Pressemitteilung Max Aicher Stiftung

Abschluss der Fachschulung "Fit für die Wohnung"

Landkreis Traunstein - Kürzlich erhielten die Teilnehmer der Fachschulung "Fit für die Wohnung" ihre Zertifikate. Das Max Aicher Bildungszentrum bot zum 1. Mal in Kooperation mit dem Landratsamt Traunstein, der Diakonie sowie des Helferkreises Trostberg diese Qualifizierung in der Asylunterkunft in Traunstein und im Sozialraum im Trostberg an.

Sie hat zum Ziel, neuen und allen interessierten Mitbürgern das selbständige Finden und Mieten von Wohnungen zu erleichtern und den Umgang mit Vermietern zu lernen. Umgekehrt soll sie auch Vermietern mehr Sicherheit bei Neumietern vermitteln. Die Schulung wird entsprechend dem Neusässer Konzept durchgeführt - erweitert um praktische Inhalte.

Fachschulung "Fit für die Wohnung" 

Wohnen will gelernt sein - das dachten sich auch die 20 Teilnehmer der "Mieterqualifizierung" in Traunstein und Trostberg. Vom 20. Mai bis 1. Juli 2019 drückten sie die Schulbank - 12 von ihnen erfüllten die Voraussetzungen zum positiven Abschluss und nahmen kürzlich ihre Zertifikate aus der Hand von Angela Aicher, dem Integrationslotsen des Landratsamtes Traunstein, Florian Griesbeck sowie Gabriele Bauer-Stadler vom Bildungszentrum Max Aicher entgegen.In zehn theoretischen, sowie einem praktischen Modul, werden an 11 Abenden viele Fragen rund um das Thema "Wohnen in Deutschland" behandelt. Ordnungsgemäße Mülltrennung, richtiges Heizen und Lüften, das Lesen einer Hausordnung, Rechte und Pflichten bei der Unterzeichnung eines Mietvertrages, sind ebenso Bestandteil der Schulung wie das Erstellen einer Bewerbungsmappe und die Klärung der Frage, wie ich eine Haftpflichtversicherung abschließe. Das über allem stehende Motto dabei ist: Hilfe zur Selbsthilfe zu erlernen - sich aktiv auf Wohnungssuche begeben.

Verpflichtendes Brandschutztraining 

Ein verpflichtendes Sicherheits- und Brandschutzmodul rundet die Schulung ab. Dazu fanden zwei Brandschutzschulungen bei den Feuerwehren in Traunstein und Trostberg statt. Haushaltsführung und die Brandschutzübung mit und bei der Feuerwehr sind Gegenstand des praktischen Lernens. Die Teilnehmer erlernten unter anderem die Bedienung eines Feuerlöschers sowie das Löschen von Kleinbränden. Natürlich durfte auch eine Führung durch das Feuerwehrhaus nicht fehlen. Die Fahrzeuge und die Gerätschaften der Feuerwehr wurden dabei ausführlich unter die Lupe genommen. Hellauf begeistert zeigte sich Traunsteins 2. Kommandant Andreas Zeiser vom Engagement, welches die Besucher an den Tag legten. "Es hat mir richtig viel Spaß gemacht, den Asylsuchenden etwas von der Brandverhütung beizubringen und das Feuerlöschtraining war eine riesen Gaudi", so Zeiser, der für 16 Personen aus dem Iran, Irak, Nigeria, Afghanistan und Sierra Leone einen Tag lang Ansprechpartner in Sachen vorbeugender Brandschutz war.

Die Trostberger Kameraden Bastian Sedlmaier-Orwat und Stefan Penkner waren Gastgeber für zehn Personen aus Afghanistan, Nigeria, Pakistan und Eritrea.In ihrem Vortrag konzentrierten sie sich auf die Struktur einer ehrenamtlichen Feuerwehr in Bayern. Darüber hinaus präsentierten sie die Schutzkleidung sowie die Spezialausrüstung für Atemschutzgeräteträger. Zudem informierten sie die Besucher über das Verhalten im Brandfall und erklärten ihnen die Aufgabe und Funktion eines Rauchwarnmelders. Im praktischen Teil durften sich allesamt am Feuerlöschtrainer als "Löschmeister" unter Beweis stellen. "So leisten unsere Feuerwehren einen enormen Beitrag für die Gesellschaft," erklärt Kreisbrandrat Christof Grundner.

