DAS SAGEN POLITIKER ZUM A8-AUSBAU - TEIL 9

"Wir fordern den A8-Ausbau nicht, weil wir uns ein Denkmal setzen wollen"

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Klaus Steiner (64) stammt aus Übersee, ist verheiratet und hat drei Kinder. Der Diplom-Rechtspfleger und Regierungsrat a.D. ist seit 2008 Mitglied des Landtages.

Landkreis - Sechsspurig soll die A8 werden, Standstreifen erhalten und generell für die Zukunft fit gemacht werden. Dennoch wird weiter über Sinn und Unsinn des Ausbaus diskutiert. Wir haben Politiker der Region nach ihrer Meinung gefragt. Heute: MdL Klaus Steiner (CSU).

Der geplante A8-Ausbau spaltet die Region. Und das nicht nur landschaftlich, sondern auch menschlich. Viele sind für einen sechsspurigen Komplettausbau plus Standstreifen, viele würden aber auch den Ausbau der vierspurigen Autobahn und den Anbau von Standstreifen an die vorhandene Trasse befürworten.

Wie positionieren sich Bundestags- und Landtagsabgeordnete der Region zu dem Projekt? Wir haben nachgefragt.

Heute: Der CDU-Landtagsabgeordnete Klaus Steiner

Wie oft sind Sie selbst auf der A8 zwischen München und Landesgrenze zu Österreich unterwegs? Welche Erfahrungen haben Sie auf der Strecke gemacht? Haben Sie dabei schon mal im Stau gestanden?

Grundsätzlich fahre ich mit dem Zug nach München. Trotzdem bin ich des Öfteren auch mit dem Auto in die Landeshauptstadt unterwegs. Meine persönlichen Erfahrungen: Sie sind durchwegs schlecht. Es gibt häufig Staus und zäh fließenden Verkehr. Das größte Übel sind die oft nicht vorhandenen Pannenstreifen. Der derzeitige Zustand der A8 an bestimmten Stellen ist schlichtweg nicht mehr zeitgemäß und dem Verkehr nicht mehr gewachsen.

Der Bundesrechnungshof hat jüngst angemerkt, dass ein vierspuriger Ausbau samt zuschaltbaren Standstreifen für den Bereich Chiemsee-Landesgrenze/Salzburg ausreichend sei angesichts der Verkehrsbelastung dort. Halten Sie einen vierspurigen Ausbau der A8 zwischen Chiemsee und Landesgrenze mit zuschaltbaren Standstreifen, zum Beispiel bei viel Verkehr in der Ferienzeit, für ausreichend? Zum Beispiel wenn ein Tempolimit mit 120 oder 130 km/h eingerichtet würde?

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Ich kann das Argument des Bundesrechnungshofes nicht nachvollziehen, dass ein vierspuriger Ausbau samt zuschaltbaren Standstreifen bis zur Landesgrenze ausreichend wäre. Die Rechnungsprüfer argumentieren, dass der Verkehr ab dem Autobahndreieck Inntal beziehungsweise ab dem Bernauer Berg stark abnehme. Ich stelle die Frage: Wohin soll denn der Verkehr ab Bernau abfließen, die Autos verschwinden ja nicht einfach irgendwo in umliegenden Gemeinden? Der Ausbau der A8 mit lediglich einem zuschaltbaren Standstreifen wäre ein Schildbürgerstreich. Zuschaltbar bedeutet, dass es letztlich eine volle Fahrspur sein muss, die jedoch, wenn sie zugeschaltet werden muss, nicht als Pannenstreifen zur Verfügung steht. Die Folge ist eine große Gefahr für Rettungskräfte und lange Staus bei Verkehrsunfällen oder liegengebliebenen Fahrzeugen. Wir brauchen eine dritte Fahrspur und einen Standstreifen, der vollständig als Pannenstreifen zur Verfügung steht.

