Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Gesundheitsamtsleiter aus Traunstein: „Werden dieses Virus nicht ausrotten können“ 

Dr. Wolfgang Krämer über die Delta-Variante und eine mögliche vierte Welle

Dr. Wolfgang Krämer, Leiter des Traunsteiner Gesundheitsamtes
+
Für Dr. Wolfgang Krämer, Leiter des Traunsteiner Gesundheitsamtes, gibt es einen wichtigen Faktor, ob es im Herbst zu einer vierten Welle kommt.

Landkreis Traunstein - Wie gefährlich ist die Delta-Variante? Erwartet uns eine vierte Welle? Bis wann erhalten alle Bürger im Landkreis Traunstein ein Impfangebot? Dr. Wolfgang Krämer, Leiter des Gesundheitsamtes Traunstein, stand chiemgau24.de Rede und Antwort. 

Die Corona-Neuinfektionen sind rückläufig. Wie schätzen Sie die aktuelle Lage ein?

Ich bin sehr froh, dass die Zahlen so rückläufig sind. Am 26. Mai waren wir bei der 7-Tages-Inzidenz das erste Mal unter der kritischen Marke von 50, inzwischen liegt der Wert im einstelligen Bereich. Das ist eine sehr erfreuliche Entwicklung.

Dafür gab es auch zwei begünstigte Faktoren. Zum einen wirkt sich der große Impffortschritt aus. Die Neuinfektionen treten vorwiegend bei der jüngeren Bevölkerung vor. In der älteren Bevölkerungsgruppe, die größtenteils geimpft sind, kommt es nur noch sehr selten zu Neuinfektionen. Zum anderen dürfen die günstigen saisonalen Effekte der Sommermonate nicht außer Acht gelassen werden, so dass wir erfreulicherweise auf diesem sehr niedrigen Inzidenzwert sind.

Sorgen bereitet die Delta-Variante, die inzwischen auch im Landkreis angekommen ist. Was macht Sie so gefährlich?

Die ansteckungsfähigere Variante verdrängt die bisher da gewesene. Das haben wir bereits bei der Alpha-Variante (ehemals britische Mutation) beobachtet. Das ist eine berechtigte Befürchtung, dass diese Entwicklung auch bei der Delta-Variante passiert. Es sieht so aus, dass bei dieser Variante deutlich mehr Viruslast produziert und damit auch verteilt wird. Es steht eine größere Virusdosis zur Verfügung, um andere Personen anzustecken. Das ist ein klassischer Mechanismus: die Variante mit der höheren Überlebenschance verdrängt diejenigen, die aus Sicht des Virus weniger Chancen haben. Der Landkreis Traunstein bewegt sich hochgerechnet am Anteil der Delta-Variante im bundesweiten Durchschnitt zwischen 35 und 40 Prozent – Tendenz steigend. Das ist etwas, was vor dem Landkreis nicht Halt machen wird.

Das normale Leben nimmt dennoch wieder Fahrt auf. Wiegt sich die Bevölkerung zu früh in Sicherheit?

Das ist schwer zu beantworten. Aus psychologischer Sicht glaube ich, dass alle Beteiligten über ein großes Stück Normalität froh sind. Das ist auch sehr gut. Vor drei Jahren hätte niemand daran gedacht, dass es mal einschneidende Beschränkungen geben wird. Die jetzige Zeit sollten die Bürger daher auch genießen können.

Dennoch gilt es nach wie vor in vernünftiger Art und Weise nicht zu sorglos umzugehen. Die Maßnahmen sollten weiterhin sehr ernst genommen werden. Ich möchte an dieser Stelle auch für eine der wesentlichsten Maßnahmen werben: das Impfen. Derzeit haben wir eine sehr gute Impfstoffversorgung. Aktuell haben im Landkreis 84.300 Menschen bereits eine erste Impfung erhalten, knappe 64.000 eine Zweitimpfung. Das Impfen kann dazu beitragen, die Normalität zu halten. Daher mein großer Appell, auch an Gruppen, die das bisher noch nicht die Chance dazu hatten oder die Notwendigkeit dafür gesehen haben, die Impfangebote zu nutzen.

