Kommunalwahl Bayern 2020: Landratskandidatin im Landkreis Traunstein

18 Fragen an Gisela Sengl (Bündnis 90/Die Grünen)

Die Traunsteiner Landratskandidatin der Grünen: Gisela Sengl.
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Die Traunsteiner Landratskandidatin der Grünen: Gisela Sengl.

Traunstein - Am 15. März 2020 finden in Bayern die Kommunalwahlen statt. Auch im Landkreis Traunstein wird der Landrat gewählt. Wir stellen Ihnen die Kandidaten vor. Dieses Mal: Gisela Sengl (Bündnis 90/Die Grünen).

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Die Antworten auf unseren Fragebogen:

1. Name

Gisela Sengl


2. Partei

Bündnis 90/Die Grünen

3. Alter

59

4. Wohnort

Sondermoning (seit 1995)

5. Geburtsort

München

6. Familienstand

verheiratet

7. Kinder

drei erwachsene Kinder, zwei Enkelkinder

8.  Wie verlief Ihre bisherige politische Karriere?

• seit 1984 arbeite ich bei den Grünen mit 

• seit 1998 bin ich Parteimitglied bei Bündnis 90/Die Grünen 

• seit 2013 Mitglied des Bayerischen Landtags 

• Seit 2016 bin ich stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Sprecherin für Landwirtschaft und Ernährung der Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen

9. Wer sind Ihre politischen Vorbilder?

Vorbildhaft sind für mich bestimmte Eigenschaften, die Politiker und Politikerinnen haben sollten und das sind: Ehrlichkeit, Kooperationsfähigkeit und Mut für Visionen.

10. Was verbindet Sie mit Ihrer Kommune? Was ist das Besondere Ihrer Kommune?

Ich bin in München aufgewachsen und lebe seit meinem zwanzigsten Lebensjahr auf dem Land und ich genieße das Landleben sehr. Ich liebe unsere wunderschöne Natur und deshalb liegt mir die Bewahrung unserer Schöpfung auch so am Herzen. Wir sind außerdem eine Zuzugsregion und das finde ich gut: diese Vielfalt macht unseren Landkreis so lebendig und interessant!

11. Warum sind Sie genau die Richtige?

Ich bin die Richtige, weil für mich der Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen, der Kampf gegen den Klimawandel und ein friedliches Miteinander ein echtes Anliegen sind und nicht nur ein paar Wahlkampfslogans.

12. Was wurde in der vergangenen Amtszeit verpasst? 

  • Erstens wird der Klimaschutz bei mir an erster Stelle stehen, das heißt, alle Maßnahmen, die der Landkreis zu verantworten hat, müssen den Klimaschutz als oberstes Ziel haben. 
  • Zweitens will ich mich um das Arbeitsklima in den Kreiskliniken kümmern. Die schwarze Null darf niemals zu Lasten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehen. 
  • Drittens werde ich mich um eine regionale, frisch gekochte Verpflegung in den landkreiseigenen Häusern kümmern, also in den Kreiskliniken, in den Kreisaltenheimen, in den Landkreisschulen, das ist nämlich echte regionale Wertschöpfung und stärkt unsere Landwirtschaft und das Lebensmittelhandwerk. 
  • Viertens will ich alle Menschen, die bei uns leben, erlauben, dass sie arbeiten oder eine Ausbildung machen können. Wir haben großen Arbeitskräftemangel, da ist es einfach menschlich und wirtschaftlich vollkommen daneben, wenn Geflüchteten, die schon jahrelang bei uns leben, die Arbeits- bzw. Ausbildungserlaubnis verweigert wird. 
  • Fünftens werde ich mich für ein günstiges Ticket für alle Schülerinnen und Schüler und Auszubildende einsetzen und zwar ohne zeitliche Begrenzung.

13. Was ist für Sie die größte Herausforderung Ihrer Kommune? Wie stehen Sie dazu und was gedenken Sie zu tun?

Die größte Herausforderung wird die Einführung eines gut funktionierendem Öffentlichen Nahverkehrs sein, das hat für mich als Landrätin die oberste Priorität. Wir müssen unsere klimaschädlichen Emissionen reduzieren und da kann ein attraktiver öffentlicher Nahverkehr einen großen Beitrag leisten. Touristen, Pendlern, Schülern, alten und jungen Menschen können wir so das Leben erleichtern und unsere Dörfer von dem starken Durchgangsverkehr entlasten. Um nur einige Baustellen zu nennen: Wir brauchen auch am Wochenende gut getaktete Bus- und Zugverbindungen, insbesondere unsere drei großen Städte Trostberg, Traunreut und Traunstein müssen viel besser verbunden werden. Trostberg braucht eine regelmäßige und schnelle Verbindung nach München. Wir brauchen einen möglichst großen Verkehrsverbund mit den Nachbarlandkreisen, damit junge Menschen mit dem ÖPNV in die Berufs- und Fachschulen und in ihre Ausbildungsstätten fahren können. Und wir brauchen vor allem günstige Ticketpreise, damit der ÖPNV auch von allen genutzt werden kann. Der Landkreis ist der Aufgabenträger für den öffentlichen Personennahverkehr, deshalb kann hier der Landkreis echt was in Bewegung setzen!

