Pressemitteilung Umweltschutzverband Alztal und Umgebung e.V.

UVA kritisiert unzeitgemäße und naturschädigende Planung

+
von links: Reinhold Schopf (UVA-Stellvertreter), Lena und Lilli, Gisa Pauli (Vorsitzende) in der hinteren Reihe: Die Eltern: Andrea und Stefan Haller

Landkreis Traunstein - Ja zur behutsamen Ortsentwicklung. Nein zu Naturzerstörung, gigantischem Flächen- und Ressourcenverbrauch. So etwa könnte das Fazit für den Kiesabbau in Seeon und für die Seebrucker Entlastungsspange zusammengefasst werden, so Gisa Pauli.

Der Umweltschutzverband Alztal und Umgebung e.V. (UVA) erstellte für Kommune und Ämter seine Stellungnahmen und gab diese auf seiner Mitgliederversammlung im "Hotel Pfau" den im Verein integrierten Bürgerforen bekannt.


Seit Monaten brennen die Themen "Konzentrationszonen für Kiesabbau" und "Entlastungsspange für Seebruck" den Bürgern auf den Nägeln. Mit dem Zusammenschluß traten zwei couragierte Gruppierungen den Verband bei. Beide Planungen sah der UVA-Vorstand als unzeitgemäß und naturschädigend an.Nicht der unbegrenzte und ausbeuterische Abbau von Kies und Sand oder der überregionale Verkehr dürfe Vorrang haben, so Pauli, sondern der Schutz von Natur und Mensch. Im Rahmen der Beteiligung der Öffentlichkeit faßte die Vorsitzende die wichtigsten Punkte aus dem 23 seitigen Schreiben des Berliner Rechtsanwalts zusammen, die die Zuhörer mit großer Aufmerksamkeit verfolgten.

"Planung mit Vorgaben unvereinbar!" 

Laut Tim Stähle verstoße die Planung in Seeon gegen den Paragraphen1, Absatz 4, Baugesetzbuch. Die Pläne seien den Zielen der Raumordnung anzupassen. Beide Flächen Niereiterfeld (18,62 Hektar) und Großfeld (7,67 Hektar) liegen außerhalb der Vorbehaltsgebiete des Regionalplans 18. Die Grenzen der gemeindlichen Gestaltungsfreiheit seien überschritten und bedingen einen Verstoß. Selbst eine Zulassung im Ausnahmefall hielt der Rechtsanwalt für ausgeschlossen. Auch widerspreche die Planung den gesetzlichen Anforderungen. Zur Prognose kritisierte der Berliner, die nicht methodisch einwandfreie Herangehensweise. Es zeichne sich ab, dass sich diese nicht auf objektive Entwicklungstendenzen stütze.Damit sei sie rechtsfehlerhaft und auf einen unrealistischen Maximalbedarf für Kies- und Sandabbau getrimmt. Ebenso sei die Erschließung nicht abgearbeitet. Der durch den Kiesabbau verursachte Schwerlastverkehr werde in keiner Weise beschränkt oder in verträgliche Bahnen geleitet. Dies sei vor dem Hintergrund rechtlicher Anforderungen ungenügend. Nicht klar sei, ob die TS 31 in der Lage sei, vorhabensbedingte Verkehre zusätzlich aufzunehmen oder ob die zusätzliche Anbindung im Osten und Westen über bestehende Waldwege und Straßen rechtlich realisierbar sei. Ein Abbau von Kies und Sand sei ein naturschutzrechtlicher Eingriff. Gehen doch mit dem Vorhaben Veränderungen einher, die Leistung- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts oder Landschaftsbildes erheblich beeinträchtigen. Dass der Flächennutzungsplan zur naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung nicht "schweigen darf" sei per Gesetz bestätigt. Und:Schutzgut Grundwasser gehöre zu den Belangen des Umweltschutzes, welche es bei der Aufstellung von Plänen zu berücksichtigen gilt. Laut Anwalt könnten die Grundwasser-Flurabstände einer Zulassungsfähigkeit von Abbauplänen entgegenstehen und die Planung deutlich in Frage stellen. Mit der Ausarbeitung sahen sich UVA und Projektleiter Gerd Räpple bestätigt.