Welche Argumente sprechen aus Ihrer Sicht für einen sechsspurigen Ausbau der A8 zwischen Inntaldreieck und Salzburg? Können Sie die Argumente der 4+2-Befürworter nachvollziehen, zum Beispiel in puncto Flächenverbrauch? Auch der Bundesrechnungshof argumentiert gegen einen sechsspurugen Ausbau plus Standstreifen zwischen Inntaldreieck und Salzburg. Dadurch könnten Kosten in Höhe von 110 Millionen Euro eingespart werden. Halten Sie das nicht für ein lohnenswertes Ziel?

Wir fordern den sechsstreifigen Ausbau mit Standstreifen nicht, weil wir uns ein Denkmal setzen und/oder die Landschaft zubetonieren wollen, wie uns oft vorgeworfen wird, sondern weil dahinter die massive Forderung unserer exportorientierten Wirtschaft in den Landkreisen Traunstein, Berchtesgadener Land und Rosenheim steht. Die Betriebe kritisieren wiederum die Politik, weil bei der Ausbaufrage nichts vorangeht. Die Ausbaugegner sprechen sich ebenfalls für drei volle Fahrspuren aus. Der Unterschied zur viel kritisierten Gigantomanie der Ausbaubefürworter liegt also nur in einem weiteren Standstreifen. Auf den Punkt gebracht: Wir wollen drei volle Fahrspuren und einen Standstreifen. Der Unterschied in der Breite zwischen den Ausbaugegnern und den Ausbaubefürwortern sind also zwei Standstreifen von jeweils zweieinhalb oder drei Metern. Wie das Ganze aussehen kann, wird auf der Hochfellnbrücke bei Bergen deutlich, wo drei volle Fahrspuren und ein Standstreifen auf der Brücke bereits vorhanden sind. Die Argumentation ist für mich nicht nachvollziehbar, weil bei einem Zuschalten des Pannenstreifens wiederum keine Standspur etwa bei Unfällen oder für die Rettungskräfte zur Verfügung steht. Wenn wir schon Hand an die alte A8 legen und jeder eine Erweiterung will, dann macht es Sinn gleich drei volle Fahrspuren und einen Standstreifen zu bauen.

Die Region lebt ja auch von der Natur, den Bergen und folglich den Besuchern, die hierher kommen. Sehen Sie den Faktor Tourismus beziehungsweise Attraktivität der Region gefährdet, wenn eine moderne sechsspurige Autobahn eine Art Schneise hindurchschlägt?

Die Aussage, dass eine moderne sechsspurige Autobahn den Faktor Tourismus beeinträchtigen würde, ist für mich völlig unverständlich! Gerade durch eine gute Verkehrsinfrastruktur werden Touristen die Region öfter besuchen. Wenn man aber durch eine schlecht ausgebaute Autobahn oft im Stau steht oder selber eine Panne hat, welche man ohne Pannenstreifen bewältigen muss, ist das in meinen Augen für den Tourismus nicht förderlich! Im Übrigen verweise ich erneut auf den eigentlich kleinen Unterschied zum Vollausbau und dem Vorschlag der Ausbaugegner.

Wie dringend ist der Handlungsbedarf an der bestehenden A8 zwischen Chiemsee und Landesgrenze aus Ihrer Sicht?

Aus meiner Sicht besteht hier schon seit vielen Jahren Handlungsbedarf. Die A8 ist eine wichtige Verkehrsachse für Pendler, Wirtschaft und Touristen. Deswegen plädiere ich dringend für einen sechsstreifigen Ausbau.

Wie sieht Ihre Wunschvorstellung von der A8 aus? Was muss Ihrer Meinung nach an der Strecke unbedingt verbessert werden?

Meine Wunschvorstellung ist ganz einfach: Eine sechsspurige A8 mit Stand- beziehungsweise Pannenstreifen! Einer der größten Schwierigkeiten ist und bleibt nämlich der an vielen Stellen nicht vorhandene Pannenstreifen.

ksl

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