"Dies ist auch das Motto und das Ziel der Max Aicher Stiftung," so Angela Aicher. "Bildung für ALLE in der gesamten Region und darüber hinaus anzubieten, unabhängig von Nationalität, Religion, Status etc. - und auch zu finanzieren. Mit zahlreichen Qualifizierungsmaßnahmen werden insbesondere Menschen, die besonders auf Hilfe angewiesen sind unterstützt. Deshalb bieten wir unter anderem Schulungen wie die Mieterqualifizierung an".

Wasserstandszähler, Kaution und Co 

Die Schulung erleichtert die Wohnungssuche für Neubürger, aber auch insgesamt Wohnungssuchende oder andere an der Thematik Interessierte. Voraussetzungen für die Teilnahme sind sehr gute Deutschkenntnisse, die vollständige Anwesenheit im Unterricht, Hausaufgaben sowie ein positives Abschneiden im Abschlusstest.

In der Mieterqualifizierung werden grundlegende Dinge zum Thema Wohnen und Leben erklärt und gibt so auch Vermietern eine gewisse Sicherheit bei Neumietern. Die Kursleiterin Lara-Sophie Burczyk erklärt dazu: "Wir können uns nicht vorstellen, vor welchen Herausforderungen unsere Neubürger stehen. Was ist ein Wasserstandszähler? Was heißt Infrastruktur? Wieso habe ich 3 Monate Kündigungsfrist? Warum bezahle ich eine Kaution? Was ist eine Provision? Was muss ich tun, wenn in der Wohnung etwas kaputtgeht? Für uns sind das alltägliche Situationen und Bedingungen, für die Flüchtlinge ist das Neuland. Es geht dabei auch um kulturelle Aspekte wie das Händeschütteln oder dass ich jemanden ansehe, wenn ich mit ihm rede.“

Das Max Aicher Bildungszentrum und das Landratsamt Traunstein Land führten diese Fachschulung zum 1. Mal in Trostberg und in Traunstein durch. Angela Aicher erklärt: "Wir erachten es als sehr wichtig, dass die Zuwanderer und alle Wohnungssuchenden in der Wohnungssuche und als (zukünftige) Mieter geschult werden. Das "Mieterzertifikat" ist in Zeiten eines extrem schwierigen Wohnungsmarktes als klarer Wettbewerbsvorteil zu werten."

Die Veranstaltung im SozialRaum in Trostberg war vom Hauptthemen "Wohnen und Sprache" geprägt. Gabriele Bauer-Stadler, Leiterin des Max Aicher Bildungszentrums dazu: "Beide Themen ergänzen sich und führen die Menschen zusammen. Eine Wohnung zu beziehen bedeutet gleichzeitig, den ersten Schritt für eine neue Heimat zu tun. In der Hausgemeinschaft und am Wohnort soll sich jedes Familienmitglied wohlfühlen. Gute Kontakte zur Nachbarschaft und dem näheren Umfeld können dazu einen erheblichen Beitrag leisten. Die Sprache ist dabei das wichtigste Kommunikationsmittel. Nur über eine gute Verständigung können Freude oder Sorgen vermittelt werden. Auf den Mitmenschen zugehen und für andere Meinungen offen zu sein, fördert und stärkt die Gesellschaft."

