Ungerechte Verteilung der Prämie

Bekommt Pfleger aus dem Landkreis Traunstein keinen Pflege-Bonus weil er Ausländer ist?

Landkreis Traunstein - Bis zu 500 Euro Bonus bekommen Pflegekräfte in Bayern vom Staat für ihren Einsatz. Ein Pfleger aus dem Landkreis Traunstein beklagt nun eine ungerechte Verteilung der Prämie.

„Mich würde interessieren, warum ein Teil meiner Kollegen diesen hochgepriesenen ‚Bayern-Coronabonus‘ erhalten hat und ein Teil nicht. Liegt das vielleicht daran, dass ich nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besitze, wie auch einer meiner Kollegen? Ich bin verärgert, enttäuscht und fühle mich diskriminiert. Entweder alle oder keiner. Vom Freistaat keine Antwort bekommen, außer ich könne Einspruch einlegen.“ Mit dieser Nachricht wandte sich Pfleger Alex (Name wurde von der Redaktion geändert) an unsere Redaktion.

Pfleger aus Traunstein bekommt keinen Pflege-Bonus

Alex ist Heilerziehungspfleger in einer vollstationären sozialtherapeutischen Einrichtung mit psychischen- und Abhängigkeitserkrankungen im Landkreis Traunstein und arbeitet dort in Vollzeit. Einige seiner Kollegen haben bereits im Mai den Pflege-Bonus bekommen, Alex nicht. „Dass nun Mitarbeiter vom Gesundheitsamt usw. einen Bonus bekommen macht die Frustration nur noch schlimmer“, sagt er.

Auf Nachfrage bei der Bayerischen Staatsregierung teilt eine Sprecherin gegenüber chiemgau24.de mit: „Selbstverständlich haben auch ausländische Pflegekräfte Anspruch auf den Corona-Pflegebonus.“ Begünstigt seien Mitarbeitende in der Langzeitpflege sowie des ambulanten Pflegedienstes, Mitarbeitende im Krankenhaus und Mitarbeitende im Rettungsdienst. Der Kreis der vom Corona-Pflegebonus Begünstigten ist in der Richtlinie über die Gewährung eines Bonus für Pflege- und Rettungskräfte in Bayern (Corona-Pflegebonusrichtlinie – CoBoR) vom 30. April 2020 geregelt. Diese Richtlinie kann auf der Homepage des Landesamts für Pflege oder im Bayerischen Ministerialblatt eingesehen werden.

Das sind die Gründe, warum Anträge abgelehnt werden

Außerdem seien laut der Sprecherin auch alle begünstigt, die tatsächlich in der Pflege im maßgeblichen Zeitraum vom 07. April 2020 - 30. Juni 2020 tätig waren, also deren tatsächlich ausgeübte berufliche Tätigkeit der Pflege entspricht und mit dieser vergleichbar ist. Damit können auch andere Berufsgruppen wie Physiotherapeuten, andere TherapeutInnen, HauswirtschafterInnen und Reinigungskräfte begünstigt sein, wenn sie mittels einer Arbeitgeberbescheinigung den tatsächlichen Einsatz am Patienten belegen können.

„Von den insgesamt 350.000 Anträgen sind bisher etwa 90 Prozent bearbeitet. Etwa 40.000 Anträge wurden bisher abgelehnt“, so die Sprecherin. Die drei häufigsten Ablehnungsgründe waren:

1.        Keine Pflegekraft, damit nicht in der begünstigten Berufsgruppe, z.B. HauswirtschafterInnen, Physiotherapeuten, medizinisch-technische Assistenten, Reinigungspersonal, Ärzte

2.        Nicht in einer begünstigten Einrichtung beschäftigt, z.B. ambulante Einrichtungen wie Dialyse, niedergelassene Arztpraxen, Ableistende Bundesfreiwilligendienst, freiwilliges soziales Jahr

3.        Tätigkeit nicht im relevanten Zeitraum 07. April 2020 – 30. Juni 2020

Warum Alex seinen Bonus nicht erhalten hat, diese Frage wurde vom Ministerium nicht beantwortet.

jb

Rubriklistenbild: © Tom Weller/dpa

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