14. Was sind – neben den größten Herausforderungen – Ihre drei wichtigsten Ziele in den kommenden sechs Jahre? Was wollen Sie für die Menschen in ihrer Kommune erreichen?

  • Flächenverbrauch eindämmen – hier hat der Landkreis leider eine negative Spitzenstellung, da der Landkreis Traunstein beim Flächenverbrauch weit über den Schnitt in Bayern liegt. Deshalb werde ich ein Gewerbeflächen- und Wohnraumflächenmanagement in enger Zusammenarbeit mit den Kommunen schaffen.
  • Kunst und Kultur fördern – ob traditionell oder modern - ein reiches künstlerisches und kulturelles Leben kommt uns allen zu Gute. Kunst von Künstlerinnen und Künstlern aus dem Chiemgau im öffentlichen Raum, ob Unterführungen, Kreisverkehre, öffentliche Gebäude – hier wäre noch viel Platz! Kunst- und Kulturförderung an den landkreiseigenen Schulen durch Zusammenarbeit mit unseren lokalen Kulturschaffenden. 
  • Für transparente und ehrliche Politik einstehen. Politische Prozesse müssen transparent sein, sie müssen Beteiligung ermöglichen, nur dann können wir unser gesellschaftliches Miteinander gestalten und mit den Herausforderungen der Zukunft fertig werden.
  • Als Landrätin werde ich mich für Beteiligungsformen mit Hilfe der sozialen Medien und eine Landkreis- Bürgerversammlung einsetzen und die Bürgersprechstunden erweitern und bewerben. Über die Berichte und Beschlüsse aus der Kreistagssitzung und aus den Kreisausschüssen werde ich übersichtlich und klar auf der Homepage des Landratsamtes und über eine eigene Seite in sozialen Netzwerken informieren.

15. Bezahlbarer Wohnraum ist bei uns Mangelware. Wie sehen Sie die aktuelle Situation in Ihrer Kommune und was gedenken Sie hier zu tun?

Der Landkreis ist mit seinem Zweckverband Heimat. Chiemgau und der Wohnungsbau GmbH schon ganz gut aufgestellt, dass würde ich fördern und weiter ausbauen. Zudem werde ich folgendes voranbringen: 

• Sozialgebundenen Wohnraum erhalten, öffentliche Gebäude CO2-neutral bauen, sanieren und nutzen. 

• Wohnraumbörse initiieren – wir brauchen die gesellschaftliche Diskussion über die Verteilung des Wohnraums und müssen Menschen, die bereit für einen Wohnungstausch sind, unterstützen. 

• Leerstand nutzen 

• Grünflächen beim Wohnungsbau erhalten und naturnah gestalten

16. Der Klimaschutz ist im Moment in aller Munde. Wie wichtig ist Ihnen dieses Thema und was gedenken Sie hier zu tun?

Der Schutz des Klimas, Förderung Erneuerbarer Energien und der Energieeffizienz sind wesentliche Punkte Grüner Kommunalpolitik im Landkreis. Ziel ist es, möglichst viel CO2 einzusparen. Wir müssen umstellen auf 100% Strom aus Erneuerbaren Energien, auf eine klimaneutrale Wärmeversorgung und umweltfreundliche Mobilität. Wir wollen mehr Energie in Bürgerhand –Stromerzeugung aus Wind, Sonne und Biomasse, die von Bürgerenergiegenossenschaften betrieben wird. Kommunen haben eine Vorbildfunktion. Wir setzen auf Energiesparkonzepte und die energetische Sanierung der öffentlichen Gebäude. Das Ziel muss der CO2-freie Betrieb der Gebäude sein, möglichst bis 2025. Um die Herstellungsenergien der Gebäude zu senken, ist es notwendig, den Baustoff Holz in einem wesentlich größerem Maß zu verwenden. Die Digitalisierung bietet außerdem viele Möglichkeiten, Strom, Lüftungsanlagen und Wärmeerzeuger optimal zu steuern und damit viel Energie einzusparen. Leider ist der Bau von Windkraftanlagen zurzeit durch gesetzliche Vorgaben der Bayerischen Staatsregierung blockiert. Wir hoffen, dass es der Landtagsfraktion möglichst schnell gelingt, diese Blockadepolitik zu beenden. Geothermische Anlagen werden aktuell im nördlichen Landkreis geplant. Mit Hilfe des heißen Wassers aus dem Erdinneren kann Strom erzeugt werden, was im Moment aufgrund der EEG-Umlage wirtschaftlich interessant ist. Die Zukunft der Geothermie sehe ich aber im Wärmebereich, denn das ist das eigentliche Potential der Geothermie. Der Staat, aber auch der Landkreis und die Kommunen sind gefordert, ein effizientes Fernwärmenetz zu fördern und aufzubauen, damit die Wärme optimal genutzt wird. Dazu zählen auch die Standortauswahl für Geothermiekraftwerke und eine ressortübergreifende Planung von Fernwärmetrassen in Verbindung mit Straßen- und Bahnausbauprojekten.

