„Auf uns abwälzen ist kurzfristig schwer“

Für Schnelltests eingespannt: Apotheken im Landkreis Traunstein unter hoher Belastung

Apotheken sollen in die Pflicht genommen werden, Corona-Schnelltests anzubieten. Nicht allen sagt das zu.
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Apotheken sollen in die Pflicht genommen werden, Corona-Schnelltests anzubieten. Nicht allen sagt das zu.

Grundsätzlich sei die Einbindung der Apotheken für die Durchführung von Corona-Schnelltests nichts Schlechtes, erklärt der Pressesprecher der Apotheken im Landkreis Traunstein, Lorenz Fakler, im Gespräch mit chiemgau24.de. Doch er sieht in der kurzfristigen Forderung der Regierung verschiedene Probleme.

„Das auf die Apotheken abzuwälzen ist kurzfristig schwer“, erzählt Lorenz Fakler, Inhaber der Apotheke am Stadtpark in Traunstein, im Telefonat. Seiner Ansicht nach ist die Grundidee der Schnelltests unter Einbeziehung der Apotheken nicht falsch. An der Umsetzung und der Kurzfristigkeit hapere es aber: „Ein guter Wille ist da, aber trivial ist das nicht“, sagt Fakler und differenziert zwischen Vor- und Nachteilen.

Zwar sehe er den klaren Vorteil der Durchführung eines Schnelltests durch geschultes Personal, jedoch stelle genau dieser Vorteil auch eines der größten Hindernisse dar. Denn der bürokratische Aufwand sei groß, so Fakler: „Die Apotheken sind ja weiterhin offen. Das Personal ist eingebunden. Also muss mehr Personal her und auch die Räumlichkeiten können nicht doppelt genutzt werden.“ So schnell sei das kaum umzusetzen.

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„Die Apotheken, die bereits Bezahltests angeboten haben, können gleich starten“, erklärt Fakler „Vereinzelte Kollegen machen das.“ Doch für die Apotheken, welche die entsprechende Logistik noch nicht umgesetzt haben, gestalte sich die schnelle Anpassung oft schwierig. Neben den bürokratischen Hürden erschwert die Suche nach zusätzlichem geschulten Personal und nach geeigneten Räumen, in denen sich die Tests korrekt und effizient durchführen lassen, das Ganze oftmals weiter.

Fakler über die wichtige Position der Apotheke: „Ich verstehe die Politik, dass eine Lösung hermuss“

Fakler betont im Gespräch aber mehrmals, dass er die Einbindung der Apotheken nicht ausschließlich negativ betrachte: „Ich verstehe die Politik dahingehend, dass eine Lösung hermuss.“ Positiv merkt der Sprecher der Apotheken im Landkreis Traunstein weiter an: „Grundsätzlich ist es gut, weil die Apotheken ja vor Ort die Ansprechpartner beim Thema Gesundheit sind und bleiben.“

Jedoch bekäme er teilweise den Eindruck, dass zu schnell und wenig durchdacht gehandelt wurde: „Zentrale Teststrecken sind gut, aber das in Apotheken zu machen, ist schwierig.“ Fakler verweist dabei auf das Problem, dass einige Kunden von Apotheken, nicht nur Menschen sind, welche sich testen lassen wollen, sondern auch schwache, alte oder vorerkrankte Menschen. Kurzum: Es steigt die Gefahr, dass potenziell an Corona Erkrankte und Risikopatienten aufeinandertreffen. Für kurzfristige Zwischenlösungen gibt er sich wenig offen: „Vor der Apotheke einen Pavillon aufzubauen, das geht nicht.“

Aufstockung ‚herkömmlicher‘ Teststrecken laut Fakler sinnvoller

Laut Fakler wäre es sinnvoller gewesen, die bereits bestehenden Teststrecken aufzustocken. Hier sieht er mehr Potenzial: „Da ist die normale Teststrecke sinnvoller“. Dorthin kämen schließlich ausschließlich diejenigen, die sich testen lassen wollen und nicht etwa auch diejenigen, die nur Medikamente abholen wollen.

mda

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