Brücke: Rein politische Entscheidung! 

Eine weitere Stellungnahme wurde auch für Seebruck notwendig, nachdem sich der Verband von den zerstörerischen Ausmaßen der zu schützenden Gebiete überzeugt habe. Pauli führte dazu aus, dass die in den 30er Jahren gebaute Brücke auf acht Pfeilersockeln steht und marode sei. Die Planung einer neuen Brücke mit verbreiterter Fahrbahn und höherer Belastbarkeit für 40-Tonnen-Lkws sei nicht nachvollziehbar und eine rein politische Entscheidung.

Im Untersuchungsraum liegen die Landschaftsschutzgebiete "Chiemsee", "Oberes Alztal", das Flora-Fauna-Habitat im Bereich des Chiemsees, der Alz und der Gramsen Filz, das Biotopgebiet sowie Bodendenkmäler im geschützten Gebiet des Moors. Hinsichtlich massiver Schutzkriterien und schwerer Eingriffe wurde noch im vergangenen Jahr, die Planung als unrealistisch bezeichnet.

Die hochwertigen Schutzgebiete und Naturräume wären betroffen und Seebruck einzigartige Natur ginge verloren,

so Pauli. Zudem verschandele die Brücke das Ortsbild. Eine unnötige Fernverkehrsverbindung mit hohem Schwerlastverkehr habe nichts in einem zu erhaltenden Naturraum und Tourismusgebiet verloren. Der Verkehr müsse aus dem Ort heraus- und nicht hineingeführt werden. Auch bedrohe Lärm, Feinstaub und Gestank heimische Arbeitsplätze. Und: Ein 15jähriger Planungszeitraum sei für Bewohner und Gäste eine Zumutung. Ein Nutzen für die Einheimischen sei nicht erkennbar, ebenso wenig eine Verbesserung für Fußgänger und Radfahrer. Mit einer verkehrsberuhigten Ausgestaltung der Staatsstraße könne eine weitaus bessere, verträglichere und kostengünstigere Lösung geschaffen werden. Pauli appellierte nach neuen Lösungen zu suchen, in denen die Natur und die Bedürfnisse der Seebrucker sowie der Erhalt der Arbeitsplätze im Mittelpunkt stehen. Isabella Zimmermann brachte die archäologischen Funde vor Ort zur Sprache. Arnulf Erler erwiderte, dies werde den Bau nicht verhindern, bestensfalls verzögern. Hans Fasenacht erklärte: Noch nie war die Sensibilisierung für den Naturschutz so hoch: Zeitgeist, Klimaschutz und die bevorstehenden Kommunalwahlen könnten durchaus die Planungen beeinflussen.

500. Mitglied begrüßt

Die Mitgliederzahl im Umweltschutzverband hat sich mit den letzten Monaten deutlich erhöht. Nicht nur aus Seeon und Seebruck sondern auch aus Altenmarkt, Schnaitsee und dem Altöttinger Landkreis kamen die Leute zum UVA mit ihren Sorgen. Insgesamt verzeichnet der Verein 542 Mitglieder.In seiner Verbandssitzung freute sich die Vorstandsspitze besonders darauf, sein 500. Mitglied, sprich eine vierköpfige Mitgliederfamilie zu begrüßen. Andrea und Stefan Haller kamen mit ihren beiden Töchtern Lena (11 Jahre) und Lilli (8 Jahre) und wurden von der Vorsitzenden Gisa Pauli und dem zweiten Vorsitzenden Reinhold Schopf mit einem Vogelhäuschen - vom Stellvertreter liebevoll angefertigt- beschenkt, in dem ein aus eigener Imkerei hergestellter Bio-Honig und zwei Kinokarten für das Trostberger Kino versteckt wurden.

Pressemitteilung Umweltschutzverband Alztal und Umgebung e.V.

Kommentare