Wichtige Integrationsarbeit 

"Die Mieterqualifizierung gemäß dem Neusässer Konzept ist für uns ein sehr wichtiger Teil der Integrationsarbeit im Landkreis", so der Integrationslotse des Landkreises Traunstein, Griesbeck. "Nach Traunreut im Jahre 2018 ist dies die zweite Mieterschulung des Landratsamtes Traunstein und der Max Aicher Stiftung." Er ergänzt: "In Zeiten der schwierigen Wohnsituation in Bayern möchten wir im Sinne aller Beteiligten diese Fachschulung im Landkreis weiter anbieten. Wir hoffen, dass Wohnungsvermieter den Vorteil des Mieterzertifikates erkennen und wünschen den Absolventen viel Glück bei der Wohnungssuche." Florian Griesbeck dankt speziell für die Unterstützung zur Durchführung der Mieterqualifizierung auch der Freiwilligen Feuerwehr Traunstein, der Freiwilligen Feuerwehr Trostberg, der Diakonie Traunstein und dem Helferkreis sowie dem Sozialraum Trostberg.

Marlene Meister als Hauptagierende im Helferkreis Trostberg erklärt, warum ihnen die Mieterschulung so wichtig war. "Die Wohnungssituation ist auch bei uns im Landkreis sehr angespannt. Umso wichtiger sind Informationen und Aufklärung zum Thema 'Wie miete ich eine Wohnung und wie kann ich sie langfristig behalten'. Damit wir so viele Neubürger wie möglich sinnvoll erreichen, achteten wir auf drei Dinge: ein klares Konzept, wie es das Neusässer Konzept anbietet, eine pädagogisch gute und wertvolle Umsetzung durch das Bildungszentrum Max Aicher und die Abstimmung mit dem Landratsamt Traunstein, Florian Griesbeck. Rückblickend auf den Unterricht hatten die Teilnehmer/innen Spaß und Freude an dem Seminar, was uns sehr gefreut hat, da sie auch nicht wussten, was auf sie zukommt. Nicht nur, dass ihnen die Wissensvermittlung rund um das Thema "Wohnen" gefallen hat, sondern sie haben es als eine Art Deutschunterricht gesehen. Zusätzlich hat es dazu beigetragen, einen strukturierten Tag zu haben, was soweit geführt hat, dass selbst Flüchtlinge daran teilgenommen haben, die nicht alles verstanden haben. Die Lehrerin Frau Burczyk konnte alle super motivieren und die meisten Teilnehmer bis zum Schluss im Kurs halten 'sie hat es so toll und spannend gemacht' “ Letztendlich, so fügt Meister hinzu "Ein Zertifikat - darüber freuen sich alle und die 'Aufkärung zum Leben in Deutschland' mit all seinen Facetten ist ein hilfreiches Mittel, das zu Ruhe und langfristiger Integration beiträgt."

Sprach- und Fachschulungen auch im Landkreis Traunstein 

Angela Aicher betont in ihrem Statement: "Gemeinschaftliche Modellprojekte wie diese müssen weitergeführt werden, auch über das Berchtesgadener Land hinaus. Wünschenswert ist eine Ausweitung auf zusätzliche Partner auch im Landkreis Traunstein, denn professioneller Sprach- und Fachunterricht muss weiter verstärkt koordiniert mit allen relevanten Institutionen angeboten werden. Er ist einheitlich für alle Zuwanderer, Flüchtlinge und Asylbewerber zu erweitern und in der Grundstruktur aus öffentlichen Mitteln zu finanzieren. Hier sind gemeinsames Vorgehen und gemeinsame Finanzierungsmodelle zu planen und umzusetzen. Die Max Aicher Stiftung wird weiterhin den Deutschunterricht und Folgeangebote in der Region und darüber hinaus fördern."

