Masern: Ist die Impfmüdigkeit schuld?

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Landkreis - Masern gelten als Kinderkrankheit. Doch derzeit treten sie auch gehäuft unter jungen Erwachsenen auf. Das Gesundheitsamt führt das auf Impfmüdigkeit zurück.

Im Großraum München sind seit Mitte April den Behörden über 60 Masernerkrankungen gemeldet worden. Die Zahlen steigen weiter. Aus Berlin wird ebenfalls ein gehäuftes Auftreten von Masern gemeldet. Obwohl Masern als Kinderkrankheit gelten, sind in München und Berlin vor allem jüngere Erwachsene betroffen.

Die Masern­ausbrüche in München und Berlin nimmt der Leiter des Gesundheitsamtes Traunstein, Dr. Franz Heigenhauser, zum Anlass, auf die Gefahr zunehmender Impflücken aufmerksam zu machen. Teils aus Überzeugung, teils aus Nachlässigkeit nimmt die Teilnahme an den öffentlich empfohlenen Schutzimpfungen kontinuierlich ab. Diese Entwicklung ist äußerst bedenklich. Sinkt nämlich die Durchimpfungsrate unter eine kritische Grenze, so können die verharmlosend als „Kinderkrankheiten“ bezeichneten Infektionskrankheiten wie Masern oder Mumps wieder epidemieartig auftreten. In diesem Zusammenhang verweist Dr. Heigenhauser auf die Ma­sernepidemien in Nordrhein-Westfalen bzw. Coburg mit 1500 bzw. 800 Erkrankten sowie zum Teil schweren Verläufen.

Bei zwei Erkrankten kam es zu der hoch gefähr­lichen Masern-Enzephalitis (Gehirnentzündung) mit bleibenden Schäden. Auch im Landkreis Traunstein gibt es nach Auskunft von Dr. Heigenhauser große Impflücken, die Durch­impfungs­rate liegt unter dem bayerischen Landesdurchschnitt.

Eine gewisse Verunsicherung bezüglich des Impfens ist seiner Meinung nach dadurch ein­getreten, dass in den Medien die vergleichsweise geringe Zahl von Impfkomplikationen proble­matisiert wird, während die wesentlich höhere Rate schwerer Komplikationen bei den Infek­tionskrankheiten weitgehend unerwähnt bleibt. Am Beispiel der Masern wird das besonders deutlich. Bei der Impfung beträgt die Komplikationsrate 1:1 Million, bei der Erkrankung 1:1.000.

Anders ausgedrückt: Die Wahrscheinlichkeit, bei der Masernerkrankung eine Komplikation zu erleiden ist 1000 mal höher als eine Impfkomplikation. Allein dieser Zahlenvergleich sollten nach Meinung von Dr. Heigenhauser die „Impfskeptiker“ überzeugen. Zudem ist die Teilnahme an den Impfungen ein Beitrag zur Solidarität mit denjenigen Personen, deren Immunsystem krankheitsbedingt geschwächt ist. Weiter weist das Gesundheitsamt darauf hin, dass in vielen Ländern, wie z. B. den USA, ein kom­pletter Impfnachweis Voraussetzung für einen Studienaufenthalt ist. Eine entscheidende Rolle bei der Impfakzeptanz kommt seiner Meinung nach den Hausärzten zu.

Wird die Impfung vom Hausarzt empfohlen, so steigt die Impfrate deutlich an. Deshalb appelliert Dr. Heigenhauser an die Hausärzte, das „Impfen wieder einzuimpfen“.

Pressemitteilung Landratsamt Traunstein

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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