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Chiemgau24.de hat in der Region nachgefragt:

„Normales Leben“ ohne Abstand und Maske nur noch mit 3G+?

Dr. Wolfgang Krämer leitet das Gesundheitsamt im Landkreis Traunstein.
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Dr. Wolfgang Krämer leitet das Gesundheitsamt im Landkreis Traunstein.
  • Christine Stanggassinger
    VonChristine Stanggassinger
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Mit den Club-Öffnungen am 1. Oktober kehrt auch ein Stück weit Normalität in den Alltag zurück. Die 3G+ Regelung soll dies in weiteren Bereichen ermöglichen. Doch wie ist die “neue” Freiheit einzuschätzen? Chiemgau24.de hat bei den Gesundheitsämtern nachgefragt.

Seit 1. Oktober darf in den Bars und Clubs der Region wieder gefeiert werden. Unter strikter Einhaltung der 3G+ Regel (Geimpft, Genesen oder PCR-Test) fallen Maskenpflicht und Abstandsregel weg. Ob dadurch eine Welle Neu-Infizierter auf uns zurollt, lasse sich nach sechs Tagen noch nicht sagen, erklärt der Traunsteiner Gesundheitsamtsleiter, Dr. Wolfgang Krämer, am Donnerstag (7. Oktober) im Gespräch mit Chiemgau24.de.

Kein Handlungsspielraum bei Corona-Tests im Fall von 3G+ in öffentlichen Einrichtungen

Dennoch sieht er durchaus einen positiven Aspekt an den neuen Regelungen: „Es gibt das Spannungsfeld zum einen den Schutz der öffentlichen Gesundheit und auf der anderen Seite das Wiederermöglichen eines normalen Lebens. Beides in Einklang zu bringen, ist jetzt mit den Paketen so geschnürt. Es kann sich jeder Impfen lassen, muss es aber nicht. Alle anderen haben die Zugangsmöglichkeit über die verpflichtende Testung.“

Die Tests seien wichtig und würden auch von den heimischen Landratsämtern nicht hinterfragt. „Die Infektionsschutzmaßnahmenverordnung sieht hier keinen Handlungsspielraum vor. Laut Gesetz darf die Durchführung des PCR-Tests höchstens 48 Stunden vor dem Eintritt in die Einrichtung erfolgen“, heißt es aus Mühldorf. Auch im Berchtesgadener Land bestätigt man eine strikte Durchführung der geltenden Regeln: „Auch PCR-Tests bieten immer nur eine Momentaufnahme. Eine Testung in regelmäßigem Abstand ist daher unerlässlich, ganz besonders dann, wenn man ohne Impfschutz, ohne Maske und Abstand mit anderen Besuchern im geschlossenen Raum feiern möchte.“

Corona-Maßnahmen mit 3G+ noch verhältnismäßig?

Allerdings sind die Tests ab Montag (11. Oktober) kostenpflichtig, nur in Ausnahmefällen bleibt ein Test kostenlos. Es wird von Preisen zwischen 65 und 100 Euro für einen PCR-Test gesprochen. Dazu soll in kommunalen Testzentren kein kostenpflichtiger PCR-Test angeboten werden. Private Anbieter nehmen auch nur zum Teil den höheren Aufwand in Kauf und rechnen ihre Tests künftig ab, im Berchtesgadener Land schließen zumindest die Teststationen des BRK ganz. Sind die aktuellen Corona-Maßnahmen dann noch verhältnismäßig?

Wolfgang Krämer hat dazu eine klare Meinung: „Mit keiner Maßnahme der Welt wird man diesen Corona-Virus ausrotten. Man wird Systeme und Regelungen finden müssen, wie man Schutz mit einem regelhaften Leben in Einklang bringt. Eines der wirkungsvollsten Instrumente bei viralen Erkrankungen ist die Impfung, wie bei allen anderen Krankheiten auch“, appelliert er an die Bevölkerung. Die aktuellen Lockerungen beziehungsweise die schrittweise Rückkehr zu einem „normalen Leben“ seien nur möglich, weil sich schon ein erheblicher Teil der Bevölkerung impfen habe lassen. „Je mehr Menschen geimpft sind, umso leichter werden wir uns in der Zukunft damit tun“, ist der Gesundheitsamtsleiter überzeugt.

Auch aus dem Landratsamt Altötting kommt ein ähnlicher Appell: „Fakt ist, dass eine spürbar höhere Impfquote wünschenswert wäre und wir alle Bürgerinnen und Bürger dazu aufrufen, die niederschwelligen Impfangebote im Impfzentrum sowie durch die mobilen Teams in Anspruch zu nehmen.“

In das selbe Horn bläst das Berchtesgadener Land: „Die Impfung ist in jedem Fall der beste Weg, die Pandemie in den Griff zu bekommen.“ In Mühldorf wird man konkreter: „In der vierten Welle ist festzustellen, dass überwiegend ungeimpfte Personen betroffen sind. Diese erkranken zum Teil schwer und müssen in einigen Fällen auch zur Behandlung ins Krankenhaus. Auch manche Geimpfte, die enge Kontaktpersonen sind, werden positiv.

Die Impfung schützt vor schweren Verläufen. Dies zeigen auch die Fälle unter den Geimpften, die in großer Mehrheit eher milde Verläufe mit keinen oder wenigen Symptomen haben, ähnlich einer üblichen Erkältung. Für die Zukunft bleibt zu hoffen, dass die medizinische Versorgung der jetzt vorwiegend betroffenen Ungeimpften im Klinikverbund zu bewältigen sein wird. Es ist zu befürchten, dass die aktuelle Impfquote in der Region nicht ausreichen wird, um die Pandemie in den Griff zu bekommen. Dies zeigen auch steigende Zahlen der Covid-Intensivpatienten in der aktuell stark betroffenen Region 18. (Landkreise TS, RO, BGL, MÜ, AÖ).“

Ist 3G+ wirklich eine Wahlmöglichkeit für Einrichtungen und jeden einzelnen?

Das Bayerische Gesundheitsministerium überprüfe laufend, ob und welche Maßnahmen noch erforderlich sind, bestätigt eine Sprecherin Chiemgau24.de. Mittlerweile hätten die Einrichtungen eine Wahl: „In Lebensbereichen, in denen die Einhaltung von Mindestabständen beziehungsweise das Tragen von Masken umsetzbar ist, ist beim derzeitigen Infektionsgeschehen das höhere Sicherheitsniveau, dass die 3G+ Regelung bietet, nicht zwingend erforderlich, sofern die Hygienevorgaben (Maske oder Mindestabstand, Lüftungen etc.) konsequent umgesetzt werden.“

Ist es wirklich eine Wahlmöglichkeit, dass ich nur mit PCR-Test ohne Maske tanzen darf, wenn ich nicht geimpft oder genesen bin? „Ich empfinde es nicht als Gängelung, sondern wenn man den Blick nach Österreich richtet, dann war die 3G Regelung unter den Rahmenbedingungen wie sie in den Clubs sind nicht ausreichend, um der Infektionswelle gerecht zu werden“, ist Wolfgang Krämer überzeugt. Die Club-Öffnungen hätten in Österreich eine Infektionswelle ausgelöst, die mit der PCR-Test-Regelung gebremst werden konnte. Doch dort sind die PCR-Tests noch kostenlos.

cz

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