Folgen der Corona-Maßnahmen

Vereine in der Region kämpfen um Nachwuchs - „Das ist für uns ein großes Problem“

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Auch Trachtenvereine in der Region sind in Sorge um ihren Nachwuchs.

Landkreise Traunstein/Berchtesgadener Land - Es sollten in diesem Jahr zwei besondere Konzerte werden. Allein schon das Thema „BigBandsound trifft Heimatsound“ versprach einiges. Am 21. und 22. November wollte das Bezirksjugendorchesters Chiemgau- Rupertigau in Unterwössen und Laufen sein Können zeigen mit Musik zweier komplett unterschiedlicher Stilrichtungen – „Bohemian Rhapsody und Mia Kean Zam im Wechsel sozusagen.

Vorher sollten sich die rund 60 jungen, ambitionierten Musikerinnen und Musikern zu gemeinsamen Probetagen und einem Probenwochenende in Hintersee treffen. Gemeinsam üben, sich Kennenlernen, gemeinsam „in Concert“ als Erfolgserlebnis. So etwas fördert nicht nur die Liebe zur Musik, es bildet Gemeinschaft, schweißt zusammen.

Bühnen bleiben wegen Corona leer

Wegen Corona ist der Traum geplatzt, die Bühnen blieben leer, die jungen Leute mussten zuhause bleiben. „Das ist nicht nur für die Veranstalter schmerzlich, sondern auch für unsere Jugend“, meint der Vorsitzende des Bezirksmusikverband Chiem-Rupertigau Thomas Egger. „Wie soll man Freunde finden, wie sich kennenlernen? Wie soll eine Teambildung funktionieren, wenn sich Gleichgesinnte nicht treffen dürfen?“

Egger, selbst Vollblutmusiker, macht sich Sorgen um den Nachwuchs der Vereine. „Ein Jahr ohne Vereinsnachwuchs, ist sehr schmerzlich, das Thema haben nicht nur Musikvereine, sondern alle Vereine!“. Zwar versucht man den Betrieb irgendwie digital aufrechtzuerhalten, aber die persönlichen Kontakte ersetzt zum Beipiel ein größtenteils digital abgehaltenes Musikerleistungsabzeichen, wie es jetzt der Bezirk Chiemgau-Rupertigau gemacht hat, keinesfalls. Das kann nur eine hoffentlich einmalige „Ausnahmeprüfung“ bleiben und darf nicht zur Regel werden.

Kinderbläserklasse beim Adventskonzert in Teisendorf 2019

Denn Kinder und Jugendliche müssen frühzeitig an das gemeinsame Musizieren herangeführt werden. Die in den letzten Jahre in Teisendorf erfolgreich von Musikschule und Musikkapelle gemeinsam erfolgreich angebotenen Bläserklasse ist ein gutes Beispiel dafür. Die Musikschule durfte zwar den Einzelunterricht unter strengen Hygienevorschriften wieder aufnehmen, die Bläserklasse fällt aber erstmal aus. Das wird sich verzögert auch auf den Nachwuchs in der Musikkapelle Teisendorf auswirken, ist Egger überzeugt.

Auch Trachtenvereine mit Problemen

Auch den Trachtenvereinen in der Region und in ganz Bayern geht es nicht viel anders. Jugendarbeit wird in den Vereinen groß geschrieben. Zehntausende Jugendliche werden bayernweit von qualifizierten Jugendleiter und Jugenleiterinnen betreut, damit sie in die Vereine hereinwachsen. „Bei uns hat jeder von fünf bis fünfundachtzig seinen Platz und seine Aufgabe, wir sind in unseren Vereinen eine große Gemeinschaft“, so Hans Hogger, Gebietsvertreter vom Gebiet Rupertiwinkel im Gauverband. Drahn, plattln, gemeinsam tanzen und musizieren will von klein an gelernt sein und soll Freude machen.

