„Nur ein Tropfen auf den heißen Stein“

Feuerwehren leiden unter Ausbildungsstau: Wer hilft den Helfern?

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An den Feuerwehrschulen sind die Wartelisten bei besonders wichtigen Lehrgängen extrem lang.

Landkreise Traunstein/Altötting. „Es treibt mir wirklich die Sorgenfalten auf die Stirn, wenn ich mich auch freue, dass wir für die Feuerwehren im Landkreis Traunstein etwas Abhilfe schaffen konnten“, erklärt Kreisbrandrat Christof Grundner. 

Es ist bayernweit derzeit ein heiß diskutiertes Thema, den Bedarf an Nachwuchsführungskräften nachhaltig zu decken. Der Bayerische Rundfunk hat das Thema im Radio und in der Abendschau am 23. Dezember aufgegriffen und die Sorgen den Ehrenamtlichen ausführlich dargestellt. 


An den Feuerwehrschulen sind die Wartelisten bei besonders wichtigen Lehrgängen extrem lang und bis die Maßnahmen zur Steigerung der Ausbildungskapazitäten greifen, werden „noch Jahre ins Land ziehen“, so Grundner. Elf Frauen und Männer aus Traunstein sowie fünf aus dem Kreis Altötting konnten kürzlich einen Lehrgang bei der Werkfeuerwehr InfraServ Genorf belegen und haben die staatliche Prüfung bestanden. 

Hauptproblem sei die fehlende Bereitschaft des Freistaates Bayern zur Kostenübernahme der Lehrgangsgebühren an nichtstaatlichen Ausbildungsstätten. Die Gemeinden als Sachaufwandsträger der Feuerwehren müssen dies, im Gegensatz zu einem Lehrgang an der Feuerwehrschule, komplett aus der eigenen Tasche bezahlen. „Dies ist ein Zustand der mir in keiner Weise gefällt“, so Grundner. „Deshalb ist es aus meiner Sicht zwingend erforderlich, dass die Lehrgangskosten für anerkannte Ausbildungsbetriebe auch außerhalb der Schulen in Geretsried, Regensburg und Würzburg vom Staatssekel getragen werden, bis die angestrebten Kapazitätssteigerungen greifen“. 


Qualitativ steht der Lehrgang in Gendorf dem an der Feuerwehrschule in nichts nach. Dies zeigen in erster Linie die durchwegs guten Prüfungsergebnisse. Es kommen extra Prüfer aus Geretsried angereist und überzeugen sich persönlich, vom Wissensstand der angehenden Gruppenführer. Dies bestätigt auch Lehrgangsleiter Christian Rapp, „wir hatten in diesem Lehrgang lauter hoch motivierte Leute, die allesamt das Zeug zum Gruppenführer haben“. 

Im Gegensatz zum einwöchigen Kurs bei einer Feuerwehrschule findet dieser Lehrgang in Form einer „Abendschule“ sowie an Samstagen statt, was vielen Teilnehmern zusätzlich entgegenkommt. Katrin Geisreiter von der Feuerwehr Hochberg zeigte sich vom Lehrgang total begeistert, „es darf hier auch mal was schief gehen und die Ausbilder begegnen einem immer auf Augenhöhe“, berichtet sie freudig. 

Für Bernhard Huber, der vom Landkreis Traunstein im Rahmen seiner Aufgaben in der Unterstützungsgruppe „Örtliche Einsatzleitung“ zu diesem Lehrgang entsandt wurde, bildet das breite Übungsspektrum den Kern des seiner Meinung nach „absolut empfehlenswerten“ Lehrgangs. „Von der ausgelösten Brandmeldeanlage bis zum schweren Verkehrsunfall, an den Samstagen geht es übungsmäßig Schlag auf Schlag“, so Huber und lobt dabei ausdrücklich das konstruktive Feedback am Ende jeder Übung. 

Für Christof Grundner sind die langen Wartelisten bei den „Gruppenführern“ nicht das einzige Problem. Im laufenden Jahr habe er einen Lehrgangsbedarf für die Feuerwehren im Landkreis Traunstein von 371 unterschiedlichen Lehrgängen gemeldet. „Bekommen haben wir lediglich 207 Plätze also etwas mehr als die Hälfte des Bedarfes“, betont Traunsteins ranghöchster Brandschützer. In den 80 Feuerwehren im Landkreis Traunstein gibt es 4500 Einsatzkräfte.

Der Kreisfeuerwehrverband selbst bietet jährlich etwa 3300 Aus- und Fortbildungen an, darf allerdings keine Gruppenführer „auf Landkreisebene“ ausbilden. Besonders prekär ist die Situation derzeit bei den so wichtigen Lehrgängen für Jugendwarte, also den Feuerwehrlern die sich um den Nachwuchs kümmern, den Gerätewarten und eben den Gruppenführern. „Hier hätten wir einen Bedarf von 82 Plätzen gemeldet, nur 49 Frauen und Männer wurden an eine der Feuerwehrschule. eingeladen und der Bedarf wird weiter steigen, da viele Feuerwehren auf Grund der zunehmenden Arbeitsbelastung einen zweiten stellvertretenden Kommandanten einführen, der diesen Lehrgang als Mindestqualifikation mitbringen muss“, so Grundner. 

„Ich hoffe wirklich, dass wir in der Sache weiter kommen und eine tragfähige Lösung finden. In erster Linie freue ich mich, dass wir nun 11 weitere, gut ausgebildete Gruppenführer im Landkreis Traunstein haben, die die Feuerwehren Hammer, Kienberg, Matzing, Hochberg, Gaden, Heiligkreuz, Staudach-Egerndach sowie die UG-OEL unterstützen. Es ist zwar nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, wir werden jedoch alles unternehmen, damit wir die Situation verbessern“, zeigt sich Kreisbrandrat Grundner zuversichtlich. 

Hob

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