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Natürlichen Feind der Tiere

Landkreis Traunstein: Heimische Krebse in Gefahr

Edelkrebs.
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Edelkrebs.

Wasserwirtschaftsamt Traunstein informiert über den natürlichen Feind der Tiere – und über den Schutz vor ihm.

Die Mitteilung im Wortlaut:

Landkreis Traunstein - Wer von Krebsen hört, denkt vermutlich zunächst an Krustentiere für maritime Gerichte und an ferne Länder. Doch Krebse leben nicht nur im Meer. Einige Arten kommen im Süßwasser vor – und deshalb auch in unserer Region. Die Existenz der heimischen Krebse wird allerdings bedroht. Meldungen über verendete Tiere erreichen immer wieder auch das Wasserwirtschaftsamt Traunstein. Welche Gefahr droht und welche Schutzmöglichkeiten es gibt, erklärt die Behörde in einer Pressemeldung.

Vorkommen in der Region

Zu finden sind Krebse etwa an Zuflüssen zur Saalach, an den Mühlbächen von Alz und Traun sowie in der Alz selbst. Von den sechs Flusskrebsarten die bei uns vorkommen sind nur zwei Arten heimisch: Der Steinkrebs gilt mit rund zehn Zentimetern Länge als die kleinste europäische Flusskrebsart. Die Rote Liste zählt ihn zu den „sehr gefährdeten“ Arten. Er lebt gerne in sommerkalten Oberlaufbächen und -gräben. Auch in Uferzonen höher gelegener Seen fühlt er sich wohl. Er versteckt sich in selbstgegrabenen Höhlen unter Steinen, Wurzeln oder Totholz – ganz wie sein Verwandter, der Edelkrebs. Edelkrebse sind die häufigste heimische Krebsart in Bayern. Sie können mehr als 20 Zentimeter groß werden. Ein sicheres Erkennungsmerkmal sind ihre leuchtend roten Wülste am Scherengelenk. Edelkrebse schätzen höhere Temperaturen als Steinkrebse, wobei sich die Lebensräume auch überschneiden können.

Edelkrebse sind nachtaktiv und verstecken sich tagsüber. Sie haben keine hohen Ansprüche an die Wasserqualität, brauchen jedoch unbedingt Strukturen, unter denen sie Schutz finden. Sind solche Strukturen nicht ausreichend vorhanden, wie in vielen nicht mehr natürlichen Bächen, bekommen die Tiere Stress. Früher war der Edelkrebs in Bayern weit verbreitet. Doch das hat sich geändert: Heute gilt er laut Roter Liste als „gefährdet“. Schon in den 1960er-Jahren waren die Edelkrebsbestände in unserer Region sehr dezimiert. Der damals aus Nordamerika in großem Umfang eingeführte Signalkrebs hat weiter rasant zum Niedergang des Edelkrebses beigetragen. Denn er ist Überträger der tödlichen Krebspest.

Tödliche Bedrohung im Wasser

Der Erreger dieser todbringenden Krankheit ist ein Pilz, der sich bei den Signalkrebsen in der Haut einnistet, die Signalkrebse aber selbst nicht tötet. Alle anderen Krebsarten haben keine Abwehrkräfte gegen den Pilz. In unserer Region ist vor allem der Edelkrebs betroffen: In einigen Gewässern ist seine Population bereits beinahe ausgerottet. Das liegt auch daran, dass der Pilz nicht nur das Tier befällt. Sondern er beginnt zudem, im Wasser neue Sporen zu produzieren. Bei seiner Weiterverbreitung helfen passive Überträger wie andere Tiere, Angler und Sportler mit ihren Geräten oder Boote und Treibgut. Das Tückische am Signalkrebs als Überträger sind seine Wanderlust und seine hohen Wachstums- und Vermehrungsraten. So hat er bereits viele heimische Gewässer erobert. Gut erkennen lässt sich der Signalkrebs dank seines türkis-weißen „Signalflecks“ auf dem Scherengelenk. Doch nicht immer ist der Fleck deutlich zu erkennen.

Es droht Verwechslungsgefahr, vor allem bei jungen Tieren. Signalkrebse sind was den Lebensraum angeht nicht spezialisiert und finden sich in warmen und kühlen Gewässern zurecht. Sie haben sich nicht nur in den größeren Flüssen verbreitet, sondern auch in kleineren Bächen. In der Region finden sie sich zum Beispiel im Hosewaschbach im Berchtesgadener Land und im Winklhamer Bach im Landkreis Altötting.

Schutz vor Übertragung

Um die Übertragung der Krebspest in weitere Gewässer zu verhindern, ist ein hohes Maß an Hygiene erforderlich. Krebspest-Erreger können bis zu 14 Tage im wässrigen Milieu überleben und infektiös bleiben. So müssen alle Geräte und Kleidungsstücke wie Gummistiefel, Angelruten, Kescher, Eimer oder auch Boote desinfiziert werden, wenn sie Kontakt mit Krebspest-kontaminiertem Wasser hatten. Zur Desinfektion eignet sich das Durchtrocknen in der Sonne über mehrere Tage, ein Bad in über 60 Grad heißem Wasser sowie eine Desinfektion mit jodhaltigen Mitteln oder mit Natrium-Hypochlorid-Lösungen.

Das sagt der Gesetzgeber

Der Signalkrebs gilt als invasive, also als gebietsfremde, eindringende Art. Als Überträger der Krebspest schadet er der Biodiversität. Die Europäische Union hat die Art daher im Jahr 2016 auf die Unionsliste der invasiven Arten gesetzt. Für diese Tiere gilt demnach ein Verbot der Haltung. Signalkrebse dürfen auch nicht gezüchtet werden. Sie in Umlauf zu bringen ist ebenso verboten, wie sie in der Umwelt auszusetzen. Die gute Nachricht ist die, dass die Krebspest keiner anderen Tierart gefährlich werden kann und Signalkrebse durchaus zum Verzehr geeignet sind. Weitere Informationen gibt es auf der Homepage des LfU Bayern. Wer Krebse gefunden hat, kann dies gerne dem Wasserwirtschaftsamt Traunstein mitteilen. Am besten per Mail an: poststelle@wwa-ts.bayern.de.

Pressemitteilung Wasserwirtschaftsamt Traunstein

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