Kreuzotter stirbt aus

Chiemgau - Noch vor 50 Jahren begegnete man um Inzell und Ruhpolding regelmäßig Kreuzottern. Seitdem hat sich die Situation stark verändert: Die einstmals häufigen Arten stehen inzwischen auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten.

Der stetige Rückgang der Kreuzotter in den letzten Jahrzehnten betraf auch Südbayern. Dort ist sie inzwischen nur noch selten anzutreffen. Ihre Rückzugsgebiete im südlichen Landkreis Traunstein liegen vor allem in den Filzen im Inzeller Becken sowie den angrenzenden Wildflusslandschaften, die einen bayernweit bedeutsamen Verbreitungsschwerpunkt darstellen. Aber auch an Berghängen mit Almen und lichten Bergwaldbeständen sowie in Gebüschen oberhalb der Waldgrenze kann sie noch angetroffen werden.

Bei einer der seltenen Begegnungen am Rand eines Wanderweges dienen die X-förmige Zeichnung auf dem Kopf und das dunkle Zickzackband auf dem Rücken, von dem auch der Name stammt, als Erkennungsmerkmale. Männchen und Weibchen können während der Paarungszeit im April und Mai leicht an ihrer Färbung unterschieden werden: Männchen sind grau mit tiefschwarzem Rückenband, die Weibchen haselnussbraun oder rotbraun. Daneben kommt bei beiden Geschlechtern auch häufig eine komplette schwarze Färbung vor, die vor allem in den Filzen und im alpinen Bereich zu beobachten ist. Die nahe verwandte ungiftige Schlingnatter, die ebenfalls im Raum Ruhpolding und Inzell angetroffen werden kann, hat nie ein zusammenhängendes Rückenband.

Wurde die Kreuzotter noch bis in die Nachkriegszeit stark verfolgt, so steht sie inzwischen wie alle heimischen Schlangen und Eidechsen unter strengem Schutz. Somit darf sie auf keinen Fall getötet werden, und auch mutwillige Störungen im Lebensraum oder der Fang sind untersagt. Die Kreuzotter greift im übrigen – entgegen so mancher Behauptung - niemals von selbst an, sondern nur bei Bedrohung. Eine Gefahr für Wanderer besteht nicht, und abseits der Wege können Pilz- und Beerensucher Kreuzotterbisse sehr einfach durch das Tragen von festem Schuhwerk und langen Hosen vermeiden. Kommt es trotzdem zu einem Biss, können Übelkeit, lokale Blutungen und Kreislaufprobleme die Folge sein. Obwohl in Deutschland seit 50 Jahren kein Todesfall mehr zu verzeichnen war, sollte immer ein Arzt aufgesucht werden.

Um die Kreuzotter langfristig als Teil unserer heimischen Tierwelt zu erhalten, hat das Landesamt für Umweltschutz ein "Artenhilfsprogramm Kreuzotter in Oberbayern" initiiert. Die Kreuzotter dient dabei auch als Leitart, von deren Schutz eine Vielzahl von weiteren Tier- und Pflanzenarten profitieren. Vor allem durch die Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde soll versucht werden, die noch verbliebenen Lebensräume der Kreuzotter zu optimieren. Die Grundlage für ein solches Maßnahmenkonzept bietet neben dem detaillierten Wissen über die Lebensweise natürlich auch die genaue Kenntnis der derzeitigen Vorkommen. Aktuelle Beobachtungen nimmt die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt Traunstein entgegen. Außerdem wird der reptilien-Experte Dr. Wolfgang Völkl am Donnerstag, 1. Oktober, um 19.30 Uhr im Inzeller Rathaus einen Vortrag über die Kreuzotter im Raum Inzell und Ruhpolding halten.

Pressemitteilung

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