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Handwerk in den Kreisen Traunstein und BGL

So schätzt Kreishandwerksmeister Kotter die Lage ein

Gerhard Kotter, Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Traunstein-Berchtesgadener Land über die Zukunft des Handwerks
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Gerhard Kotter, Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Traunstein-Berchtesgadener Land über die Zukunft des Handwerks

Auch in Krisenzeiten blickt Gerhard Kotter, Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Traunstein-Berchtesgadener Land, in eine positive Zukunft. „Wir rechnen damit, dass die öffentliche Hand mit ihren Wohnbaugesellschaften weiter massiv investieren wird.“ Den Arbeitskräftemangel will er mit „gezielter Einwanderung“ lösen.

Traunstein / BGL - Herr Kotter, die Kreishandwerkerschaft Traunstein-Berchtesgadener Land vertritt über 1000 Unternehmen aus zwölf Innungen in zwei Landkreisen. In den vergangenen Jahren waren die Auftragsbücher voll. Waren das „goldene Jahre“?

Gerhard Kotter: Das Handwerk hat eine jahrhundertelange Tradition und die Quintessenz ist: Ohne das Handwerk geht es nicht. Wenn wir uns die Energiewende als Stichwort ansehen, stellt man fest, dass alle Politiker beschließen können, was sie wollen. Aber ohne den Innungsbetrieb, sei es Elektro, Bau oder Sanitär-Heizung-Klima, wird dies alles nicht funktionieren. Deshalb blicken wir nach wie vor in eine positive Zukunft.

Die Zinsen steigen, die Investitionsbereitschaft sinkt. Besteht die Gefahr, dass die Innungen in Krisenzeiten auf eine Flaute zusteuern?

Kotter: Zum einen haben steigende Zinsen natürlich auf die Investitionsbereitschaft von Einfamilienhäusern Einfluss. Wir rechnen aber damit, dass die öffentliche Hand mit ihren Wohnbaugesellschaften weiter massiv investieren wird. Auch etwa der Bau des Campus Chiemgau wird im Landkreis Traunstein für genügend Arbeit sorgen. In beiden Landkreisen wird viel gebaut. Dort werden zwei komplett neue Berufsschulen mit einem Investment von knapp 250 Millionen Euro entstehen.

Wer aktuell einen Handwerker braucht, bekommt teilweise erst Monate später einen Termin - wenn überhaupt. Kratzt das nicht am Handwerker-Image? 

Kotter: Das zeigt nur, dass das Handwerk gefragter denn je ist.

Der Fach- und Arbeitskräftemangel ist spürbar. Wie viele Ausbildungsplätze gab es in diesem Jahr landkreisübergreifend, wie viele konnten besetzt werden? 

Kotter: Es gehen jetzt viele Fachkräfte der geburtenstarken Jahrgänge in Rente. Diese Tatsache wird eine erhebliche Lücke in den Wissensstand und die handwerklichen Betriebe reißen. Im Vergleich hatten wir vor 15 Jahren im Landkreis Traunstein noch 2500 Schulabgänger. Im Jahr 2023 werden es nur noch 1500 sein. In den nächsten Jahren ist mit dieser Zahl also zu rechnen. Dadurch müssen wir als Handwerker viele Anstrengungen unternehmen, um Lehrlinge zu gewinnen. Wir in der Kreishandwerkerschaft Traunstein-Berchtesgadener Land veranstalten deshalb jedes Jahr eine dreitägige Berufsinformationsmesse, bei der erfreulicherweise immer bis zu 1200 interessierte Schüler das Handwerk kennenlernen dürfen.  

Bei den Friseuren findet sich so gut wie kein Nachwuchs. Liegt das an der schlechten Bezahlung?

Kotter: Die Friseure und auch der Pflegefachbereich haben beide in unbegründeter Weise ein schlechtes Image. Das ist eine politische Aufgabe. Ich denke, wenn ein Kunde den Salon mit einem tollen neuen Look und gutem Trinkgeld für den Friseur verlässt, hat sich diese Frage erübrigt.

Welche Auswirkungen hat der Arbeitskräftemangel langfristig gesehen? 

Kotter: Langfristig sind wir auf die Zuwanderung von qualifizierten Fachkräften angewiesen, sei es in der Pflege- oder Ernährungsbranche, aber auch im Baubereich. Diese darf natürlich nicht wie bis jetzt im Gießkannenprinzip geschehen, sondern es müssen qualifizierte Fachkräfte direkt in ihren Herkunftsländern angeworben werden. Einreisebedingungen, Aufenthaltsgenehmigungen und Arbeitserlaubnis müssen unkompliziert erfolgen. Länder wie Neuseeland und Kanada machen es vorbildlich vor. Nur eine gezielte Einwanderung der Fachkräfte, deren Qualifikation nachgewiesen ist, hilft uns und vor allem auch den Kunden, ihre gewohnten Leistungen weiter zu erhalten.  

Die Betriebe befinden sich in herausfordernden Zeiten: Steigende Energie- und Materialkosten treffen auf Lieferengpässe. In welcher Branche drückt der Schuh derzeit am meisten?  

Kotter: Alle von Energie abhängigen Betriebe trifft es sehr hart. Aber auch der Mindestlohn, der das komplette Lohngefüge durcheinander gebracht hat, ist ein großes Problem. Materialkosten und Lieferengpässe dürfte jeder mittlerweile gewohnt sein: Die aktuelle weltpolitische Lage ist selbstverständlich ein großes Problem. Die Lage war definitiv schon mal besser.

kp 

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