Kulturelles Vakuum wegen Corona

Claudia Koreck im Interview: Wie geht es den Chiemgauer Musikern?

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Wie geht es derzeit den Chiemgauer Musikern? Wir haben nachgefragt bei Claudia Koreck.

Landkreis - Die Musikerin Claudia Koreck im Interview: Wie geht es Musikern und Kulturschaffenden im Chiemgau und mit welchen Problemen habe sie in Zeiten von Corona zu kämpfen?

Auf den Chiemgauer Konzertbühnen herrscht derzeit ein kulturelles Vakuum. Der Corona-Blues grassiert unter Veranstaltern wie Musikern. Auch wenn es in der Netzwelt vielfältige kreative Aktivitäten gibt, so kann das nicht über die für viele kritische Situation hinweg täuschen. Wie geht es derzeit den Chiemgauer Musikern? Wir haben nachgefragt bei Claudia Koreck. Ein Gespräch über Zusammenhalt, staatliche Hilfen für KünstlerInnen und das Gemeinschaftsprojekt zum aktuellen Video.


Wie betrifft Dich die Corona-Krise aktuell, persönlich und finanziell? Wie gehst Du damit um?

Claudia Koreck: Ich nehme es an, wie es ist. Etwas anderes bleibt einem eh nicht übrig. Ich bin momentan dankbar, dass meine Familie gesund ist und wir uns alle gut verstehen. Und dass wir eine fantastische Nachbarschaft haben, wo man sich hilft, wenn Not am Mann ist und alle am gleichen Strang ziehen. 


Natürlich sind uns auch alle kommenden Konzerte bis in den Sommer hinein gestrichen bzw. verlegt worden und aktuell kommt kein Geld rein. Das ist allerdings eine Situation, vor der man als selbstständige Musikerin öfter stehen kann. Für diesen Fall hat mir ein befreundeter Künstler schon sehr früh einen super Tipp gegeben: Lebe in Zeiten, in denen es gut läuft eher bescheiden und leg dir was auf die Seite, damit du in Zeiten, in denen es schlechter läuft nicht aufgeschmissen bist und du genauso weiterleben kannst. So habe ich es immer gemacht und deshalb werden wir jetzt auch über die Runden kommen. Zumindest, wenn unsere Tournee im Herbst stattfinden kann. Bis dahin können wir unser Leben stemmen.

Die Kulturstaatsministerin hat schnelle, unbürokratische Hilfe auch für freischaffende Künstler versprochen. Sind diese Hilfen für Dich passend und einigermaßen ausreichend? Ist die Beantragung wirklich unbürokratisch? Aus Hamburg wird von 20 Formularen mit 60 Seiten berichtet.

Claudia Koreck: Diese Hilfen sind ja jetzt für Musiker, die nichts auf der Seite haben und die Geld zum Überleben brauchen. Es gibt in Bayern ein Formular für Selbstständige, wo man auf den ersten Blick recht unaufwendig Soforthilfe von ca. 5000 Euro beantragen kann. Ich habe aber auch schon von befreundeten Musikern gehört, dass die bundesweite Antragstellung sehr komplex sein soll und alles andere als unbürokratisch.

Auch die GEMA hat einen Schutzschirm für ihre Mitglieder beschlossen. Ist dieser wirklich hilfreich und ausreichend?

Claudia Koreck: Als Songwriterin ist die GEMA super! Es werden regelmäßig Gelder ausgeschüttet, wenn deine Musik im Radio oder Fernsehen läuft, aber auch wenn Deine Stücke live aufgeführt werden. Da ja aktuell keine Live-Konzerte stattfinden, bietet die GEMA eine Art Vorauszahlung an. Für GEMA-Mitglieder in akuten finanziellen Schwierigkeiten gibt es auch einen Hilfsfond. Wie alles funktioniert, weiß ich nicht, da ich diese Hilfe zum Glück vorerst nicht in Anspruch nehmen muss.

Gibt es evtl. gemeinsame geplante Initiativen von Musikerinnen und Musikern im Chiemgau und Umgebung?

Claudia Koreck: Es ist ja mein Beruf, die Leute zu unterhalten, gerade auch in tristen und unsicheren Zeiten wie diesen. Deshalb habe ich spontan ein Lied veröffentlicht, welches den Leuten ein wenig Trost und Zuversicht spenden soll. Es heißt „Es geht vorbei“ und ganz viele Leute hier im Chiemgau haben einen Videobeitrag für eine Art „#wirbleimdahoam“ Video gemacht. Weil wir ja alle im gleichen Boot sitzen und man diese Zeit bloß gemeinsam überstehen kann. Ich glaube, jeder gibt gerade das, was er kann. Ob Kinderbetreuung, Homeoffice, Ärzte und KrankenpflegerInnen, die PostlerInnen und VerkäuferInnen. Und meine Aufgabe als Künstlerin ist es jetzt eben nicht zu jammern, sondern meinen Job zu machen wie so viele andere zur Zeit auch. Ganz viele Musiker geben auch online Wohnzimmerkonzerte und ich finde es einfach so schön zu sehen, wie sehr wir gerade alle mit vereinten Kräften mithelfen, diese Krise zu überstehen.

Ich weiß, dass ein paar Musiker derzeit die Radios darauf aufmerksam machen, bitte die regionalen Musiker zu unterstützen, in dem sie ihre Songs im Radio spielen. Radio BUH macht das ja glücklicherweise das ganze Jahr über, auch die Bayernwelle möchte die regionalen Musiker fördern. Vielleicht ziehen die großen Sender auch mit. Das fände ich ganz toll und ich denke, dass genau das jetzt in jeder Branche total wichtig ist. Sich gegenseitig zu stützen und zu helfen. Auch unsere schönen kleinen Läden im Chiemgau, die jetzt ums Überleben kämpfen kann man derzeit mit online-Bestellungen unterstützen.

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Vielen Dank für das Interview an Claudia Koreck!

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