Zehntausende Jugendliche werden bayernweit von qualifizierten Jugendleiter und Jugenleiterinnen betreut, damit sie in die Vereine hereinwachsen

Bei den Trachtenfesten oder den kirchlichen Festen im Jahreskreis, wie Fronleichnam oder Erntedank, sind auch die Kinder und Jugendlichen in ihren schönen Trachten selbstverständlich dabei. „In diesem Jahr ist bei uns gar nichts losgewesen, kein Preisplattln, keine Feste, keine Hoagascht, keine Proben, alles abgesagt. Wenns wieder weitergeht wird die große Frage sein, ob wir die Leute, vor allem auch die Kinder wieder motivieren können. Einfach wird das nicht“, ist Hogger überzeugt. Man müsse wieder zur Gemeinschaft zurückfinden, das sei das Wichtigste.

Jugendarbeit bei Feuerwehren im Berchtesgadener Land komplett eingestellt

Die Feuerwehren im Berchtesgadener Land haben beim ersten Lockdown im Frühjahr auf Anordnung des Kreisbrandrates die Jugendarbeit komplett eingestellt. Keine gemeinsamen Treffen der Jugendlichen, keine gemeinsamen Übungen, keine Fortbildungen, kein Kinderferientag, wo für die nächsten Generationen die Wege bereitet werden und das Interesse für Feuerwehr frühzeitig und spielend geweckt wird, kein Tag der offenen Tür, wo die Jugendlichen die bereits erworbenen Kenntnisse in Übungen zeigen können.

„Das ist für uns ein großes Problem“ meint zum Beispiel Bernhard Wimmer, Vorstand des Feuerwehrvereins Teisendorf. „Es fehlt einfach die Kameradschaft und Freundschaft, die sich bei den Jugendlichen, die dabei sind, herausbildet und die für die spätere Teamarbeit bei Einsätzen so wichtig ist.

Die Jugendfeuerwehr Teisendorf bei einer Löschübung.

Da müsse man sich aufeinander verlassen können. „Seit Jahren können wir aus dem Jugendzug eine starke Mannschaft in den aktiven Dienst übernehmen“, hatte sich Wimmer bei der Jahreshauptversammlung im Januar noch gefreut. 2019 konnte man noch sechs Neuzugänge gewinnen und gut zwanzig Übungen abhalten. In diesem Jahr steht alles still.

Auch die Fortbildungen sind ausgefallen, da staut sich vieles auf, dass irgendwann, hoffentlich bald, so Wimmer, nachgeholt werden muss. Im nächsten Jahr will die Jugendfeuerwehr aus Teisendorf ihr 50-jähriges Bestehen mit einem Fest feiern, aus diesem Anlass soll auch der Kreisjugendfeuerwehrtag in Teisendorf stattfinden. Alles Pläne, die noch vor Corona geschmiedet wurden. Noch hält man daran fest. Ob es wirklich dazu kommt, wird sich zeigen.

Im Sommer kam etwas Hoffnung auf, so Thomas Egger, viele Vereine wurden wieder aktiv, erste Proben haben stattgefunden. Man hoffte, dass auch Kinder und Jugendlichen bald wieder ihrem Hobby in den Vereinen nachgehen und sich mit Gleichgesinnten treffen können. Daraus wird leider erstmal nichts und die Sorgenfalten bei den Vereinen nehmen zu.

„Wenn das Vereinsleben wegen der Pandemie noch lange eingeschränkt beziehungsweise auf null gestellt bleibt, wird das langsam zu einem Problem, das man nicht nur mir einem „Schade“ abtun kann“ ist Gemeinde- und Kreisrat Thomas Egger überzeugt.

Jugendarbeit ist die Basis von allem. Wieviel sind noch da, wenn es wieder losgeht? “bringt Bernhard Wimmer von der Feuerwehr die Sorgen auf den Punkt. Und spricht dabei mit Sicherheit nicht nur für die Feuerwehr, sondern für die meisten Vereine.

kon

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