Bis wann könnte jedem Bürger im Landkreis ein Impfangebot gemacht werden?

Die wichtigste Unbekannte ist hier die Impfstoffversorgung. Wenn es jedoch so weitergeht wie zuletzt, sollte bis Mitte September jeder eine erste Impfung erhalten haben.

Wie gut schützen Impfungen gegen neue Mutationen? Wie wichtig ist es diesbezüglich, dass ein Großteil der Bevölkerung möglichst bald geimpft ist?

Je früher jemand einen vollständigen Impfschutz hat, umso besser ist es natürlich. Bisherige Erkenntnisse bei der Delta-Variante zeigen, dass es trotz zweimaliger Impfung zu einer Infektion kommen kann. Nach der zweiten Impfung gibt es aber kaum schwerere Verläufe oder Krankenhausaufenthalte. Dies ist ein sehr großer Erfolg der Impfung.

Fürchten Sie persönlich eine vierte Welle?

Ich gehe realistischerweise davon aus, dass die Zahlen im Herbst steigen werden. Wie stark oder wie groß die individuelle Betroffenheit sein wird, hängt maßgeblich davon ab, wie viele Menschen sich impfen lassen. Atemwegserkrankungen, dazu zählt auch das Coronavirus, können im Herbst wieder zunehmen. Ob es sich jedoch wieder so aufbäumt, dass von einer Welle gesprochen werden kann, bleibt abzuwarten. Realistischerweise muss man sagen, wird man dieses Virus nicht ausrotten können. Auf längere Sicht werden wir mit dem Coronavirus leben müssen, wie mit anderen grippalen Viren auch. Wichtig ist, die individuelle Betroffenheit und die Zahl der Neuinfektionen zurückzudrängen. Je geringer die Krankheitslast auch ist, desto kürzer wird die Krankheit sein und umso weniger verteilt sich das Virus.

Wie bereitet sich das Gesundheitsamt auf einen möglichen raschen Wiederanstieg vor? Oder ist das Sache von Bund und Länder?

Wir sind nach wie vor im wöchentlichen Austausch mit den wesentlichen Playern in diesem Gebiet, sei es Rettungsdienste, Krankenhaus oder im niedergelassenen Bereich, um vermeintliche Schwerpunkte zu sehen, die es derzeit zum Glück nicht gibt. Dieser Austausch bleibt und ist alarmierbar.

Auch die Abwicklung im Gesundheitsamt ist so aufgestellt, dass wir zum einen sehr digital unterwegs sind, beispielsweise hatten wir vor Corona bereits das Meldesystem des Robert-Koch-Instituts, mittlerweile habe wir auf SORMAS umgestellt. Unser System ist zudem so atmend, dass wir in der Pandemiebearbeitung nichts ändern, sondern diese situationsbedingt Mitarbeiter sehr kurzfristig von ihren „normalen“ Aufgaben abbestellt, sollte dies notwendig sein.

Was wünschen Sie sich für die kommende Zeit?

Auch wenn ich mich wiederhole. Aber die wirkungsvollste Maßnahme ist tatsächlich die Impfung und ich hoffe, dass möglichst viele Bürger diese Option wahrnehmen. Die Zahlen haben gerade abgenommen und alles scheint wieder normal zu laufen. Die Impfung dauert jedoch bis sie wirkt. Jetzt ist jedoch die beste Gelegenheit, sich impfen zu lassen. Jeder Geimpfte trägt damit einen Beitrag zum Selbstschutz bei, aber auch dass die Infektionszahlen im Herbst nicht mehr so stark ansteigen, wovon letztendlich alle profitieren.

Vielen Dank für das Gespräch.

jz

Kommentare