Hier hat man bereits Impulse gesetzt. Seit Juni diesen Jahres bietet das Bildungszentrum Max Aicher in Zusammenarbeit mit der Stadt Tittmoning drei Deutschkurse vor Ort an. In einem Partner - Netzwerk, die sich auch die Kosten teilen. Johannes Lanser von der Bürgerhilfsstelle Tittmoning erklärt, warum dieser Schritt der Stadt wichtig war: "Die Zahl der MigrantInnen ist in Tittmoning in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Der Stadtverwaltung Tittmoning ist es wichtig, die Möglichkeiten für sprachliche Qualifikation und Integration der zuwandernden Menschen zu fördern, damit einem guten Miteinander nichts im Wege steht. In Zusammenarbeit mit der Max Aicher Stiftung, den Firmen Rosenberger Hochfrequenztechnik GmbH&Co.KG und Siloking/Mayer Maschinenbau GmbH, sowie dem sozialtherapeutischen Zentrum Tittmoning (Domus Mea) und dem Katholischen Kreisbildungswerk in Traunstein konnte die Stadtverwaltung drei Deutschkurse starten.Das Angebot wird sowohl von Betrieben, als auch von MigrantInnen und Geflüchtete genutzt. Derzeit sind Menschen aus 14 Herkunftsländern dabei, mit großer Motivation ihre Sprachkenntnisse zu verbessern." Bei Interesse sind weitere Anmeldungen zu den Kursen "Deutsch ohne Vorkenntnisse, Deutsch mit Grundkenntnissen und Anfänger fortgeschritten" jederzeit über die Bürgerhilfsstelle Tittmoning im Rathaus möglich.

Ausblick

Internationale Studien bestätigen, dass der Zugang zu Bildung für Zuwanderer, im Besonderen Sprachförderung (vom ersten Tag an) weiter Priorität haben muss, um Integration zu gewährleisten. Die willigen Schüler müssen die Möglichkeit haben, mit Folge-Angeboten wie Fachkursen, einem Schulabschluss, einem Praktikum etc. weiter an ein Leben in Deutschland herangeführt zu werden. Gabriele Bauer-Stadler erklärt dazu: "Es braucht vor allem eine weitere Diversifizierung der Kurse, um den vielen unterschiedlichen Lernbedürfnissen der Asylbewerber gerecht zu werden. Die Neubürger müssen rasch und ohne lange Wartezeiten die Sprache, soziale Kompetenzen und Werte erlernen. Noch immer warten (berechtigte) Asylbewerber mindestens 6-8 Monate auf einen (ersten)staatlichen Sprachkurs. Die Möglichkeit für ALLE, unabhängig von Nation, Status ua. Sprach- und Fachunterricht zu nutzen, ist einzigartig in der Region."

Aktuell lernen im Bildungszentrum Max Aicher ca. 140 Schüler - in 12 Kursgruppen und zwei Mittelschulklassen – im Berchtesgadener Land und NEU auch im Landkreis Traunstein. Etwa 70% der Teilnehmer erfüllen die Anwesenheitspflicht, legen die Monatstests ab und haben ein Anrecht auf eine Teilnahmebestätigung. Fachschulungen wie die Mieterqualifizierung sowie Lehrexkursionen runden das Unterrichtsangebot im Bildungszentrum Max Aicher in Kooperation mit Partnern ab.

Die Max Aicher Stiftung wurde 2014 von Evelyne und Max Aicher gegründet und umspannt die Max Aicher Unternehmensgruppe. Rund 4.000 Mitarbeiter arbeiten in 18 Ländern mit Leidenschaft und Technologie-Know-how an hochwertigen Produkten sowie intelligenten industriellen Verfahren und Dienstleistungen für nachhaltigen Fortschritt. Die Max Aicher Unternehmensgruppe erwirtschaftet im Durchschnitt rund 1 Mrd. Euro im Jahr und produziert allein in Bayern und Ungarn ganzjährig an die 1,5 Millionen Tonnen Stahl. Die geschäftlichen Aktivitäten in der Unternehmensgruppe sind in den vielen Jahren immer gewachsen und wurden dabei stets nach positiven Synergieeffekten ausgerichtet. Die Geschäftsfelder sind heute im Einzelnen: Stahl & Produktion, Umwelt & Recycling, Immobilien & Projekte, Bau & Konstruktion, Freizeit & Tourismus.

Pressemitteilung Max Aicher Stiftung

Rubriklistenbild: © picture alliance / Hannibal Hans

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