Landrat und Kreisbrandrat ziehen Bilanz

Katastrophenfall: Bei Kliniken wurden sogar schon Vorräte knapp

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Kreisbrandrant Christof Grundner (links) und Landrat Siegfried Walch. 

Traunstein - Nach fast neun Tagen Katastrophenfall im Landkreis wurde jetzt Bilanz gezogen: Bei der Rückschau von Landrat Walch und Kreisbrandrat Grundner wird klar, wie arg die Lage teils schon war.

Es war eine gute Gelegenheit Danke bei allen Beteiligten und Ehrenamtlichen zu sagen und auch um ein Fazit zu ziehen: Im Kreisausschuss am Mittwoch blickten Landrat Siegfried Walch und Kreisbrandrat Christof Grundner zurück: "Ein wirkliches Chaos gab es bei uns nie. Die Region hat immer funktioniert", so Walch - und trotzdem merkt er an, dass es "oft happig geworden ist oder ganz brutal pressiert hat". 

Bei den Kliniken wurde der Sauerstoff langsam knapp

Die Räumungen in Raiten bei Schleching oder im Feriendorf Vorauf bei Siegsdorf gingen genauso auch durch die überregionale Presse, wie die Hilfe der Bundeswehr oder auswärtiger Feuerwehren. Nun werden aber auch weitere Details des Katastrophenfalls im Landkreis bekannt: "Den Kliniken im Landkreis ist sogar schon der Sauerstoff langsam ausgegangen, weil der Nachschub nicht mehr sichergestellt werden konnte", so Walch. Anhand von diesem Beispiel sei es also ein "Schmarrn", von einem "ganz normalen Winter" zu sprechen, wie dies manche taten.

Aus ganz Bayern wurden Schneeschaufeln herangeschafft

Chronologie: Schneemassen und Katastrophenfälle in der Region

"Man glaubt es nicht, was das für ein organisatorischer Aufwand war", so Walch. Man hätte alle Baumärkte, Lagerhäuser und Hersteller nach Schneehexen abgeklappert, es wurde genommen, was herging. "Wir mussten auf die Schnelle auch hunderte Schneeschaufeln herkriegen", so Kreisbrandrat Grundner - aus ganz Bayern seien die dann in den Landkreis gebracht worden. "So viele Schneehexen hätten wir gar nicht kaufen können, wie wir gebraucht hätten", so Walch. 

Gibt es für Privatleute Geld aus einem Katastrophenfonds, ähnlich wie beim Hochwasser - zum Beispiel wenn auf eigene Rechnung Dächer abgeschaufelt wurde? Nein, wurde aus den Reihen der Kreisverwaltung beantwortet. Aber die Elementarversicherungen werden das wohl anerkennen.

Im nördlichen Landkreis verstanden manche die Situation nicht

Bilanz des Roten Kreuzes zum Katastrophenfall

Wenig Verständnis hatten die Bürgermeister und Kreisräte aus dem Landkreis dagegen für Beschwerden von Bürgern, vor allem aus den nördlichen Gemeinden: "Es ist schon schade, dass in den Kommunen, die weniger betroffen waren, oft wenig Verständnis für die Situation aufkommt", so Trostbergs Bürgermeister Karl Schleid. Er berichtet unter anderem von Anrufen bei seiner Stadtverwaltung, dass der Zeitungsbote nicht ordentlich zum Postkasten gekommen wäre. "Da müssen sich die Leute auch mal an die eigene Nase nehmen."

Auch der Chieminger Kreisrat Heinrich Wallner berichtet: "Bei uns war es eigentlich eher wie ein leichter Winter und trotzdem sind etliche Anrufe und E-Mails bei der Gemeinde eingegangen." Da musste man den Leuten schon erklären, dass die Situation in Traunstein oder südlich davon "mit zwei Metern Schnee was anderes ist, als die paar Zentimeter bei uns", so Wallner. Und wie wird sich der Schneekatastrophenfall finanziell auf den Landkreis auswirken? "Darüber können wir aktuell überhaupt noch nichts sagen", so Landrat Walch.

- "Das war kein Schneechaos": Kommentar unserer Reporterin Christine Stanggassinger aus Bischofswiesen

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