17. Volksbegehren „Rettet die Bienen“ und neue Düngeverordnung: Wie stehen Sie zu den Protesten der heimischen Landwirte und gedenken Sie in diesem Punkt zu handeln? Falls ja, wie?

13.860 Familienbetriebe mussten in Bayern zwischen 2010 und 2018 aufgeben, ein deutschlandweiter Höchstwert. Aufgrund des enormen Preisdrucks wird den bäuerlichen Betrieben keine Wahl gelassen: Sie müssen wachsen und ihre Nutztierhaltung immer stärker intensivieren oder weichen. Die landwirtschaftlichen Betriebe arbeiten in einem System, das sie zu einer immer intensiveren Wirtschaftsweise zwingt. Für ihre hochwertigen Lebensmittel erhalten sie dennoch nicht die Preise, die sie zum Überleben benötigen. 

Bauern und Bäuerinnen, landwirtschaftliche Betriebe mit den unterschiedlichsten Betriebszweigen, sind ein wichtiger Teil der Gesellschaft, wie beispielsweise auch Krankenschwestern und Kinderpfleger. All diese Berufe erfordern sehr viel Engagement, sie haben außergewöhnliche Arbeitszeiten, erfordern umfangreiches Fachwissen und sind an zahlreiche gesetzliche Vorschriften gebunden - das bedeutet viel Verantwortung. 

Die aktuellen Bauernproteste zeigen, wie groß die Unzufriedenheit ist und wie beklemmend die Situation auf manchen Höfen. Ein Weiter so wie bisher, nur mit weniger Auflagen und Kontrollen ist keine Lösung. 

Wir Grüne und ich als Landrätin möchten Natur und Umwelt, aber auch die bäuerlichen Betriebe, die bayerische Kulturlandschaft und die einzigartigen Ortsbilder in unserem Landkreis erhalten. Das gelingt nicht mit einer ausschließlich weltmarktorientierten Landwirtschaft. Geht es so weiter wie bisher, können auch in Bayern nur industrialisierte Produktionsstätten überleben, die immer mehr und immer billiger produzieren - auf Kosten der Betriebe, auf Kosten der Böden, des Wassers, der Artenvielfalt und der Tiere und auf Kosten der Verbraucherinnen und Verbraucher. 

Um unsere Lebensgrundlagen zu schützen und bäuerlichen Betrieben eine gute Zukunft zu sichern, braucht es Veränderung. Das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ hat hier den ersten Schritt unternommen. Über 18 Prozent der bayerischen Bevölkerung haben unterschrieben, damit war dieses Volksbegehren das erfolgreichste Volksbegehren aller Zeiten. 

Deshalb sind wir alle gefordert, die Politik, die Gesellschaft und die Landwirtschaft bei der Umsetzung der Ziele des Volksbegehrens mit zu wirken. Wir setzten auf Dialog und eine gemeinsame Suche nach zukunftsorientierten Lösungen. 

Um eine nachhaltige und ökologische Landwirtschaft im Landkreis Traunstein weiter auszubauen, brauchen wir eine entsprechende Vermarktung, eine gesicherte Nachfrage und die ehrliche Bereitschaft, für ökologisch und nachhaltig erzeugte Lebensmittel mehr Geld auszugeben. Auch der Wert von Lebensmitteln und die Wertschätzung der Menschen, die mit Lebensmittel zu tun haben, muss besser vermittelt werden. Dazu kann der Landkreis einiges beitragen. Deshalb werde ich mich als Landrätin für die Ausweitung der Ökomodellregion auf den ganzen Landkreis einsetzen und für die Verwendung von regionalen und biologischen Lebensmitteln in allen landkreiseigenen Schulen, Altenheimen und im Kreisklinikum.

18. Gibt es noch ein wichtiges Anliegen, das Sie Ihren Wählern gerne mit auf den Weg geben würden? Falls ja, welches?

Demokratie ist kein Konsumgut. Demokratie braucht eine aktive Bürgerschaft und politisch Verantwortliche, die das auch ermöglichen. Aber unsere Demokratie leben können wir nur, wenn wir für den Erhalt unserer natürlichen Umwelt einstehen. Als Landrätin werde ich da sein - für die Menschen, für ihre Belange, aber auch für ihre Sorgen und Ängste. Ich stehe für eine offene, respektvolle und mitfühlende Politik für die Menschen und für die Natur.

Anmerkung der Redaktion: Die Antworten der Kandidatin/des Kandidaten wurden 1:1 von der Redaktion übernommen, inhaltlich nicht überarbeitet und müssen deswegen nicht die Meinung der Redaktion widerspiegeln.

Quelle: rosenheim24.de

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