte zu schaffen, mit der man mit allen Verkehrsmitteln "nach Salzburg, Rosenheim, Reit im Winkl und Garching" fahren könne. So renne das "Südostbayern-Manifest" mit all seinen Vorschlägen in dieser Richtung "offene Türen" ein.

Dies nahm Ulrich Kühn gerne zur Kenntnis. Allerdings, so seine Aussage: "Nur weil man ein Angebot macht, fahren viele noch lange nicht mit." Man müsse erst den Bedarf in der Bevölkerung wachrufen. Dieser Bedarf sei, so der Landrat, in der Tat nicht vorhanden. Dennoch aber, so betonte er, werde versucht, ein umfassendes ÖPNV-Angebot aufrechtzuerhalten.

Anders allerdings beim Güterverkehr. Dazu entspann sich im Folgenden eine kontroverse Diskussion in Sachen Güterterminal. Während der Landrat beklagte, dass man mit solchen Plänen "sofort Gegenwind" bekomme, argumentierte Kühn, dass ein Güterterminal-Standort Traunstein sowieso nicht günstig sei.

Ulrich Kühn fragte an, warum es nicht möglich sei, im Landkreis mit den öffentlichen Verkehrsmitteln überall hin zu kommen. Dazu meinte der Landrat: "Da sind wir dabei." Er wandte sich entschieden gegen Kühns Behauptung, dass der ÖPNV ins Hintertreffen gerate.

Der Landkreis will laut Steinmaßl ein Gesamtkonzept erstellen lassen. "Wir sind schon wesentlich weiter, als Sie den Eindruck erwecken, dass wir sind." Dazu meinte Kühn, man wolle ja dem Landrat Mut machen, noch mehr in Visionen zu denken, wie sie in anderen ländlichen Regionen bereits verwirklicht worden seien. Das tue man schon längst, konterte der Landrat: "Dazu haben wir Ihr Konzept nicht gebraucht."

edh/Chiemgau Zeitung

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